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Giro di Moto d'Italia 2023
Dieses Jahr haben wir uns die Umrundung des italienischen Stiefels vorgenommen. Vom Sonntag, den 14.05.2023 bis Donnerstag, den 08.06.2023 sind wir mit unseren Motorrädern unterwegs. Die Highlights wollen wir gerne wieder mit euch teilen.
Sonntag, 14.05.2023. Wir fahren in einem Rutsch bis Pflersch in Südtirol und nehmen Quartier im Hotel Argentum. Klatschnass und verfroren sind wir dankbar für das große Familienzimmer und die gute Küche direkt im Haus. Auch unsere Motorräder freuen sich über die trockene Tiefgarage. Chefin und Personal sind allesamt freundlich, die Preise ok. Prädikat: wirklich empfehlenswert.
Montag, 15.05.2023. Unser heutiges Ziel ist das schöne Padua. Zum Glück schenkt uns der Wettergott traumhaftes Motorradwetter. So können wir die Fahrt über die Brennerautobahn und die schönen Bergsträßchen mit vielen Kehren genießen. Doch Achtung: diese Strecke ist blitzerverseucht. Die letzten Kilometer nutzen wir die Autobahn, so dass wir am frühen Nachmittag bei angenehmen 23°C im Igeo Hotel nahe der Altstadt ankommen. Auch hier gönnen wir den braven Mopeds die Unterbringung in der nahen Tiefgarage für 6 € pro Fahrzeug und Nacht.
Der Tag ist noch jung, so dass wir uns noch die Basilica di Antonio am Piazza del Santo ansehen. Der Eintritt ist kostenlos und die Kirche sehenswert. Danach gibt es für uns am Kirchplatz den ersten italienischen Cappuccino mit Blick auf eifrigen Trubel, Straßenverkaufsläden und vielem mehr. Atmosphäre genießen, heißt unsere Aufgabe.
Dienstag, 16.05.2023. Heute besichtigen wir Padua zu Fuß und überwiegend im Regen. Ich nehme es gleich vorweg: Padua verfügt, wie viele italienische Städte, über eine hohe Anzahl an Kirchen. Darunter ist zweifelsohne die Cappella degli Scrovegni hervorzuheben. Sie ist berühmt durch die Fresken von Giotto di Bondone und Skulpturen von Giovanni Pisano. Daher ist sie so stark besucht, dass wir frühestens für 19 Uhr Tickets bekommen hätten. Also einmal das Kirchen- und Museumsensemble umkreisen,
um dann mehr Glück im Palazzo della Ragione zu haben, dem ehemaligen Rathaus Paduas. Mit Rentnerrabatt zahlen wir 5 € (anstatt 7 €) und können uns in aller Ruhe den riesigen Ratssaal ansehen.
Er ist so groß, dass hier rein rechnerisch 7 Tennisplätze hinein passen würden. Die Decke erinnert in seiner Konstruktionsweise an einen umgekehrten Schiffsrumpf. Sehr außergewöhnlich.
Außer dem stattlichen hölzernen Pferd bewundern wir noch ein Foucaultsches Pendel

und die Wandbilder mit Horoskop-Zeichen und sogar der Madam Sphynx als nackter Drache.
Anschließend heißt es einkehren und sich treiben lassen durch die schöne Altstadt. Padua verfügt über viele historische Bauten, deren Kaskaden uns vor dem Regen schützen.
Mittwoch, 17.05.2023 Bevor die Reise weitergehen kann, müssen erst einmal unsere völlig zugeparkten Motorräder aus der Tiefgarage befreit werden. Also rangiert der Parkwächter die Pkws ähnlich einem Tetris Schiebepuzzle um, bis wir tatsächlich starten können. Diesen Mann nenne ich Profi!
Auf dem Weg nach Ravenna sehen wir in der Lagune von Venedig Flamingos. Leider sind sie so weit weg, dass mein Fotoapparat völlig überfordert ist. Das menschliche Auge funktioniert eben doch anders. Und die Erinnerung bleibt.
Als wir das schöne Ravenna erreichen, machen wir zuerst im Mercato Coperto eine Mittagspause.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt haben ansonsten viele Geschäfte und Kirchen geschlossen.
Wir vermuten, dass das mit den aktuellen Überschwemmungen und Evakuierungen in der Gegend zu tun hat.
Nach kurzer Überlegung beschließen wir, Rimini auszulassen und ein Hotel im höhergelegenen San Marino zu buchen.
Jetzt liegen zwar nur 73 km vor uns, doch was wir noch nicht wissen, unser neues Ziel führt uns genau durch das Katastrophengebiet. Und schon beginnt das Abenteuer!
Wir haben uns unserem Ziel bereits auf 43 km genähert, als uns die erste Sperre ausbremst – wegen der Überschwemmungen. Unterwegs haben wir schon viele geflutete Wiesen und Äcker gesehen, doch jetzt betrifft es auch die Straßen, die Orte und – wie wir später im Internet lesen werden – auch Menschenleben.
Die nächste Sperrung erfordert wieder eine Neuorientierung und Weiterfahrt in eine andere Richtung. Dann noch eine Sperre und noch eine und noch eine. Ich weiß schon nicht mehr in welche Richtung wir eigentlich müssen, aber zum Glück scheint mein Gatte und Routefinder einen Plan zu haben.
Wir erreichen einen frisch entstandenen See an einem Kreisel. Das Wasser können wir zwar noch durchfahren, doch wieder ist der Abzweig in unsere geplante Richtung gesperrt.
Wir irren durch Cesena und sehen die verschlammten Straßenseiten, laufende Wasserpumpen, gesperrte Straßen und Endlos-Staus auf den noch befahrbaren. Mittlerweile ist es schon 18:30 Uhr. Längst hätten wir im Hotel sein wollen. Ob wir heute noch aus diesem Chaos heraus finden? Die vielen Menschen, die wir um Hilfe und Auskunft fragen, geben sich zwar alle Mühe, doch auch sie scheinen mit der Situation überfordert zu sein. Selbst die Polizei weiß nicht genau, welche Straßen noch passierbar sind. Doch bevor wir dem Rat eines Passanten folgen und uns hier irgendwo zwei Betten suchen, starten wir noch einen letzten Versuch: Autobahnauffahrt Richtung Ancona.
Und zum Glück gelingt es!!! Wir kommen voran. Die Republik San Marino und unser gebuchtes und schon bezahltes Hotel Dogana erreichen wir am späten Abend. Statt einer Stunde Fahrtzeit von Ravenna nach San Marino für 73 km brauchen wir 3 Stunden Fahrtzeit für X-km.
Zum Glück hat die Küche noch auf. Jetzt stärken wir uns erst einmal bevor wir ziemlich erledigt in die Betten fallen. Gute Nacht!
Donnerstag, 18.05.2023. Heute lassen wir die Motorräder stehen und fahren mit dem Linienbus für 4 € pro Person hinauf in die Città di San Marino (in Deutsch: Stadt San Marino) die Hauptstadt der kleinen Republik. Ein Taxi hätte laut Rezeptionistin ca. 30 € gekostet – einfache Strecke versteht sich. (Was wir nicht wussten: ein Hin- und Rückticket hätte nur 6 € gekostet. Mit Einzeltickets sind es dann 8 €. C´est la vie.)
Bei der Besichtigung des Regierungssitzes erfahren wir, dass die Republik San Marino seit 301 n. Chr. Existiert und somit die wahrscheinlich älteste Republik der Welt ist.
Mich beeindrucken die vielen alten Gebäude, Kirchen, Türme, Stadtmauer, Straßen, Atmosphäre und vieles mehr. Mein Prädikat an diese Stadt: Unbedingt sehenswert!
Parlamentssaal
Basilika San Marino

Freitag, 19.05.2023. Heute geht es weiter über Ancona für ein Fotoshooting bis nach Montesilvano.

Ancona: Mercato Pubblico und Fontana del Calamo
Wir bekommen im Hotel City noch ein Zimmer in Strandnähe, doch zuerst müssen wir uns um die profanen Dinge des Lebens kümmern: die Dreckwäsche. In der nahegelegenen Wäscherei bietet Berthold all seinen Charme auf, um bis morgen 10:30 Uhr unsere Dreckwäsche gewaschen zu bekommen. Tatsächlich gelingt ihm dieses Kunststück, obwohl die nette Dame zuerst ablehnte, sie sei „komplett“. Mal schauen, ob es wirklich klappt.
Wir gönnen uns noch einen Strandspaziergang, bevor wir das Fischrestaurant aufsuchen, das zum Hotel gehört. Unser netter Kellner Antonio spricht sogar deutsch. Sehr angenehm.
Samstag, 20.05.2023. Es geht weiter, doch erst nur bis zur Wäscherei. Und was glaubt ihr? Unsere Wäsche ist genau in diesem Moment fertig geworden. Wir sind begeistert und zahlen der guten Frau außer den verlangten 15 € natürlich noch ein Trinkgeld. Was haben wir für ein Glück!
Unser heutiges Ziel ist Bari Palese. Die über 300 km weite Strecke bei wechselhaftem Wetter mit teilweisem Nieselregen verlockt nicht wirklich zum Motorradfahren. So nehmen wir größtenteils die Autobahn, damit wir bald am Ziel sind. Im Hotel La Baia bekommen wir das letzte Zimmer für 100 € pro Nacht (während es Booking.com für 170 € angeboten hatte).
Für ein Abendessen machen wir einen Spaziergang zum Strand, um dort im Restaurant „AL Paradise“ köstlich verwöhnt zu werden.
Adresse: Via Tenente Saverio Noviello, 9, 70128 Bari
Auch die Bedienung ist super nett und das Lokal rappelvoll. Klaro!
Sonntag, 21.05.2023. Heute haben unsere Mopeds frei. Der Zug bringt uns von Bari Palese nach Bari Centrale, das bedeutet 12 Minuten Fahrt für 1,20 € pro Nase.
Wir schlendern durch die Altstadt und entdecken durch Zufall die „Nudelstraße“. Hier werden auf einfachen Küchentischen von erfahrenen Nudelmacherinnen Nudeln von Hand zubereitet. Man kann dabei zusehen und staunen, wie flink und akkurat die kleinen Produkte entstehen. Leider haben wir hier keine Kochmöglichkeit und weder Kühlung noch Platz, um diese Besonderheiten mit nach Hause zu nehmen.
Während die Damen mit dem Nudelmachen beschäftigt sind, treffen sich die Herren in einem Raum mit direktem Zugang zur Nudelstraße. Dort wird fröhlich gesungen und getrunken. Berthold wird auch herein gewunken. Mir ist das zu viel geballte Männlichkeit auf einem Fleck. Lieber schaue ich mich draußen noch ein wenig um.
Danach schauen wir uns das Castello Svevo die Bari an. Eintritt: 6 € (3 € ist es wert).
Mehr beeindruckt hat uns hingegen die Basilica Pontificia San Nicola. Obwohl sie von außen baulich nüchtern daher kommt, lassen einen die Säulen, Bögen und vor allem die Golddecke im Hauptschiff staunen. Aber im Film und auf den Fotos könnt ihr euch selbst ein Bild machen.
Nach leckerer Einkehr geht es dann wieder mit dem Zug zurück nach Bari Palese. Leider hat das „Al Paradise“ heute Ruhetag. Wir weichen auf ein anderes Lokal aus, das längst nicht so gut ist. Aber wir werden satt.
Montag, 22.05.2023. Heute verlassen wir Bari, um ein Highlight auf unserer Reise zu besichtigen: die Höhlenwohnungen von Matera.
Hier lebten bis 1956 Menschen in Höhlen mit Kind, Haustier und Hausrat auf engem Raum, ohne Strom- und Wasserversorgung. Die Familien hatten im Durchschnitt 6 Kinder, doch die Kindersterblichkeit lag bei 50%.
Das durfte so nicht weitergehen, weshalb die Menschen umgesiedelt wurden. Die in unmittelbarer Nähe gebauten Häuser verfügten nicht nur über die dringend benötigte Grundversorgung, sondern sie wurden auch baulich in die Landschaft integriert.
Das Ergebnis ist ein Augenschmaus. Als wir von oben auf die Stadt und die Höhlen schauen, geht mir das Herz auf. Aber schaut es euch im Film und auf den Fotos an. Es ist wirklich ein Hingucker.
Das oben beschriebene Matera ist für den normalen Autoverkehr nicht zugelassen. Dafür dürfen Kleinbusse, Taxen und Tuk-Tuks sowie Motorräder hinein. Es gibt sogar Motorradparkplätze im Zentrum.
Die Reise geht weiter und wir nehmen Quartier kurz vor Brindisi im Hotel Minerva, mitten im Nirgendwo. Der Preis, der Pool und ein Restaurant haben uns angelockt. Doch dann kam die herbe Enttäuschung. Der Pool ist zwar gefüllt, darf aber grundsätzlich erst ab Juni benutzt werden (???), obwohl laut Booking.com der Pool geöffnet sein soll. Nachdem wir uns beschwert haben, gestattet der Direktor die Nutzung und siehe da, wir bleiben nicht die einzigen Wasserplanscher.
Das Hotelrestaurant ist außer teuer auch noch enttäuschend sowohl in Auswahl als auch Qualität. Doch es hilft nix, da müssen wir jetzt durch – 2 Übernachtungen lang.
Dienstag, 23.05.2023. Heute steht Brindisi auf dem Plan. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich lieber in Matera geblieben wäre. Brindisi mag sich vielleicht gut für einen Strand- und Badeurlaub eignen, doch ansonsten gibt es weitaus schönere Kathedralen und Burgen. Jedenfalls erspart mir mein Gatte das Motorradfahren in der Stadt und somit werde ich heute zur Sozia. Auch mal angenehm.
Für ein paar Einkäufe haben wir leere Koffer dabei, damit wir uns abends selbst versorgen können. Und etwas Sonnenspray ist auch von Vorteil, denn der Pool hat ja geöffnet!
Mittwoch, 24.05.2023. Wir verlassen gerne das Hotel Minerva und starten Richtung Lecce, ziemlich im Nordosten des italienischen Stiefelsabsatzes. Die Altstadt Lecces ist – wie viele in Italien – eng bebaut und voller alter, schöner Gebäude. Hier suchen wir das Amphitheater. Leider Befindet es sich in einer Baustelle bzw. ist die Baustelle. Einen Blick darauf erhaschen wir aber trotzdem.
Lecce ist voller Touristen, Einbahnstraßen und engen Gassen. Man sollte diese Stadt am besten zu Fuß erkunden, aber nicht mit dem Motorrad. Nachdem wir eine Weile umhergeirrt sind, beschließen wir, wieder raus aus dem Straßenlabyrinth zu finden. Das heißt, Berthold findet und ich fahre hinterher. So geht´s. Wir fahren weiter über Taranto bis nach Villapiana. Hier haben wir ein Ferienreihenhaus mit Halbpension gemietet für 89 €.
Der Strand ist fußläufig und wir strecken unsere nackten Füße gerne mal ins Meer.
Doch es ist schon spät und das Abendessen ruft. Wieder erleben wir eine Überraschung, denn trotz des Kleingartencharakters der Anlage ist das Essen TOP! Und der Koch spricht sogar deutsch. Es stellt sich heraus, dass er einige Jahre in Frankfurt Rödelheim im „Rusticale“ als Koch gearbeitet hat. Das Lokal gibt es noch immer und Rödelheim ist meine Heimat, das verbindet.
Diese Unterkunft bekommt von mir das Prädikat unbedingt empfehlenswert, aber Autan-Spray nicht vergessen.
B&B Residence l´Ancora Casa Vacanze, Via Torre delle Guardie, 5, 87076 Villapiana Scalo.
Donnerstag, 25.05.2023. Die Schnaken machen mir den Abschied etwas leichter.
Heute geht es in die Berge. Auf einer Höhe von 1.500 m zeigt das Motorrad-Thermometer 15° C an, ziemlich ungewohnt. Wir befinden uns im Naturschutzgebiet Parco Nazionale della Sila mitbildschönen Seen, Kurven und Landschaften.
Die Bergsträßchen sind wegen ihrer Enge, ihres Zustands und des Kurvenreichtums anspruchsvoll. Die Auspuffe wedeln freudig und die Reifen werden wieder rund.
Die eingeplante Tankstelle bleibt uns aufgrund von Straßenbauarbeiten versperrt. Naturgemäß gibt es in einem Naturschutzgebiet kaum bis keine Tankstellen. In Longobucco fragt schließlich mein Routefinder Passanten und später in einer Bar die Gäste nach einer Zapfsäule. Die Einheimischen fahren hier alle Diesel. Benzin gibt es ca. 30 km retour oder in unserer Richtung nach ca. 60 km. Bertis durstige Maschine schafft im Gebirge vielleicht noch 25 km. Einer meint, wir können die Maschinen ja bergab rollen lassen. Also alles keine Lösung.
Das Palaver mit Händen und Füßen zieht sich eine Weile hin, bis sich tatsächlich ein Einheimischer erbarmt und uns zu verstehen gibt, dass wir ihm folgen sollen. Und tatsächlich bekommen wir von ihm 10 l Sprit aus einem Kanister für 20 € plus Trinkgeld. Halleluja!
Als wir aus den Bergen raus sind, tanken wir voll und nehmen die mautfreie Autobahn nach Scilla. Es ist 19 Uhr bis wir zufällig vor dem Hotel Sirene in Scilla einen Parkplatz finden. Eigentlich suchen wir noch das von uns angepeilte B&B, doch der Hotelwirt macht uns einen guten Zimmerpreis (50 €) sowie eine Garage für unsere beiden Mopeds. Passt!
Freitag, 26.05.2023
Die undichten Fenster unseres Zimmers tragen den Straßen- und Zugverkehrslärm bis zu unseren Ohren. Entsprechend unzureichend ist die Nacht- „Ruhe“ und wir zwei sind ziemlich müde. Auch das spärliche Frühstück reißt es nicht wieder heraus. Um 10 Uhr sitzen wir wieder im Sattel und es geht weiter.
Dafür bietet uns die heutige Route eine wunderschöne Küstenlandschaft bis nach Villa San Giovanni. Dort müssen wir feststellen, dass am Fährhafen keine Fährtickets erwerbbar sind. Auf Nachfrage werden wir zurück auf die Autobahn (???) geschickt. Etwas irritiert sehen wir schließlich die Verkaufsstellen, die man ohnehin passiert, wenn man von der Autobahn nach Villa San Giovanni kommt. Wir kreieren einen etwas unorthodoxen Weg zu den Verkaufsstellen und erwerben zwei Tickets für je 15 €. Das kostet ein Moped mit Mensch obendrauf. Danach geht es wieder zurück zum Fährhafen und ab auf die nächste Fähre.
Die 22 Minuten für die Überfahrt reichen gerade für ein Getränk und ein paar Aufnahmen. Sizilien, wir sind da!

Von Messina aus genießen wir überwiegend die Küstenstraßen und die traumhaften Ausblicke, die uns Berge, Küste und Meer zu bieten haben. Dazu gesellen sich Kurven ohne Ende. Einfach herrlich! Doch um heute Palermo noch zeitig zu erreichen, müssen wir doch einige Kilometer auf der Autobahn runterreißen - Tunnelhopping inklusive.
In Palermo ereilt uns dann der Verkehrsschock! Auf den 2-3 spurigen Straßen schießen hunderte Motorroller in jeden winzigen Winkel ohne jede Verkehrsregel. Es ist schlimmer als in Indonesien! On Top kommt noch, dass wir auf der Suche nach einer Wäscherei sind. Als wir dann endlich eine erreichen, stellt sich heraus, dass es sich um eine Reinigung handelt, keine Wäscherei. Doch wir bekommen einen Tipp, wo wir stattdessen auch fündig werden: Laverie l'Oblo. Und nicht nur das, die gute Frau lässt sich von meinem Routefinder tatsächlich überreden, alles bis morgen 11 Uhr fertig zu machen. TOP!
Erst jetzt steuern wir unser Hotel an. Das Astoria Palace ist ein riesiger Schuppen mit teurem Restaurant und auch fürs Parken werden 5 € pro Moped und Tag verlangt. Ganz schön happig.
Samstag, 27.05.2024
Um kurz vor 11 Uhr treffen wir in der Wäscherei ein. Was soll ich sagen - unsere Wäsche wird soeben noch zusammengelegt. Express sauber und trocken für 18 €. Prädikat: besonders empfehlenswert! Laverie l'Oblo, Via Volturno 62, Palermo.
Außerdem haben wir heute online 2 Tickets für den Hop on - Hop off Bus gekauft. Lediglich die Tickets für den öffentlichen Bus, der uns zur Hop on - Hop off Haltestelle befördern soll, haben wir noch nicht. Doch auch beim Busfahrer gibt es keine Tickets, wie wir erleben. Doch er nimmt uns auch ohne Ticket mit. Wow! Tatsächlich wissen wir bis heute nicht, wie wir regulär ein Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr in Palermo hätten kaufen können. Vielleicht auch online?
Als wir den Hop on - Hop off Bus erreichen, stellen wir fest, dass wir für diese Touristenatraktion auch im Bus hätten Tickets kaufen können. Versteh einer mal die Italiener. Mit unserem Ticket sind zwei Linien befahrbar. Wir entscheiden uns für diejenige, die uns die Altstadt zeigt. 6 Stationen liegen vor uns, darunter auch der Palazzo Reale. Den hätten wir gerne besichtigt, doch für dieses weitläufige Ensemble hätten wir wohl den ganzen Tag gebraucht.
Stattdessen kehren wir lieber ein. Gehört schließlich auch zum Urlaub.
Den Abend lassen wir im „La Braceria“ ausklingen mit einer riesigen gemischten Fleischplatte. Das Lokal ist top und nur ca. 100 Meter vom Hotel entfernt. Schade, dass wir es nicht schon gestern gefunden haben. La Braceria, Via Nicoló Spedalieri 2, Palermo.
Sonntag, 28.05.2023
Wir verlassen Palermo auf Umwegen - wegen eines sportlichen Großereignisses sind diejenigen Straßen gesperrt, die wir hätten befahren wollen. Doch mein angetrauter Routefinder findet auch hier wieder einen Weg.
Auf dem Weg nach Agrigento machen wir einen kurzen Abstecher an die Küste. Die „Türkische Treppe“ ist ein weißer Küstenabschnitt, dessen natürlichen Errosionen an eine Treppe erinnern. Vielen Touristen ist es ein Foto wert, so auch uns.
Die letzten 14 Kilometer zu unserer Unterkunft B&B Montemare schickt uns das Navi über kleinste steile und kurvige Bergsträßchen.
Im Quartier treffen wir auf Biker aus anderen Ländern: Belgien, Frankreich und dem Kreis Offenbach. So klein ist die Welt.
Montag, 29.05.2023
Heute stehen die archäologischen Stätten von Agrigent auf unserem Programm. Sie gehören zu den eindrucksvollsten archäologischen Fundplätzen auf Sizilien und zeigen vor allem die Überreste einer der bedeutendsten antiken griechischen Städte.
Dafür lassen wir die Motorräder stehen um in Zivilklamotten entspannt dieses Highlight zu genießen. Das Taxi kostet 30 € und wird von einer deutschsprechenden Fahrerin gelenkt. Von ihr erfahren wir einiges über das Leben auf Sizilien.
Der Eintritt kostet 10 € und ist es auch absolut wert. Die Anlage ist sehr weitläufig mit vielen Ruinen von Tempeln, Säulen, Fundamenten und Statuen.

Die Kameras laufen heiß und unsere Füße werden langsam rund. Dieses archäologische Freiluftmuseum ist wirklich sehenswert.
Nachdem wir uns gestärkt und zum Abschluss noch ein Eis vernascht haben, telefonieren wir unsere Taxifahrerin wieder herbei. Das nenne ich Komfort.
Das Restaurant im Montemare hat heute Ruhetag und das 2. Restaurant im Ort „Mimmo“ leider auch. Es ist halt Montag auf dem Dorf. Zum Glück finden wir noch eine Bar und ergattern die letzten Panini und Stückchen. Nach der Sucherei und dem Spaziergang zurück ins Hotel ist für uns der Tag buchstäblich gelaufen. Beide platt. Gute Nacht.
Dienstag, 30.05.2023
Das heutige Ziel heißt Syrakus. Auf dem Weg dorthin steigen die Temperaturen bis auf schwüle 29° C, um dann in einem heftigen Gewitter sein Grauen zu entfalten. Der Starkregen kühlt dann sehr schnell die Temperaturen auf 15° C herunter und bereitet für uns mehrere Flussdurchfahrten innerhalb kürzester Zeit. Zum Glück findet Berti einen Unterstand, in dessen Schutz wir unsere Regenkleidung überziehen können, auch wenn wir schon längst durchnässt sind. Ja, Motorradfahren hat auch seine Schattenseiten.
Als wir Syrakus erreichen, sind wir zum Glück schon fast wieder trocken gefahren.
Da es noch früh genug ist, besichtigen wir als erstes das griechische Amphitheater. Es wird oft als Openair-Veranstaltungsort genutzt, wie man unschwer an der installierten Ton- und Licht-Technik erkennen kann.
Der Eintritt kostet 13 €, inklusive der Höhlen. Ein Höhleneingang wird auch das Ohr des Dionysos genannt. Die Höhlen sind riesig und verlocken zum Erkunden.

Das alles ist in eine parkähnliche Anlage, in die archäologische Überreste eingebettet sind. Ein schöner Ort für Spaziergänge in der Stadt, trotz der vielen Touristen.
Wir checken im sehr schönen B&B Siracusa ein und müssen den weiteren Reiseverlauf planen. Ursprünglich wollten wir die Fähre von Messina nach Salerno über Nacht nehmen, doch leider gibt es an unserem Abfahrtsdatum keine freie Kabine mehr. Was nun? Für eine Übernachtung in einem Schlafsitz fühlen wir uns zu alt. Letztlich entscheiden wir uns für den Landweg bis Salerno. Also wieder die Fähre ab Messina nach Villa San Giovanni, um dann an der Küste entlang Richtung Salerno zu fahren. Wie bringt man nochmal Gott zum Lachen? Erzähle ihm von deinen Plänen.
Mittwoch 31.05.2023
Wir starten in Syrakus und weil uns die Landstrecke zusätzliche 500 km
beschert, nehmen wir überwiegend die Autobahn, um Strecke zu machen.
Für einen Ätna-Besuch verlassen wir die Autobahn, doch als wir uns dem Ätna nähern, ist er in Wolken gehüllt. Ohne Sicht lohnt sich der Weg dorthin heute nicht. Lieber schauen wir uns das Teatro Greco in Taormina an. Von einem Berliner Touristen, den wir in Taormina treffen, erfahren wir, dass der Ätna wegen Rauchentwicklung gestern gesperrt war. Und heute? Aber egal ob es sich um Rauch- oder Regenwolken handelt, wir haben alles richtig gemacht.Taormina ist wirklich eine Perle. Leider wissen das auch viele andere Menschen, so ist die Stadt mit Touristen nahezu übervölkert.
Trotzdem genießen wir die engen, alten Sträßchen, das Kunsthandwerkliche, die Einkehrmöglichkeiten und das Teatro Antico di Taormina.
Der Blick von den Zuschauerrängen hinaus aufs Meer wirkt magisch. Welch eine zauberhafte Kulisse!

Auf dem Weg raus aus der Stadt genießen wir noch ein paar enge Kehren, die uns zeigen, wie sehr Taormina an den Hang geklebt ist.
Von Messina aus setzen wir wieder mit der Fähre über auf´s Festland. Danach fahren wir noch bis Cosenza, um dort zu übernachten. Im Italiana Hotels Cosenza nehmen wir Quartier mit Tiefgarage, was obendrein noch verkehrsgünstig gelegen ist. Zum Abendessen suchen wir eine Pizzeria Ristaurante auf. Der Kellner kommt aus Eschborn und hatte eine Freundin in Frankfurt Rödelheim. So klein ist die Welt schon wieder.
Donnerstag, 01.06.2023
Wir starten heute von Cosenza aus in Richtung Salerno. Die 260 km bis dahin spulen wir auf der Autobahn ab. Bis wir den richtigen Abzweig zur Amalfiküste gefunden haben, durchkreisen wir das Gebiet im Stop an go Verkehr.
Schließlich erreichen wir die traumhafte Amalfiküstenstraße.
Sie schlängelt sich zwischen Meer auf der einen und den Bergen auf der anderen Fahrspur auch durch kleine Ortschaften hindurch. Man muss hier viel Zeit mitbringen, um es zu genießen, denn ein wirkliches Vorankommen gibt es angesichts des hohen Verkehrsaufkommens und der Unübersichtlichkeit des Straßenverlaufs nicht.
Letztendlich hören wir dann doch wieder auf das Navi, das uns 58 km über die Berge zur Autobahn schickt und dann wieder zurück zur Amalfiküste, wo wir schon ein Zimmer gebucht haben. Da ereilt uns die Erkenntnis, dass wir die Amalfiküste einfach hätten weiter fahren sollen.
Wir wären dann zwar nicht schneller am Hotel in Vico Equense angekommen, hätten dafür aber mehr Kurven und Landschaft gehabt. Na ja, vielleicht das nächste Mal.
Freitag, 02.06.2023
Heute wartet ein großes Highlight unserer Reise auf uns: die Besichtigung von Pompeji. Die Stadt, die 79 n. Chr. durch eine Eruption des Vesuvs von Asche und Schlamm begraben wurde, wird seit vielen Jahren wieder ausgegraben und wird es immer noch. Warum auch immer, der Eintritt ist heute kostenlos. Entsprechend groß ist der Andrang. Unsere schweren Motorradjacken deponieren wir ebenfalls kostenlos in Schließfächern und dann geht´s los. Wie groß Pompeji war, wusste ich bis heute nicht. Denn auch wenn die Grabungen noch nicht fertig sind, es gibt auf einem riesigen Gelände so viel zu sehen, dass wir das nicht alles anschauen können. Die Gebäude mit Gärten, Mosaiken u.v.m., die Straßen mit Fußwegen und Straßenüberquerungen für Passanten, die Brunnen und Abwasser-versorgung, die Reliefs, die Märkte, die Säulen, und, und, und … Ich bin sehr beeindruckt, doch auch erschüttert.

Die versteinerten Leichen, insbesondere die Kinderleichen, die zwar hinter Glas geschützt präsentiert werden, sie machen etwas mit mir. Ich mag weiter gehen.
Wir haben längst noch nicht alles gesehen, doch unsere runden Füße und die durstigen Kehlen, ganz zu schweigen von unseren Mägen, alle drängen uns zum Ausgang und zur Einkehr. Da ist man machtlos, frau übrigens auch.

Danach starten wir den Versuch, den Vesuv zu besichtigen. Doch hier geht spontan gar nichts. Wie sich heraus stellt, sind die Plätze der Drahtseilbahn für die ganze Woche ausgebucht, erst nächste Woche gäbe es wieder Kapazitäten. Die Tickets muss man wohl online buchen, vor Ort ist das jedenfalls nicht möglich. Das Gleiche gilt sogar für das Parken. Das haben wir dann später online nachgeholt.
So bleibt uns noch die Weiterfahrt bis zu unserem Hotel in Pozzuoli. Zum Abendessen entdecken wir in ca. 15 Geh-minuten ein wirklich empfehlenswertes neapolitanisches Restaurant:
„N'copp 'a terra“, in der Via Solfatara, 131/133, 80078 Pozzuoli.
Samstag, 03.06.2023
Die heutige Autobahnroute führt uns bis nach Tarquina. Im Hotel Tarconta gibt es zwar ein Restaurant, doch leider hat es ausgerechnet am Wochenende Ruhetag. Dafür ist der Ausblick von der Hotelterrasse Klasse!

Keine Sorge, wir sind nicht hungrig ins Bett gegangen. Tarquina bietet sogar fußläufig genug Einkehrmöglichkeiten.
Sonntag, 04.06.2023
Die Unterkunft bietet ein italienisches Frühstück für 10 € pro Person an. Das ist nicht unser Hunger, deshalb haben wir am Vorabend schon Brot, Salami und Käse bestellt. Was wir nicht wissen, dass wir damit jedes Einzelteil unseres Spezialfrühstück bezahlen dürfen. Am Ende bezahlten wir insgesamt 26,50 €, was sich wie Nepp anfühlt.
Heute führen uns gut ausgebaute Land- und Kraftfahrstraßen weiter in Richtung Norden, zwei Abstecher für Fotoshooting inklusive. Zuerst gehts zum Monte Argentario mit Porto San Stefano und danach nach Piombino.


Als wir in Cecina ankommen, erleben wir das erste Hotel, das man zum Einchecken nicht direkt anfahren kann. Das Golden Hotel liegt direkt an einem Kreisel und der rückwärtig angelegte Hotelparkplatz ist nur zugänglich mit einer entsprechenden Codekarte, die man erst nach dem Einchecken erhält. Wenn man das weiß, erspart man sich viel Sucherei. Nun ja, jetzt sind wir schlauer: zum Einchecken einen öffentlichen Parkplatz gegenüber des Hotels nutzen, zu Fuß den Kreisel überqueren, einchecken, wieder durch den Kreisel, wieder zurück zum Fahrzeug, wieder durch den Kreisel und dann mittels Codekarte auf den Hotelparkplatz fahren, uff.
Abends hat das hoteleigene Restaurant Ruhetag, nur das Bistro ist noch geöffnet. Also unternehmen wir noch einen Spaziergang zum Strand und kehren dort im Restaurant Barracuda ein, Doppel-Uff!
Montag, 05.06.2023
Wir lernen ja dazu, und so machen wir es heute wie die Hotelrestaurants: einfach Ruhetag am Pool!


Dienstag, 06.06.2023
417 km liegen heute vor uns bis nach Cevo. Hier haben wir ein Zimmer im Albergo Ristorante Sargas gebucht. Da wir es uns leicht machen wollen, fahren wir 330 km Autobahn. Die anfallenden Mautgebühren summieren sich auf saftige 35 € pro Person und Moped. Dafür führen uns die letzten 15 Kilometer auf eine Höhe von 1.130 m Höhe über eine gut befahrbare Bergstraße mit vielen Kurven und Kehren.
Die Unterkunft ist einfach, aber sehr herzlich. Es gibt eine Bar, ein Restaurant (das heute geöffnet hat), einen kostenlosen Parkplatz und WiFi - außer im Zimmer 1. Da wohnen wir.
In der Albergo findet sich noch ein Motorradfahrer ein: David. David erzählt uns vom Gaviapass, der zwar anspruchsvoll aber weniger befahren ist. Dafür bietet er wohl steile Abhänge und er habe sogar einen Steinbock gesichtet. Wir planen um.
Mittwoch, 07.06.2023
Gesagt - getan. Heute erwartet uns eine Pässe-Tour. Der Passo Gavia bietet uns tatsächlich eine Gams-Sichtung
und 2.652 Höhenmeter.
Hier ist der Schnee noch längst nicht weggetaut. Wie die kleinen Kinder genießen wir das, und machen unseren Blödsinn im harschen Schnee.
Die umgeplante Tour führt uns größtenteils über die Stilfzer Joch Straße, dann nutzen wir den Abzweig zum Umbrail-Pass auf 2.503 m Höhe.
Einem kurzen Abstecher über die Schweiz folgt noch ein letztes Mal die Einreise nach Italien, um kurz danach Österreich zu erreichen. Nach 219 km ist für heute Schluss und wir nehmen Quartier im Hotel Gasthof Neuner in Imst.
Donnerstag, 08.06.2023
Die Heimat ruft. Es liegen noch 468 km vor uns. Wir starten im Regen bei 13°C und nehmen die Landstraßen über den Fernpass bis Reute. In Deutschland befahren wir die A7 bis kurz vor Würzburg. Die A3 bringt uns dann bis nach Hause bei mittlerweile 30°C.
Hier endet diese Reise und auch dieser Bericht.
Fazit:
Italien ist ein wunderbares Reiseland angefüllt mit Kultur und gesegnet mit einer Küche, die weit über Pizza und Pasta hinausgeht. Aber das wisst ihr bestimmt schon längst.
Hier unser Reisevideo: Giro di Moto d'Italia 2023 - Stiefelumrundung mit dem Motorrad





















