Irland 2018 unterwegs auf dem "Wild Atlantic Way"

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Tagebuch einer Irlandreise entlang des Wild Atlantic Way vom 26.08. bis 12.09.2018

Sonntag, 26.08.2018
Wir starten unsere Reise nach Irland morgens um 9:40 Uhr in Rodgau. Bis zur Fähre von Cherbourg nach Irland liegen rund 1.000 km vor uns. Dafür lassen wir uns 2 Tage Zeit und übernachten kurz nach Paris in Mantes la Jolie. Bis dahin haben wir die ersten 660 km über Autobahnen abgespult. So können wir sicher sein, dass wir rechtzeitig die Fähre am nächsten Tag erreichen.

In 2002 haben wir schon einmal Irland mit den Motorrädern besucht und haben damals die gleiche Strecke gewählt. Dieses Mal handelt es sich sozusagen um eine Revival-Reise.

Wir übernachten in einem billigen Ibis Hotel. 65 € kostet es für uns beide einschließlich zweimal Frühstück. Doch die Umgebung ist wenig attraktiv. Und sonntagabends, müssen wir erst mal nach den Lokalen suchen, die noch geöffnet haben.

Empfehlenswerter wäre hingegen ein Zimmer im Hotel Restaurant Campanile Villenes-sur-Seine, etwa 20 km vorher gewesen. Dort hatten unsere Freunde Jürgen und Christina kurz vorher übernachtet und sie schwärmten in den höchsten Tönen. Leider hatten wir da unser Ibis Zimmer schon gebucht.

C´est la vie, wie der Franzose sagen würde.

Tagesstrecke: 655 KM

Montag, 27.08.2018
Heute haben wir den ganzen Tag Zeit für die restliche Etappe von etwas über 300 km bis Cherbourg. So beschließen wir, auf dem Weg noch einen Abstecher zum Utah Beach zu unternehmen. Das dortige Memorial wurde zum Angedenken des D-Day am 06. Juni 1944 errichtet. Dem Mut und der Bedeutung des gemeinsamen Angriffs gegen Nazideutschland im 2. Weltkrieg wurde hier ein ansehnliches Denkmal gesetzt.

Nachdem wir insgesamt viele Peage Stationen überwunden haben – die nicht nur Geld sondern auch Zeit kosten – haben wir für Euch noch ein paar Tipps:

  1. Immer Geld und Kreditkarte griffbereit halten, denn bei manchen Kassen wird nur das eine oder das andere akzeptiert (auf Beschilderung achten)
  2. Am schnellsten geht es mit der Kreditkarte

Pünktlich um 16:00 Uhr checken wir auf der Fähre „Oscar Wilde“ von Irish Ferries ein. Wir legen um 18:00 Uhr ab und genießen die reichhaltigen Unterhaltungsmöglichkeiten an Bord.

Tagesstrecke: 310 KM Motorrad + 582 KM Fähre

Dienstag, 28.08.2018
Die Fähre legt um 11:00 Uhr Ortszeit in Rosslare an und dank Speedy Exit (für 5 € je Moped) sind wir kurz danach auch schon unterwegs auf der Insel.

Unseren ersten Stopp machen wir an einer bildschönen und landestypischen Kaskadenbrücke. Der Anblick entfaltet sich erst beim Zurückschauen. Berti gibt seiner Drohne Auslauf – äh – Ausflug und fängt die wunderbare Atmosphäre ein. Irland, wir sind wieder da!

Den nächsten Stopp legen wir in Thomastown ein. Bei dem Namen ist das schon obligatorisch. Mit etwas Glück finden sich hier lustige Fotomotive und in jedem Fall zahlreiche Cafés, die zur Einkehr locken.

Weiter geht es bis zur Jerpoint Abbey. Die Besichtigung der Ruinenanlage soll pro Person 5 € kosten. Das ist es bestimmt auch wert, doch Berthold war schon bei unserer ersten Irlandreise hier und so beschließen wir, uns die Anlage vom Nachbargrundstück aus anzusehen. Und wieder verschafft uns die Drohne einen spektakulären Einblick von oben.

Der heutige Zielort heißt Kilkenny. Die pittoreske Kleinstadt bietet dem Irlandreisenden alles, was das Herz begehrt. Eine ansehnliche Auswahl an Unterkünften, Bars, Restaurants und Shops, den Charme einer natürlich gewachsenen Altstadt, alte Kirchen, die Smithwicks Brauerei mit Besichtigungsmöglichkeit und Nachtleben mit Musik und Tanz, jedenfalls in der Hochsaison.

Wir nehmen das Clubhotel mit Parkplätzen im Hinterhof, anschließend statten wir der Smithwicks-Brauerei einen Besuch ab und verkosten vier oder fünf Biersorten. Danach  steht unser Favorit fest: Smithwicks red! (wird im Export unter "Kilkenny Red" verkauft).

Nach dem Abendessen machen wir einen Kneipenbummel auf der Suche nach Livemusik. Die finden wir fast an jeder Straßenecke mit unterschiedlichem Style. In einer Bar wird sogar noch Irish Dance in absolut guter Qualität geboten. Wir verweilen auf ein paar Bierchen und dann geht es irgendwann beschwingt in die Heiapopeia. Gute Nacht.

Tagesstrecke: 97 KM

Mittwoch, 29.08.2018
Wir starten ausgeschlafen und bei bestem Motorradwetter um kurz nach 10 Uhr zum etwa 60 km entfernten Rock of Cashel. Diese historische Ruinenstätte ist weithin bekannt und ein Touristenmagnet. Bei unserer ersten Irlandreise haben wir nur von außen ein paar Aufnahmen gemacht, doch dieses Mal wollen wir uns die museale Gedenkstätte auch von innen ansehen.

Der Parkplatz kostet 4,50 € und der Eintritt pro Person 8 €, mit Führung wird´s teurer. Billiger wird es dann wieder, wenn man die 60 Lenze schon auf dem Buckel hat, denn Senioren zahlen nur 6 € Eintritt.

An der Kasse erfahren wir auch, dass es um 11:40 Uhr einen deutschsprachigen Film zur Geschichte des Rock of Cashel geben wird und wo es ein deutschsprachiges Info-Heftchen für 50 Cent zu kaufen gibt. Klar, dass wir beides nehmen und vorher noch genügend Zeit haben, uns die Ruinen der ehemaligen Abtei und Regierungssitzes genauer anzusehen. Das Gelände ist weitläufiger als man von außen erkennen kann.

Die weitere Tour führt uns nach Cork zum 230 Jahre alten English Market. Der ist ähnlich wie die Frankfurter Kleinmarkthalle, nur eben viel edler! Hier wollen wir uns einen späten Mittagssnack gönnen und müssen dabei feststellen, dass die besten Sachen um 14 Uhr schon ausverkauft sind. Doch wer hier hungrig raus geht, der ist selber schuld. Wir finden jedenfalls zwei Sitzplätze und lassen uns ein paar leckere Sandwichs schmecken.

Als wir weiter fahren, stellen wir fest, dass der Straßenverkehr im Vergleich zu 2002 doch erheblich zugenommen hat. Wie in jeder Großstadt stehen wir auch hier mit unseren Motorrädern dauernd vor roten Ampeln und in langen Autoschlangen. Das Gute: in Irland sind die Autofahrer/innen viel entspannter und rücksichtsvoller als bei uns. Immer wieder werden wir beim Spurwechsel oder kurzfristigem Abbiegen vorgelassen. Daran könnte ich mich gewöhnen. (Träum weiter)

Unser heutiges Tagesziel ist das 4Sterne Spa Hotel MacDonald in Kinsale. Nach einer Runde schwimmen und saunieren nehmen wir unser Abendessen in der Bar. Nein, keine Hamburger sondern Fischplatte. Ist zwar lecker, aber sehr übersichtlich, also noch einen Gang bestellt. Dass dieser Urlaub nicht billig werden würde, ahnten wir schon vorher, aber jetzt wissen wir es mit Sicherheit.

Tagesstrecke: 182 KM

Donnerstag, 30.08.2018
Heute starten wir auf dem Wild Atlantik Way, dem wir die nächsten Tage in Richtung Norden folgen werden.

Den ersten Stopp machen wir am Steinkreis von Drombeg (auch „The Druid’s Altar“ genannt). Er befindet sich im Townland Drombeg, fast 2,5 km östlich von Glandore. Drombeg ist heute einer der meistbesuchten Plätze der Megalithkultur in Irland und einer der besterhaltenen Steinkreise. Das Gelände ist frei zugänglich und mit Hinweistafeln versehen. Wir lassen wieder die Drohne einen Blick von oben aufnehmen. Ich finde die Vogelperspektive jedes Mal grandios. Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, etwas Verbotenes zu machen, keine Ahnung warum. Hier ist das Drohnen fliegen definitiv nicht verboten und Berthold hatte sich auch zeitig genug um die kostenlose irische Fluglizenz gekümmert. In Papierform kam diese aber erst nach unserer Rückkehr an.

Beim 2. Stopp widmen wir uns dem Wedge Tomb Altar. Er sieht wirklich wie ein windschiefer Altar mit Unterstand aus. Doch es ist ein Keilgrab, wohl aus der Stein- oder Bronzezeit. Ein Hingucker. Es gibt in dieser Gegend mehrere Megalithbauten dieser Art, doch dieser hier, in der Nähe von Altar, ist mit am besten erhalten.

Eigentlich wollten wir heute den gesamten Ring of Beara abfahren, doch da uns die Zeit mal wieder voraus eilt, kürzen wir unsere Tagestour über den Healy-Pass ab. Das ist sowieso eine tolle Motorradstrecke und wir hoffen, den Pass dieses Mal ohne Nebel zu befahren. Dieser Wunsch geht zwar in Erfüllung, aber dafür hält er eine andere Überraschung für uns parat: Straßenarbeiten mit frisch aufgeschüttetem Splitt, auch und besonders in den Kehren. Schließlich erreichen wir eine Straßensperre. Wir können sogar den Grund für die Sperre sehen, denn in einer engen Kurve quält sich ein Bagger damit ab, einen Felsvorsprung abzutragen, um so die Kurve zu verbreitern. Eine prima Sache – wenn sie denn mal fertig wird. Und es dauert. Sogar hier auf dem Pass kommt es mit der Zeit zum Verkehrsstau. Berti überlegt schon, ob wir an der Baustelle irgendwie vorbei fahren können. Endlich haben die Straßenarbeiter ein Einsehen und machen Platz, um aus dem stehenden Verkehr wieder einen fließenden zu machen.

Auf der Passhöhe empfängt uns leichter Nieselregen bei 13° C und jede Menge Hessen Biker aus Kassel und mit anderen heimischen Nummernschildern. Die Welt ist doch ein Dorf. Ein bisschen Hessisch Gebabbel muss sein und gelacht wird auch. Wen interessiert da das Wetter?

Etwa 25 Kilometer vor unserem heutigen Tagesziel treffen wir auf eine Ansammlung von Oldtimer Motorrädern. Fahrer und Biker hatten sich wohl eine Rast vor einer einsamen Bar mit B&B gegönnt. Nun stehen noch etliche versammelt auf dem geschotterten Parkplatz und es ist erkennbar, dass sie wieder los fahren wollen. Doch ein älterer Biker auf einem noch älteren Motorrad ist uns sofort aufgefallen. Wir quatschen ihn an. Sein Motorrad? Sie ist eine Französin aus dem Hause „Terrot“. (Kenne ich nicht.) Berthold hat den Namen schon mal gehört. Sie wird aber schon lange nicht mehr gebaut. „Ja“, sagt der ältere Herr, sie ist bereits 89 Jahre alt und er hat sie vor 40 Jahren gekauft. 3 Jahre hat er für die Restaurierung gebraucht, um sie Instand zu setzen. Er zeigt uns ein paar technische Besonderheiten wie zum Beispiel die offenen Ventilstößel. So etwas gibt es normalerweise nicht. Aber es funktioniert. Und Ersatzteile gebe es keine mehr. Dafür er ist mächtig stolz auf seine Französin. Toller Typ. Okay, zwei tolle Typen!

Danach setzt der ältere Herr seine Oldtimer-Ralley fort, denn die anderen 150 Teilnehmer sind schon fast alle unterwegs in Richtung Killarny.

Am frühen Abend nehmen wir Quartier im B&B Lanterne in Kenmare. Zum Dinner unternehmen wir einen kleinen Spaziergang ins Zentrum und später einen Absacker in eine Bar. Irland ist herrlich!

Von den ursprünglich geplanten 276 km sind wir heute tatsächlich 196 km gefahren. Was soll ich sagen - Strecke allein sagt nix aus darüber, wie schön Urlaub sein kann.

Tagesstrecke: 196 KM

Freitag, 31.08.2018
Heute steht der Ring of Kerry auf dem Plan. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Ruine der Bellinskelligs Abbey vorbei. Die Ruine mit Friedhof lädt zum Fotoshooting ein.

Bei Nieselregen geht es weiter zum Cahergall Stone Fort. Es handelt sich hier um ein gut erhaltenes Rundfort, dessen Zugang kostenlos ist. Doch bevor wir durch das Drängelgatter gehen, kommt es noch zum Lammkuscheln. Ein kleiner Nebenverdienst, den ein Einheimischer mit seinem Tier hier zu erzielen versucht. Das Lämmchen ist – wie alle Schafe hier – einfach tiefenentspannt. Ich darf es auf den Arm nehmen und Berti macht ein paar Aufnahmen. Der Landwirt (?) verlangt überhaupt nichts dafür und so liegt es an uns, was uns die Aufnahme wert ist. Er bedankt sich und peilt schon die nächsten Touristen an.

Wir machen uns auf den Weg zum Rundfort. Tiefenentspannte Rinder grasen und suhlen sich am Wegrand. Ihre Hinterlassenschaften bezeugen, dass sie ansonsten auch gerne den Fußweg nehmen.

Also Obacht beim Laufen. Kurz vor dem Ziel fällt Berthold ein, dass für die Drohnenaufnahme noch etwas vergessen wurde. Ich also wieder zurück, die Rindviecher machen sich schon breiter. Als ich mit dem Smartphone wieder zurück will, versperren sie den Weg. Na, dann nur Mut Du Städterin und eile zielgerichtet auf sie zu. Die Taktik geht auf. Die Jungrinder sind irritiert und laufen ihrerseits auch rasch weiter, ich hinterher. Fühlt sich gut an. Dann biege ich durch das nächste Drängelgitter ab und sehe meinen Schatz schon auf den Mauern der Rundburg mit seiner Filmkamera herum turnen. Steckt da etwa doch ein kleiner Steinbock in ihm drin?

Es fängt wieder an zu nieseln. Berthold macht trotzdem noch ein paar Drohnenaufnahmen bevor wir wieder zurück zu unseren Motorrädern gehen. Diesmal ohne Stampede, grins.

Bis nach Trailee, unserem heutigen Tagesziel, fahren wir noch über wunderschöne Strecken bis wir das Städtchen erreichen. Unser erster Anlaufpunkt ist die Wäscherei. Wir haben uns angewöhnt, bei längeren Reisen auch „Waschtage“ einzuplanen. Das heißt, wir müssen mindestens 2 Nächte an einem Ort mit Wäscherei sein, möglichst ohne einen Sonntag. Das spart einiges an Gepäck.

Danach umkreisen wir das Finnegans Hostel, weil die Einbahnstraßenführung uns einfach nicht direkt ankommen lassen will. Als es dann geschafft ist, kommt die Ernüchterung. Die Unterkunft ist wirklich schrecklich. Total abgewetzte Möbel, kaputte Lampen, kaputter Rollo, ein Wasserhahn, der nur läuft, wenn man ihn mit einer Hand gedrückt hält (echt toll beim Hände waschen), kein Schrank nur eine Schubladenkommode, die nur an zwei Laden auch einen Griff zum herausziehen hat, wir müssen übereinander krabbeln, wenn wir ins Bett wollen, Duschen verursacht aufgrund kaputter Duschwände Überschwemmungen, … Dafür ist es für hiesige Verhältnisse spottbillig: 100 € für zwei Nächte für 2 Personen inkl. 4x Frühstück.

Außerdem dürfen wir kostenlos im Hinterhof parken. Der Hof ist aber so versifft, dass wir uns ernsthaft überlegen, ob wir im hosteleigenen Kellerrestaurant wirklich essen gehen wollen.

Ich mache es jetzt kurz: So schrecklich unsere Unterkunft ist (das schließt die Concierge für die Nachwache mit ein – wir nannten sie aufgrund ihres Aussehens Mrs. Catweazle) so überaus fantastisch war das Kellerrestaurant. Super gemütlich und geschmackvoll eingerichtet und eine fantastische Küche! Und dann noch der fantastische Service. Ein echter Geheimtipp!!!

Wir empfehlen übrigens das 3 Gänge Early Bird Menü bis 20:00 Uhr für 22,95 € inkl. kostenlosem Tafelwasser.

Tagesstrecke: 181 KM

Samstag, 01.09.2018
Wir starten bei bestem Motorradwetter, um heute den Ring of Dingle abzufahren.

Das besondere Highlight dabei: eine Bootstour ab Dingle. Wozu? Wir wollen Fungie treffen, ein Delfin, der seit vielen Jahren in der Bucht lebt und dabei scheinbar gerne die Nähe des Menschen sucht. Unsere Tour dauert etwa eine gute Stunde und kostet 16 € pro Person, aber nur, wenn es auch Delfin-Sichtungen gibt. Es dauert zwar eine Weile doch dann begegnen wir ihm. Fungie ist immer nur kurz an der Oberfläche und taucht dann an anderer Stelle gleich wieder auf. Schwierig, ihn aufzunehmen, doch da er uns wirklich viele Möglichkeiten gibt, gelingen dann doch ein paar gute Aufnahmen. Ich bin begeistert und bekomme für den Rest des Tages das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Anschließend fahren wir über den Slea Head Drive weiter zum Dunquin Harbour. Dort ist für die atemberaubende Straße die Einfahrt gesperrt. Warum? Das können wir nicht erkennen. Aber wer sie von Bildern kennt, weiß, wie steil und eng gewunden sie sich zum Ufer hinunter schlängelt und dass sie komplett gepflastert ist. Berthold lässt die Drohne aufsteigen, um einen Blick von oben zu erhaschen. Absolut fantastisch!

Das nächste Highlight ist der Connor Pass. Er ist mit seinen nur 456 m Höhe trotzdem der höchste Pass Irlands. Und wenn man dort oben die Aussicht in alle Richtungen genießt, glaubt man auch eher daran, dass der Pass auf 1.000 m Höhe liegt. Nun ja, nachgemessen haben wir nicht.

Als wir zurück im Hostel ankommen, ziehen wir uns nur schnell um und holen unsere saubere Wäsche zu Fuß aus der Wäscherei ab. Diese hat auch heute bis 18:00 Uhr geöffnet. Auf dem Rückweg mit dem großen vollen und durchsichtigen Sack, wechseln wir uns mit dem Tragen ab, bis uns ein Biergarten mit leckerem Smithwicks Red Ale zum Pausieren einlädt. Urlaub ist schön.

Unser Abendessen nehmen wir noch einmal im Finnegans Kellerrestaurant. Besonders der Fish-Showder hat es uns angetan. Eine so leckere und cremige Fischsuppe habe ich noch nie gegessen. Und das war nur eine von vielen Vorspeisen im 3-Gänge-Early-Bird-Menü …

Tagesstrecke: 160 KM

Sonntag, 02.09.2018
Wir verlassen heute Trailee und fahren bis Tarbert. Von dort nehmen wir die Fähre über den breiten Shannon nach Killmer. 9 € kostet die Überfahrt je Bike mit Fahrer. Das Ticket ist während der 20 minütigen Überfahrt zu bezahlen.

Es sieht nach Regen aus und es dauert auch nicht lange, bis wir unsere Regenklamotten überziehen, Irland eben.

Wenn die Wolken auf die Erde fallen, nennt man das Nebel. Wir hatten Niesel-Nebel. Und in genau dieser Suppe haben sich die Cliffs of Moher versteckt. Also dieses Mal kein Fotoshooting. Aber zum Glück haben wir diese fantastische Klippenlandschaft schon bei schönem Wetter erleben dürfen - vor 16 Jahren.

Wir fahren weiter zum Doonagore Castle und trotz Nieselregens gelingen Berthold ein paar gute Drohnenaufnahmen. Ansonsten hätten wir das Castle nur von außen hinter einem Zaun betrachten können.

Auf unserem Plan steht noch das Dunguaire Castle mit Besichtigung. 8 € kostet der Eintritt (ermäßigt 5,50 €). Das Castle ist als Wasserschloss ausgebaut, allerdinge nur bei Flut und wir haben gerade Ebbe. Schade, das hätte sonst sicher auch schöne Außenaufnahmen gegeben. Wir steigen den Wohnturm empor, der auf jeder Etage über einen Raum verfügt. Recht schnell sind wir durch und steigen auf´s Dach. Einen schönen Überblick gibt es durchaus, aber unser Fazit am Schluss: Muss man nicht unbedingt gesehen haben.

Ein paar Drohnenaufnahmen macht Berthold noch, dann geht es weiter.

Da der Tag so verregnet war, beschließen wir, nicht mehr so weit zu fahren und statt dessen ein Hotel mit Schwimmbad und Sauna zu nehmen. The Connacht Hotel in Galway bietet beides und wir bleiben für eine Nacht. Wir genießen hier zwar den Wellness Bereich, aber das Hotel selbst lädt nicht zum längeren Verweilen ein, zu riesig das Hotel, unfreundlich am Empfang, eben Massenabfertigung. Man kann halt nicht immer alles haben.

Tagesstrecke: 192 KM inkl. 4 KM Fähre

Montag, 03.09.2018
Vor uns liegen ca. 235 km. Es geht über Moycullen und Maam Cross durch wunderschöne Landschaften an vielen Seen entlang, bis wir wieder auf den Wild Atlantic Way stoßen. Auf unserem Weg liegt Clifden Castle, allerdings erst kurz hinter Clifden. Der Eingangsbereich ist gut zu sehen, doch nicht das Castle. Die Ruine liegt wohl etliche hundert Meter versteckt? Wir suchen noch einen anderen Zugang. Zwar können wir von der Straße aus weiter oben einen Blick auf die Ruine erhaschen, doch keinen weiteren Zugang mehr von hier aus. Die Drohne kommt wieder zum Einsatz und wir setzen anschließend unsere Tour fort.

Wir fahren weiter auf der Sky Road und stoppen an deren gleichnamigen Aussichtspunkt „Sky Road“, der seinen Namen wirklich zu Recht trägt. Der Anblick einer schier unendlichen Küstenlandschaft ist absolut fesselnd. Viele Touristen genießen - genau wie wir - den Ausblick.

Ein kleiner Imbisswagen sorgt für´s Überleben: Hot Dogs, Ice Cream und Getränke versorgen den Besucher sowohl an heißen als auch an kalten Tagen.

Der nächste Stopp ist an der Kylemore Abbey. Ein riesiges Gelände mit beeindruckenden Bauten, Cafe und großem Parkplatz finden wir vor mit viel Betrieb. Der Besucheransturm ist beachtlich. Wollen wir das? Aber zuerst ein kostenloser Toilettenbesuch, danach lässt es sich besser denken …

Der Eintritt ist teuer und vielleicht angemessen, wenn man den ganzen Tag hier zubringt, doch es ist bereits Nachmittag und wir haben noch kein Quartier für die kommende Nacht. Schilder weisen darauf hin, dass hier Drohnenverbot herrscht. Also machen wir ein paar Foto- und Videoaufnahmen so gut es der Zoom zulässt und fahren weiter.

Aber nur ein kurzes Stück. Wie es der Teufel will, halten wir am anderen Ende des Sees auf der Landstraße und tatsächlich haben wir von hier aus nochmal einen schönen, weit entfernten Blick auf die  Kylemore Abbey und auch auf die zum Anwesen gehörende Kapelle.

Da passiert es. Die Drohne büxt aus, hinaus über den See und für unsere Augen nicht mehr erkennbar. Dieses ungezogene Gerät! Macht es doch Filmaufnahmen von der ganzen Anlage auf der anderen Seeseite. Zum Glück kann mein Berti sie wieder zurück locken. Eine kleine Standpauke ist nun fällig, doch was antwortet das freche Ding? „Hier stehen keine Schilder.“ Upps, nun jedenfalls sind wir auf diese Weise (oder so ähnlich) zu schönen Aufnahmen gekommen.

Über Booking.com finden wir ein B&B in Newport. Die Wirtin des Greenway Views empfiehlt uns für´s Dinner „The Grainne Uaile“. Das ist eine Bar mit Restaurant auf der anderen Seite des Newport River. Der Spaziergang lohnt sich. Der Top Empfehlung schließen wir uns an sowohl für Speis und Trank als auch für den Service! Und die Bar verfügt über eine ausgezeichnete Whisky-Auswahl! Am Ende des Abends ist der 12jährige Red Breast unser Favorit. Na denn Prost!

Tagesstrecke: 237 KM

Irland 2018 - Unterwegs auf dem Wild Atlantic Way Teil 1 zeigt: Thomastown, Jerpoint Abbey, Kilkenny. Rock of Cashel, Cork, Kinsale. Drombeg Stone Circle, Wedge Tomb Altar, Ring of Beara, Healy Pass, Oldtimer-Rallye, Kenmare. Ring of Kerry, Bellinskelligs Abbey, Cahergall Stone Fort, Tralee. Ring of Dingle, Bootstour, Dunquin Habour, Connor Pass, Tralee. Tarbert, Shannon, Cliffs of Moher, Doonagore Castle, Dunguaire Castle, Galway. Clifden Castle, Sky Road, Kylemore Abbey, Newport. Dazwischen immer wieder die tolle Landschaft des Wild Atlantic Way.

Dienstag, 04.09.2018
Der heutige Vormittag gehört der Halbinsel Achill Island. Die traumhaften Küstenstraßen mit ihren verschlungenen Wegen und dem ständig sich ändernden Landschaftsbild könnte ich immer wieder befahren, egal in welche Richtung.

Unser erster Stopp gilt dem Kildavnet Tower, Achill Island, Co. Mayo, Irland

Kildavnet befindet sich an der südöstlichen Küste von Achill Island, mit Blick auf die Gewässer vor Achill Sound. Der Ortsname bedeutet wörtlich übersetzt "die kleine Kirche der Davnet" und bezieht sich auf die Heilige Dympna aus dem 7. Jahrhundert, die an dieser Stelle eine kleine Kirche errichtete.

Bekannter ist der Turm jedoch als das Zuhause seiner berüchtigtsten Bewohnerin, der legendären Piratenkönigin Granuaille (Grace O'Malley, 1530-1603).

Der Turm befindet sich an einer strategisch wichtigen Stelle, die ideal zur Überwachung der Gewässer von Achill Sound mit Clew Bay im Süden und Blacksod Bay im Norden war.

Es regnet als wir die The Stunning White Cliffs in der Ashleam Bay erreichen. Also bleibt der Fotoapparat im Topcase und es geht gleich weiter.

Der nächste Stopp gilt der Geisterstadt bei Slievemore. Eigentlich handelt es sich dabei um 3 benachbarte Dörfer, von denen lediglich die Reste der Grundmauern inmitten der grünen Hänge übrig geblieben sind. Doch das genügt, um unser Abenteuer- oder Entdecker-Gen zu stimulieren. Warum sonst hätten wir diesen Ort nochmals besuchen wollen? Jedenfalls erkunden wir ihn jeweils auf die eigene Weise. Ich spaziere zwischen den Mauerresten hindurch und Berthold legt eine kleine Endurofahrt ein. Zum guten Schluss lassen wir die Drohne noch ein paar schöne Aufnahmen machen, denn das war uns in 2002 noch nicht möglich.

Eigentlich stünde östlich von Slievemore noch der Megalith Tomb Keel East auf unserem Programm. Doch der liegt auf 152 m Höhe und ist nur erreichbar über einen ansteigenden Feldweg, ca. 10 – 15 Minuten zu Fuß.

Wir entscheiden uns dagegen und fahren weiter Richtung Portacloy Loop-Cliff Walk.

Da es ein Küstenwanderweg ist, bleibt abzuwarten, wie weit wir uns mit den Motorrädern nähern können. Und tatsächlich will das Navi aus Bertholds 800er GS am liebsten ein U-Boot zaubern. Denn statt uns zur besagten Aussichtsplattform zu führen, schickt uns das freche Ding direkt zu einem Bootsanleger, dessen Rampe sanft ins Wasser gleitet … Offenbar ist dies hier unter Anglern ein Geheimtipp, doch dafür bleibt uns der Loop Walk weiterhin ein Geheimnis (Stichwort: Planung trifft auf Wirklichkeit).

Unser heutiges Tagesziel ist eine Top-Empfehlung von unseren Freunden Jürgen und Christina. Die Beach Bar am Aughris Head, Temple Boy im Country Sligo. Es ist zwar etwas schwierig zu finden, und wir haben auch keine Zimmer reserviert, schlicht weil wir vorher nicht wussten, ob wir es heute bis hierher schaffen. Doch dann stehen wir da, vor einer kleinen Gebäudeanlage in der Nähe eines Campingplatzes und direkt am Meer. Die Tische und Bänke laden zum Verweilen ein und der Strand zum Hinschauen oder spazieren gehen. Es ist traumhaft und ein freies Zimmer haben sie auch noch für uns. Ich möchte am liebsten ein paar Tage bleiben, aber klar doch, wie immer, keine Zeit (hoffentlich ändert sich das mal, wenn wir in Rente sind).

Wir trinken ein leckeres Smithwicks Red und Berthold gibt seiner Drohne Auslauf – äh Ausflug. Der Perspektivenwechsel, den uns die Kamera damit bietet ist einfach genial.

Zum Abendessen nehmen wir jeder eine leckere Fischplatte und machen anschließend noch ein paar Aufnahmen in der tief stehenden Sonne. Paradiesisch!

Für das Doppelzimmer haben wir mit Frühstück übrigens 70 € bezahlt, wen´s interessiert.

Tagesstrecke: 267 KM

Mittwoch, 05.09.2018
Am Morgen starten wir von Aughris Head zum größten megalithischen Friedhof Irlands: Carrowmore Megalithic Cemetery

Archäologen haben hier die Reste von mehr als 60 Gräbern entdeckt, von denen mehr als 30 freigelegt worden sind. Das Hauptgrab ist ca. 3.500 Jahre vor Christi Geburt entstanden und somit älter als das bekanntere New Grange, dafür aber weit weniger spektakulär zu besichtigen. Das weitläufige Gelände gehen wir nur zum Teil ab, denn es regnet in wechselnder Intensität, Irland eben.

Als wir unsere Fahrt fortsetzen, regnet es noch immer und so soll es auch für den Rest des Tages bleiben. Ein kurzer Zwischenstopp in Sligo, dann geht es weiter. Eigentlich wollten wir heute noch zu den Klippen Slieve League, doch bei diesem Wetter macht weder das Motorrad fahren Spaß noch werden wir von den hohen Klippen eine schöne Aussicht haben.

Unter einigen Widrigkeiten finden wir dann endlich ein Quartier. The Rusty Mackerel, die Rostige Makrele in Teelin hat für 90 € Zimmer frei - ach egal, Hauptsache raus aus den nassen Klamotten. Und ja, es gibt auch Abendessen im Haus. Nur die Zimmer befinden sich außer Haus, also in einem hinterhäusig versteckten Containerdorf. Unser Container hat zwar weder Schrank noch Fenster, aber dafür eine Dusche und eine Heizung, wenn letztere doch wenigstens heizen würde …

Was uns dann im Laufe des Abends etwas entschädigt, ist ein gutes Essen, leckere Getränke und vor allem echte Livemusik, wie angeblich jeden Mittwoch hier.

Ab 21:45 h spielt der Chef wechselweise mal Gitarre und mal Geige, sein Freund spielt Banjo. Jeder, der singen oder Gitarre spielen kann, ist eingeladen, mit zu machen, auch die Touristen. Ein deutsches Opfer ist schnell gefunden (Gott sei Dank nicht wir). Der junge Deutsche singt und spielt Gitarre, begleitet vom Banjo. Ein älterer irischer Gast gibt ein Ständchen mit seiner sonoren tiefen Stimme – instrumentale Begleitung überflüssig. Wow, wie toll. Noch mehr Klischee lässt sich nicht realisieren! Währenddessen sitze ich vor dem lodernden Kaminfeuer und mir fängt der Hintern an zu garen. Egal, ich will Irland fühlen, und hören und riechen, denn im Kamin verbrennt langsam der Torf und verbreitet diese angenehme Wärme und den leicht torfigen Geruch. Bleibt noch, den lokalen Whiskey „Silkie“ zu verkosten und das Smithwicks Red Ale zu vernichten. Hicks, um kurz vor Mitternacht geht es beschwingt ins Bett. Na dann, gute Nacht.

Tagesstrecke: 150 KM

Donnerstag, 06.09.2018
Heute holen wir nach, was wir gestern wetterbedingt verschoben haben: die 601 m hohen Klippen von Slieve League am Nordatlantik. Wir winden uns bei optimalem Motorradwetter die engen Straßen hoch bis vor uns ein Gatter auftaucht, davor ein Parkplatz. Die Touristen vor uns halten das Gatter auch für uns auf und wir folgen weiter dem Single Trail bis zum Ende. Zum Glück gibt es auch hier oben noch Parkmöglichkeiten. Der Ausblick rundum ist atemberaubend. Kein Wunder, dass mit fortschreitender Tageszeit immer mehr Touristen hier herauf drängen. Wir lassen die Drohne kreisen und sie macht wunderschöne Aufnahmen aus der Vogelperspektive. Auch wenn es sich hier nicht um einen Geheimtipp handelt, die Slieve League sind ein unbedingtes muss, jedenfalls bei gutem Wetter. Wir sind beide froh, dass wir es gestern bei Regen nicht mehr hierher geschafft haben.

Wir können uns kaum satt sehen, doch als es immer voller wird, fahren wir wieder hinunter.

Der nächste Stopp ist das Freilichtmuseum Folk Village Museum Glencolmcille. Es wurde in Form eines kleinen Dorfs gebaut. Die strohgedeckten Häuser sind liebevoll ausgestattet und spiegeln das Leben von vor hundert Jahren wider. Das Weben am Webstuhl wird gerade anschaulich vorgeführt. Utensilien zum Fischfang, zur Stoffverarbeitung und vieles mehr entführen den Besucher in eine andere Zeit. Prädikat: absolut sehenswert. Der Eintritt kostet für Erwachsene 6 €, Senioren zahlen nur 5 €.

Das nächste Highlight auf dem Wild Atlantic Way ist der Glengesh Pass. Die Passhöhe wird mit nur 272 m angegeben, doch wenn man ihn befährt, wirkt er viel höher. Auch hier finden wir wieder fantastische Ausblicke und einen fantastischen Kaffee – auf dem Aussichtpunkt bei Katja in ihrem mobilen Kaffeebüdchen. Welche Überraschung. Wir quatschen etwas und sie erzählt uns, dass sie mit ihrem Wagen immer an verschiedenen, besonders schönen Ausflugszielen steht, um den besten Kaffee weit und breit anzubieten. Was sie hierher verschlagen hat? „Schaut euch doch nur mal um, dann wisst ihr es.“ Wir sprechen auch über den Brexit. Wie es mit ihr dann weitergeht, weiß sie noch nicht, doch es wird schon eine Lösung geben. Ein älterer Brite habe mal zu ihr gesagt, dass die Alten über die Zukunft der Jungen mit abgestimmt haben und dass dies nicht richtig sei. Die jungen  Leute seien doch eher die Weltenbummler, die es hinaus in die anderen Länder ziehe. Die Alten hingegen haben dieses Streben doch nicht mehr. Und mit dem Brexit würde man großen Einfluss auf die Zukunft der jungen Generation nehmen. Recht habe er zwar, aber jetzt ist es so entschieden.

Nachdenklich fahren wir weiter.

Wir fahren über Ardara und Balleybofey auf wunderschönen Nebenstraßen bis nach Londonderry. Unser erster Anlaufpunkt ist die Wäscherei Bubbles Laundry. Dort geben wir unsere Dreckwäsche ab, um sie morgen Nachmittag sauber wieder ab zu holen.

Danach fahren wir auf die andere Seite des River Foyle ins Premier Inn und checken dort ein. Ein sehr netter Rezeptionist erklärt uns alles in Ruhe und bringt uns später noch ein extra Handtuch. Das Zimmer ist groß und ruhig mit allem was sich der Tourist wünscht. Und nebenan liegt das hoteleigene Restaurant, so dass wir abends gar nicht mehr aus dem Haus müssen. Jetzt schmeckt auch noch das Essen und das Bier. Was soll ich sagen, dieses Hotel erhält unser Prädikat „unbedingt empfehlenswert“. Ach ja, der Preis ist günstig und es gibt einen großen kostenlosen Parkplatz. Lediglich die Umgebung lädt angesichts der vielen Kreisel und Durchfahrtsstraßen nicht zum Spaziergang ein.

Tagesstrecke: 155 KM

Freitag, 07.09.2018
Heute heißt es erst einmal ausschlafen und beiden Bikes etwas Ruhe gönnen. Sie dürfen heute pausieren.

Nach dem leckeren Frühstück laufen wir zur Haltestelle Brunswick Road und fahren von dort mit dem Bus bis zum Visitor Center in der Innenstadt. Dort erstehen wir für  12,50 Pfd. pro Person zwei Hop on Hop off Tickets. Diese Touren bieten immer sehr viel Sehenswertes und Wissenswertes, über die entsprechende Sprachauswahl auch auf Deutsch.

Bei der Guildhall steigen wir das erste Mal aus und besichtigen das Rathaus. Was uns sofort auffällt, sind die wunderschönen bunten Fenster, die erst von innen betrachtet so richtig zur Geltung kommen. Es gibt auch eine kleine Ausstellung zur Geschichte Londonderrys und den Plenarsaal kann man ebenso besichtigen, alles kostenlos. Dazu zählt auch, sich in den Umhang des Major of the City zu werfen und sich für das Fotoshooting wie der Bürgermeister zu fühlen - oder die Bürgermeisterin.

Wir machen einen Spaziergang zur St. Columbs Cathedral, die wir ebenfalls besichtigen. Anschließend geht es auf der breiten Stadtmauer wie auf einer Flaniermeile wieder zurück bis zur Bushaltestelle unserer Hop on Hop off Tour.

Der Bus zeigt uns die Bogside. Das ist das berühmt berüchtigte Viertel von Londonderry, in dem am 30.01.1972 der Bloody Sunday stattfand. 13 Todesopfer und mindestens ebenso viele Verletzte forderte das militärische Eingreifen gegenüber den unbewaffneten Demonstranten. Viele Denkmäler und bemalte Hauswände zeugen vom konfliktträchtigen Zusammenleben von unterprivilegierten katholischen einerseits und wohlhabenden protestantischen Nordiren andererseits. Das Schreckgespenst bei den Brexit Verhandlungen.

Die Bustour führt auch auf die andere Seite des River Foyle, in das wohlhabende Viertel der ehemaligen Armeeverbünden und der Navy im 2. Weltkrieg.

Kurz vor Ende der Tour steigen wir in der Strand Road aus, um unsere saubere Wäsche wieder abzuholen. Das hat wieder prima geklappt und nun laufen wir mit einem gut gefüllten großen Plastiksack durch die Gegend. Ein Bus bringt uns wieder zurück in die City, und dann müssen wir für den Rückweg ins Hotel am Busbahnhof umsteigen. Der richtige Bus der Linie 2B hätte für uns fast eine Stunde Wartezeit bedeutet. So fragt mein Berti ein paar Busfahrer, die gerade Pause machen, welcher Bus sonst noch nach Seven Oaks fährt. Der Fahrer der Linie 2A meint, dass er dorthin fahre und wir einsteigen könnten. Tatsächlich hätte seine Tour nur bis zum Krankenhaus „Altnagelvin Area Hospital“ geführt, wie unsere Tickets auswiesen. Ab hier sind wir die einzigen Fahrgäste und er fährt uns wirklich bis direkt vor den Hoteleingang, wie ein Taxi, nur größer und billiger. 1,70 Pfd. hat das Ticket pro Person gekostet. Dass es so etwas gibt, kann ich bis heute kaum fassen. Super lieb. Super danke!

Tagesstrecke: ca. 15 KM Bus und zu Fuß

Samstag, 08.09.2018
Heute verlassen wir Londonderry in Richtung Dark Hedges. Eine gewagte Drohnenaufahme durch den grünen Tunnel muss genügen, denn einen Drohnenunfall  brauchen wir nicht. Außerdem sind hier so viele Touristen, dass uns das Weiterfahren leicht fällt.

Heute haben wir fantastisches Motorradwetter, zwischen 13 – 17°C, trocken, teils sonnig, teils etwas bewölkt und eine malerische Küstenstraße lässt uns das Motorradfahren in vollen Zügen genießen. Einfach wunderschön! Als wir Torr Head erreichen, den Küstenpunkt, der Schottland am nächsten liegt und man dessen Küste bei gutem Wetter sogar sehen kann, müssen wir feststellen, dass man nicht bis hinauf fahren kann. Ein steiler enger Wanderweg führt hinauf, geschätzt ca. 1 – 1,5 km. Wir entscheiden uns, die Drohne diese Steigung erklimmen zu lassen, man muss schließlich auch delegieren können.

Auf dem Rückweg kennen wir schon die sehr engen unübersichtlichen Kehren, die zum Torr Head führen, und halten uns deshalb äußerst links. Und beinahe wäre mein Berti unter die Räder gekommen, unter Autoräder. Diese blöden Touristen denken wohl, die ganze Straße gehört ihnen und es gibt keinen Gegenverkehr. Zum Glück ist außer einem Schreck und einem reaktionsschnellen Ausweichmanöver nicht viel passiert, wahrscheinlich weil mein erfahrener Biker schon damit gerechnet hat. Zum Glück!

Wir fahren weiter entlang der Küstenstraße und genießen die phantastischen Ausblicke.

Eine kurze und leckere Mittagsrast machen wir in Carmloubh in einer Bar „The Glencloy Inn“.

Dann verlassen wir kurz die Küstenstraße um den Abzweig zum Glenarm Castle zu nehmen. Leider scheitert unsere Besichtigung an einem Ordner. Heute geschlossene Gesellschaft. Schade, das Anwesen sieht sehr ansprechend aus.

Also geht es weiter Richtung Antrim. Wir wollen zum Woodpen Maker. Darauf freue ich mich schon lange, denn ich möchte mir gerne so einen aus Holz und Handarbeit gedrechselten Kuli aussuchen. Wir haben allerdings nur den Straßennamen ohne Hausnummer.

So fragen wir den ersten Autofahrer, der in die Straße einbiegt. Es handelt sich dabei um einen Anwohner, der nach ein paar Erläuterungen und einigem Nachdenken sagt, dass er wisse, wo wir den Woodworker finden können. Wir sollen ihm folgen. Tatsächlich führt er uns genau zu unserem Ziel. Wir haben kaum Zeit, ihm zu danken, da kommen schon zwei ältere Leute aus dem Haus und begrüßen uns so herzlich, als ob wir alte Bekannte wären. Wir werden gleich ins Haus und zu Kaffee und Gebäck eingeladen. Zuerst müssen wir ein bisschen von uns erzählen, wie wir hierhergekommen sind, wo wir schon waren und wo wir noch hinwollen. Das liebe Ehepaar heißt Bert und Liz und die zwei haben eine Werkstatt im Anbau. Wir dürfen sie uns ansehen und auf Wunsch zeigt uns Bert, wie so ein Holzkugelschreiber hergestellt wird. Wir finden es faszinierend und sind total begeistert. Zwei Kugelschreiber suchen wir uns aus einer immensen Anzahl Modelle aus. Bert und Liz geben uns einen Rabatt und runden nach unten ab. Wer sich dafür interessiert, findet mehr unter: www.irishwoodpens.com

Nach eineinhalb Stunden herzlicher Gastfreundschaft fahren wir weiter bis nach Belfast. Hier haben wir ein B&B für 2 Nächte gebucht. Unsere Mopeds können wir hinter der Häuserzeile parken. Dabei ist die Parkfläche denkbar schmal, denn der Weg zwischen den Häuserzeilen dient hauptsächlich dem Parken der Mülltonnen. Entsprechend sieht die Umgebung aus, denn nicht jedem Unrat ist es vergönnt, den Weg in die Tonne zu finden. Aber wir sind froh, dass beide Bikes von der Straße runter sind.

Das B&B besteht überwiegend aus zusammengesammeltem und verschlissenem Mobiliar. Sicherlich gibt es in der nordirischen Hauptstadt auch reichere Viertel, doch es ist hier wie überall, man wohnt lieber unter seinesgleichen.

Bis zum Lokal für´s Dinner laufen wir 5 Minuten. Das Essen ist gut, die Bedienung freundlich. Danach geht´s noch auf einen Absacker in das Pub direkt gegenüber unserem B&B. Es ist Samstagabend und das Pub hat sogar einen DJ engagiert, um die jungen Leute (und uns) mit so lauter Musik zu beschallen, dass keine Unterhaltung mehr möglich ist. Trotzdem oder vielleicht deshalb sind reichlich Gäste da. Wir trinken aus und gehen ab in die Koje. Plumps und schnarch.
Tagesstrecke: 217 KM

Sonntag, 09.09.2018

Der heutige Tag ist geschenkt. Ich habe so schlimm die Rüsselpest und Husten, dass ich die Nacht kaum geschlafen habe und deshalb heute im Bett bleibe.

Berthold betreut mich liebevoll und macht sich sonntags auf die Suche nach etwas Ess- und Trinkbarem. Passanten mit vollen Einkaufstüten weisen ihm den Weg. Dass hierzulande die Supermärkte auch sonntags geöffnet haben überrascht uns dann doch, aber gleichzeitig sind wir froh darüber. Mit allerlei Leckereien ausgestattet kommt er mit fetter Beute zurück. Abends holen wir uns dann beim Fastfood Mexikaner gegenüber etwas zu essen und beschließen so unseren Belfast Trip. Irgendwie sollte es nicht sein.

Montag, 10.09.2018
Heute verlassen wir die Insel. Wir haben die Schnellfähre ab 11:30 Uhr gebucht. Ankunft in Cairnryan ist etwa um 14:00 Uhr. Uns empfängt nicht enden wollender Regen bis nach Annan, das sind etwa 140 km Strecke. Um 16:00 Uhr kommen wir dort an und nehmen wieder Quartier im Queensberry Arms. Hier haben wir schon einmal genächtigt, weshalb wir wissen, dass man um den Häuserblock fahren muss, um auf den Parkplatz zu gelangen. Über die Hintertür betreten wir das Hotel und bekommen auch ein Doppelzimmer für eine Nacht. Die Unterkunft ist zwar nicht luxuriös, aber der Preis ist absolut angemessen. Also erst einmal nasse Klamotten aus, heiße Dusche an und als Krönung ein warmes Dinner im Hotel. Also keinen Fuß mehr vor die Tür und in den Regen.

Und danach, gut schnarch!

Tagesstrecke: 160 KM Motorrad + 77 KM Fähre

Dienstag, 11.09.2018
Start in Annan ist um kurz nach 10:00 Uhr bei trockenem und teils sonnigem Wetter, Halleluja!

Nur 133 km liegen noch vor uns bis zur Fähre in Newcastle und der Check in schließt erst um 16:00 Uhr und so bleibt uns noch genügend Zeit für einen Abstecher zum Kastell Vindolanda, das knapp 70 km östlich gelegen ist.
Es handelt sich dabei um ein ehemaliges, römisches Militärlager, dessen Besatzung für Sicherungs- und Überwachungsaufgaben im Hinterland des Hadrianswalls eingesetzt wurde. Die gut erhaltenen Grundmauern von Vindolanda, das einer der besterforschten Garnisonsplätze Großbritanniens ist, befinden sich heute nahe dem Dorf Bardon Mill in der Grafschaft Northumberland. International bekannt wurde die Grabungsstätte durch die mehr als tausend hier geborgenen Fragmente hölzerner Schreibtafeln, die einen wichtigen Einblick in das militärische und zivile Leben an der nördlichsten römischen Reichsgrenze geben und als Vindolanda-Tafeln bezeichnet werden.

Im Museums Cafe stärken wir uns, bevor die Weiterfahrt ansteht.

Der Fährhafen Newcastle liegt tatsächlich in North Shields, aber das wissen wir schon – und unser Navi zum Glück auch. Wir kommen rechtzeitig dort an, obwohl sich die letzten 12 km heftig in die Länge ziehen. Eine Baustelle reiht sich an die andere und die Verkehrsplaner haben obendrein einer Kreisel-Manie offenkundig freien Lauf gelassen. Beides zusammen ließe einen Ortsunkundigen ohne Navi wahrscheinlich verzweifeln, doch mein bärtiger Routefinder und sein Navi führen uns sicher ans Ziel.

Als wir an Bord sind, stellen wir die Uhren gleich wieder eine Stunde vor und die restlichen Pfund tauschen wir noch gegen Getränke ein. Das Abend-Büffet hatten wir schon mit der Fährbuchung bezahlt und so lassen wir es uns auf der Überfahrt nach Amsterdam IJmuiden gut gehen.

Tagesstrecke: 133 KM Motorrad

Irland 2018 - Unterwegs auf dem Wild Atlantic Way Teil 2 zeigt: Achill Island, Kildavnet Tower, The Stunning White Cliffs, Desserted Village bei Slievemore, Portacloy Loop-Cliff Walk, Aughris Head, Beach Bar; Carrowmore Megalithic Cemetery, Sligo, The Rusty Mackerel; Slieve League, Folk Village Glencolmcille, Glengesh Pass, über wunderschöne Nebenstraßen nach Londonderry; Hop on Hop off Tour, Derry, Guildhall, Bogside, Londonderry; Dark Hedges, Torr Head, Küstenstraße mit phantastischen Ausblicken, Glenarm Castle, Woodpen Maker in Antrim, Belfast; Schnellfähre Cairnryan; Annan, Kastell Vindolanda, Hadrianswall, Newcastle, North Shields, Port of Tyne, Fähre IJmuiden.

Mittwoch, 12.09.2018
Um halb 10 legen wir in Amsterdam IJmuiden an. Wie erwartet dauert es eine Weile, bis wir raus fahren können. Dafür empfängt uns die Niederlande jetzt mit trockenem Motorradwetter und in etwa 70 km Entfernung mit einem leckeren Brunch bei unserer holländischen Verwandtschaft. Wir fahren zwar noch nicht direkt zurück nach Hause, aber unsere Irlandreise ist nun definitiv zu Ende. Vieles rattert noch nach und die Eindrücke und Erlebnisse brauchen sicher noch einige Zeit, bis sie sortiert und erzählt sind.

Tagesstrecke: 491 KM Fähre + 72 KM Motorrad

Tagesstrecke: 430 KM

Gesamtstrecke: 3794 KM Motorrad + 1154 KM Fähren

Das ist das Schöne am Reisen, es wirkt nach. Vielleicht habt Ihr auch Lust bekommen, Irland kennen zu lernen. Unsere Empfehlung habt Ihr. Gute Reise und kommt gesund wieder.

Zur Fotogalerie Irland 2018 unterwegs auf dem Wild Atlantic Way

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