Lago Maggiore 2013

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Tagebuch einer Motorradreise an den Lago Maggiore
vom 18.05.-23.05.2013

(oder: „Wasserspiele, mal anders“)

 

Endlich ist es soweit: Urlaub! Unfallbedingt hatten wir in diesem Jahr noch keine große Gelegenheit, unseren beiden neuen GSe den wohlverdienten Auslauf zu bieten. Beide Motorräder haben bei uns am 01.03.2013 Einzug gehalten und sind seither kaum bewegt worden. Das hat mit unbeaufsichtigter Hundehaltung zu tun, doch das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls ist mein Berti einigermaßen wieder hergestellt und nun wollen wir unseren beiden Schönen den Lago Maggiore zeigen. Wem? Ach so, Bertholds 800er GS in Kalamata und meiner roten 700er GS. Letztere ist übrigens mein bisher schönstes Motorrad und deshalb habe ich sie „Nofretete“ getauft, was übersetzt so viel heißt wie: „Die Schöne ist angekommen“ (Ja, die kulturellen Besichtigungen auf unseren Touren zeigen Wirkung!).

Samstag, 18.05.2013
Ausdauernder Regen hatte unsere Vorfreude schon etwas getrübt, doch blieb bis zum Schluss die Hoffnung auf einen Wetterumschwung. Doch die Zimmer sind schon gebucht, also wird auch gefahren. Ich wage es, auf unseren Entscheidungsspielraum hinzuweisen: nehmen wir wirklich die Motorräder oder doch lieber das Auto? Oh je, kaum ausgesprochen halten die dunklen Wolken sogar Einzug bis auf Bertis Gesicht: grummel, grummel, Weltuntergang, grummel, Trübnis, grummel, grummel … Okay, wir nehmen die Motorräder und die Regenkleidung und den Stiefeltrockner und 5 Paar Ersatzhandschuhe, und, und, und…

Um 9:30 Uhr starten wir in Rodgau bei 12,5° C und dunklen Regenwolken nach Luino am Lago Maggiore. Als Anfahrt wählen wir die Strecke über Mörfelden, um auf die A 5 zu kommen. Das stellt sich wegen der Baustellen als ziemliche Zuckelei heraus. Als wir uns endlich auf der Autobahn Richtung Basel bewegen, wird das Wetter ab Baden Württemberg sogar wärmer und sonniger. Als Höchstwerte werden sogar 23° C angezeigt und die Hoffnung auf einen schönen Motorradurlaub erwacht aufs Neue.

Wir planen, auch in der Schweiz die Autobahn zu nutzen, deshalb steht noch der Vignettenkauf an. Die sollen ja überall denselben Preis kosten, also kaufen wir sie an einer Aral-Tankstelle in Hartheim Bremgarten. Doch was uns niemand erzählt hat, dass hier die Verkaufsgebühren 4 € je Vignette kosten. Saftig! Im Nachhinein beschließen wir, zukünftig die Vignetten wieder an der Grenze zu kaufen, ohne Gebühren und dafür die wahrscheinlich erforderliche Wartezeit in Kauf zu nehmen. Doch wie groß ist unsere Überraschung, als sich uns am Grenzübergang ein 1,5 km langer Stau auf der Spur für Fahrzeuge MIT Vignette offenbart, grummel, grummel. Die Spur für Fahrzeuge ohne Vignette ist bis zum Grenzhäuschen leer. Im Video seht Ihr, wie wir das Problem gelöst haben, aber die 8 € Verkaufsgebühr schmerzen damit umso mehr.

Spartipp 1
Wenn schon Vignettenkauf nötig ist, dann kauft sie an der Grenze, das spart Zeit und Geld.

Mitte Mai ist der Gotthardpass noch nicht befahrbar. Wir steuern also den 17 km langen Saunagang im Gotthard-Tunnel an und müssen aufgrund von Umleitungen einen Umweg Richtung Zürich fahren. Bei Sturmgeschwindigkeiten von gefühlten 140 km/h entwickelt die GS ein Eigenleben, ebenso wie die Abdeckkappe von Bertis Kamera Bullet S5, die auf der Autobahn einfach Reißaus nimmt (könnt Ihr echt wörtlich nehmen). Das schwarze Ding macht noch einen freudigen Freiheitshüpfer kurz vor meiner GS und ward danach nicht mehr gesehen. Wie stark uns der Sturm durchgerüttelt hat, kann man anhand der Filmaufnahmen am Rastplatz Wolfssprung am Vieraldstätterseee nur erahnen.

Endlich kündigt sich der Gotthardtunnel auf seine typische Weise an: Blockabfertigung, 6 km Stau! Was macht der erfahrene Biker? Richtig: Abbiegespur befahren, Vordrängeln, Spurwechsel, … das Übliche. Als wir endlich den Tunnelschlund erreichen, sind es noch angenehme 21,5° C, doch wir wissen, dass sich das schnell ändern wird.

Wir tauchen ab in die Unterwelt, verborgen von Satellitenüberwachung, dafür rein in den Backofen und in die Abgasdüfte. Bei erlaubten 80 km/h bewegt sich die Kfz-Schlange mit gemütlichen 60 km/h vorwärts, was dem Biker in seiner voller Montur und bei 34° C den Schweiß aus den Poren treibt.

Als uns der Tunnel endlich wieder ausspeit, will er uns wie gekochte Eier abschrecken. Dazu hält er für uns nur noch 12,5° C und einen schwarzen Himmel bereit, der den Weltuntergang ankündigt. Also stoppen wir an der Gotthard-Raststätte um unsere Bikes mit Sprit und uns 100 km vor dem Ziel mit Regenklamotten zu versorgen.

Um 18:15 kommen wir in Luino an, das am nordöstlichen Lago-Ufer liegt, und suchen zunächst unser Hotel Internazionale am Piazza Marconi 24. Das Navi meint zwar, wir hätten unser Ziel erreicht, doch ein Hotel sehen wir zunächst nicht. Während ich die Stellung am Piazza halte, dreht Berti ein paar kleine Runden und findet das Hotel, das zwar zentral liegt, aber dafür etwas versteckt am Ende einer ruhigen Sackgasse.

Nach dem Einchecken und Abladen führt uns ein kleiner Abendspaziergang zum Hafen. Dort blicken wir sehnsuchtsvoll auf den Lago, jedenfalls soweit Regen, Niesel und Nebel es zulassen. Das Fotoshooting dient dann auch mehr der Beweisaufnahme als einer schönen Urlaubserinnerung.

Während wir durch die olympischen Wasserspiele waten, steuert unser hungriger Magen das nächstbeste Lokal an und wir landen beim italienischen Chinesen (Wie blöd ist das denn? Nee, nix blöd, nur wir kaputt und draußen Wasserspiele, capito?). Ein Absacker im Hotel beschließt den Tag und dann geht´s ab ins Bett zum Schnarch.

Heutige Verlustliste: Abdeckhaube von Bertis Kamera und eine lange Schraube aus der Halterung von Bertis Nebelscheinwerfer (mit Klebeband provisorisch befestigt).

Tages KM: 623

Sonntag, 19.05.2013
Wir frühstücken gemütlich und für italienische Verhältnisse herzhaft, gut und ausgiebig, während Petrus die Natur wässert. Um 10:00 Uhr dreht er den Wasserhahn zu, doch da wir den Trick schon kennen, warten wir, um seine heutigen Launen lesen zu lernen. Doch, oh Wunder, um 11:00 Uhr lugt sogar die Sonne hervor und wir stürzen uns postwendend in unsere Motorradkluft. Unser Laune-Barometer steigt wieder, denn die geplante Seentour kann nun doch stattfinden - dachten wir. Doch eins nach dem anderen.

Wir fahren am Lago entlang Richtung Süden. Erst heißt es genießen: rechts der Lago Maggiore, links die Berge und dazwischen fahren wir mit unseren GSen mitten durch auf gewundenen Landstraßen oft mit herrlichem Seeblick. Da hüpft das Bikerherz, da wedelt der Auspuff – und Bertis rechter Griffprotektor. Doch bis wir dessen Schraubenverlust bemerken, dauert es noch eine Weile. Vorher wechseln wir ab Brebia auf östlichen Kurs Richtung Luganer See und erkunden die schmalen Bergstraßen und italienischen Dörfchen. Nach etwa 60 km  wird der Himmel wieder so dunkel und verliert die ersten Tropfen, dass wir uns an einer überdachten Bushaltestelle schon wieder mal die Regenklamotten überziehen, grummel, grummel. Dann haben wir endlich mühsam alles übergezogen, da traut sich die Sonne wieder hervor, um uns auszulachen, ha, ha, wie lustig. Wir überlegen nur ganz kurz, ob wir alles wieder ausziehen, doch entscheiden uns dann sehr richtig dafür, alles anzubehalten. Und tatsächlich, der nächste Regenschauer ist kräftig und kühl bleibt es auch. (Jetzt hätten wir schadenfroh zurück lachen können, wenn es nicht so Scheiße nass gewesen wäre.)

Einen Vorteil hat das regnerische Pfingstwochenende aber doch: die Straßen sind leer! Denn die Italiener sind entweder in der Kirche oder bei Verwandtenbesuchen und die meisten Touristen sind angesichts des Wetters so schlau und meiden die Region. (Später sollen wir noch erfahren, dass es derzeit in ganz Europa regnet und die bevorstehende Flutkatastrophe in Ostdeutschland bis Bayern und deren Nachbarstaaten gerade ihren Anfang nimmt.)

Sogar die Grenzbeamten an der italienischen/schweizer Grenze sind bis auf eine einzige Ausnahmeperson geflohen, und diese hält sich mit Grenzformalitäten absolut zurück, winke, winke.

Heute gibt es noch mehr Gutes zu berichten, als wir auf der Schweizer Seite den Luganer See erreichen, scheint mal wieder die Sonne. Das sind kurze Lichtblicke im wahrsten Sinne des Wortes. Stopp für Fotoshooting und Staunen über einen steppenden Griffprotektor. Es folgt Bertis kleine Bastelstunde …

Um 14:30 Uhr erreichen wir Capolago und suchen ein Lokal zwecks Stärkung und Lagebesprechung. Die Osteria S.Giorgio macht nicht nur einen freundlichen Eindruck, sondern es gibt zu dieser Zeit auch noch ein paar leckere Snacks. Die Bedienung spricht sogar deutsch und outet sich als Frankfurt-Fan, nein, kein Fußballfan sondern ein Fan dieser Stadt. Da sind wir natürlich sofort auf einer Wellenlänge und so erfahren wir, dass die junge Frau während ihres Studiums auch ein Semester in Frankfurt studiert hat. Im nächsten Moment wird uns bewusst, dass uns gerade eine Akademikerin bedient.

Die Lagebesprechung ist angesichts des schlechten Wetters und der fortgeschrittenen Zeit schnell erzählt: fällt aus, fällt aus:

  1. Fahrt mit der Zahnradbahn auf den Monte Generoso mit einer Ersparnis von je 38,- CHF, 2 Std. Zeit und schlechte Sicht.
  2. Fahrt zum Comer See mit einer Ersparnis von 89 KM, ca. 2 Std. Zeit und schlechte Sicht.

Für die verbleibenden 37 KM bis ins Hotel rechnet das Navi 48 Min. Fahrtzeit aus, uns so war´s dann auch. Doch bevor wir wieder über die Grenze fahren, tanken wir umgerechnet noch für günstige 1,45 € pro Liter. Direkt an der Grenze hätten wir nur 1,42 € bezahlen müssen.

Spartipp 2:
Nehmt eine von den Tankstellen direkt an der Schweizer Grenze, die sind die günstigsten.

Unsere abgekürzte Strecke führt uns Richtung Grancia, durch Lugano Paradiso, Croglio bis Luino (ganz schöne Zuckelei!)

Heutige Verlustliste:  eine Handprotektorenschraube und 89 Touren KM.

Dafür 2 x 38 CHF gespart (die Urlaubkasse und Berti haben sich gefreut).

Tages KM: 120

Video Lago Maggiore Teil 1: Das Video zeigt unsere Anreise über die Schweiz. Vorbei am Zürichsee, Zugersee und Vierwaldstättersee bis nach Luino. Dann die Tour entlang der Ostküste, zum Luganer See, zum Monte Generoso und über Lugano zurück nach Luino. Die Tour war mit viel Regen behaftet.

Montag, 20.05.2013
Heute ziehen wir um. Nicht dass uns das Hotel Internazionale nicht mehr gefallen hätte, nein, wir wollen auch die West- und Südwestseite des Lagos erkunden und haben deshalb für heute Morgen die Fährüberfahrt von Laveno Mombello nach Intra Verbania eingeplant. Ein kleiner Verfahrer schenkt uns zum Abschied noch eine schöne Bergstraße mit anmutigen Ausblicken auf den See, bevor wir den Fähranlegeplatz erreichen. Alle 20 Minuten geht hier eine Fähre ab. Einfach 2 Fahrkarten zu je 7,80 € gekauft (jeweils für Bike und Biker/in) und schon geht´s los.

Das Ablegen und Ankommen ist immer ca. 100 Fotos wert, zumal es gerade nicht regnet. Doch über unserem Zielgebiet hängen dunkle Regenwolken. Ich guck einfach in die hellere Richtung, also nach Laveno Mombello. Hilft aber auf Dauer doch nix.

Nachdem wir die Fähre verlassen haben, brauchen wir gerade 5 Min. um unser Hotel zu erreichen. „Al Centro“ ist billig, liegt im Industriegebiet und ist umzingelt von 6 Sportplätzen sowie einer Tribüne.

Wir sind zu früh und müssen deshalb warten, bis unser Zimmer bezugsfertig ist. Doch um 12:00 Uhr heißt es dann endlich Koffer ab und go!

Heute wollen wir den Lago d`Orta umrunden und den heiligen Berg von Varallo besichtigen: „Sacro Monte di Varallo“. Als wir an der Südspitze des Lago D`Orta ankommen, erreichen wir das Villenviertel, das sich in den Hang schmiegt. Sicherlich haben die dortigen Bewohner einen wunderschönen unverbaubaren Blick auf den See, doch hohe Mauern und Hecken halten jeden „Durchblick“ fern.

Dafür kündigt sich ein ordentliches Gewitter an. Bei schon beginnendem Regen sucht Berti einen Unterschlupf. Er findet ein verlassenes Anmelde-Häuschen, dessen überdachte Rampe uns eine trockene Sitzgelegenheit bietet. Schnell die Regenklamotten überziehen. Doch Schnelligkeit ist gerade nicht gefragt, sondern eher Geduld. Denn an weiterfahren ist vorerst sowieso nicht zu denken. Es ist beinahe dunkel, der Himmelswasserfall steigert sich immer weiter, und zu dem auf dem Asphalt hüpfenden, fetten Regentropfen gesellen sich sogar noch schlanke, springende Hagelkörner. Es ist beinahe schön anzuschauen das Wetterballett, zumal wir ein Dach über dem Kopf und eine Sitzgelegenheit unter dem Po haben. 1. Reihe, Parkett, sozusagen. Die Musik dazu ist etwas zu dramatisch für meinen Geschmack: Donnergrollen in unterschiedlichen Lautstärken. Der Beleuchter hingegen lässt scheinbar immer mal wieder seine Lampen aufblitzen und durchbrennen. Insgesamt ist das Wetterballett ein imposantes Erlebnis, das man weder planen noch buchen kann.

Da meine linke Regengamasche kaputt ist, kann ich halt nur die rechte anziehen. Berthold durchforstet sein Topcase und reicht mir freudig eine gelbe Plastiktüte. Sie hat die perfekte Größe, um meinen linken Stiefel vor Regen zu bewahren. Sieht ungewöhnlich aus, erfüllt aber seinen Zweck und ist obendrein ein echter Hingucker!

Heute bewahrheitet sich der Spruch: nach Regen folgt Sonnenschein. Das wechselt, als wäre es noch April. Doch vorsichtshalber bleibt mal alles an und die Tour geht weiter, schwitz. Da es bereits später Mittag ist, nehmen wir in Pogno einen Imbiss und fahren dann weiter in die Berge über Arola bis Sacro Monte die Varallo.

Die Fahrt dorthin auf der SP 78 lässt schon jedes Bikerherz höher schlagen, enge gewundene Bergstraßen mit Serpentinen, ohne Fahrbahnmarkierung und TROCKEN! In diesem Urlaub ist das bis jetzt die schönste Motorradstrecke (und wir fahren sie später wieder zurück, grins). Aber Obacht: Wir haben Ziegen, Schafe, Kühe und Hund auf der Straße angetroffen.

Oben angekommen sind alle Parkplätze leer, denn wir sind fast die einzigen Besucher. Sacro Monte di Varallo ist zwar unbeschreiblich, aber ich versuch´s trotzdem:

45 kapellenähnliche Gebäude symbolisieren mit Bildern und lebensgroßen Figuren die Geschichten des alten und des neuen Testaments. Alle Schaustätten sind mit Wegen innerhalb einer weitläufigen, parkähnlichen Anlage miteinander verbunden. Wir gehen auf Entdeckungsreise. Inmitten dieser dörflichen Siedlung steht eine wunderschöne Basilika, deren Vorplatz von den vielen Kapellen, kleinen Kirchen und Nebengebäuden eingefasst ist. Gegenüberliegend bietet der Berg einen atemberaubenden Blick hinab ins Tal, direkt auf Varallo. Dazu gibt es Sonnenschein! Es ist so schön hier, dass ich am liebsten die Zeit angehalten hätte, träum.

Ein Espresso beschließt diesen schönen Ausflug und richtet die Vorfreude auf die Talfahrt mit den motorradfreundlichen Kurven.

Zurück im Hotel beschließen wir, dass wir auch dort unser Abendessen einnehmen, zumal ein Industriegebiet in dieser Hinsicht wenig alternative Infrastruktur bietet. Im Speisesaal stellen wir fest, dass es keine Speisekarte gibt, aber dafür einen Kellner, der nur italienisch spricht. Da wir außer auf Deutsch, Englisch und Französisch nicht mitreden können, bleiben wie immer Hände und Füße zur Verständigung. Der Kellner bemüht sich auf gleiche Weise und versucht uns zu erklären, was es zu Essen gibt:
beide Hände bilden an seinem Kopf lange Ohren, er scheint eine Luft-Karotte zu verspeisen, … , da endlich hilft der Geistesblitz, es gibt Kaninchen mit Gemüse. Doch erst als die Teller vor uns stehen und wir das Fleisch gekostet haben, sind wir sicher, ihn richtig verstanden zu haben (Abenteuer mal anders, grins).

Als wenn das heute noch nicht genug Programm gewesen wäre, wartet still und heimlich noch eine Überraschung auf uns in unserem Zimmer. Es ist bereits 23:00 Uhr und wir wollen nur noch schlafen, doch was ist das? Beim Hineinlegen offenbart sich mitten in einem der  Betten ein tiefes Tal: 2 breite Latten sind durchgebrochen, die Brocken liegen noch auf dem Boden. Auf dieser Ruine kann niemand mehr schlafen. Da tun sich gleich 3 Fragen auf:

  1. Warum sagen Gäste nicht einfach Bescheid, wenn sie im Bett zu stürmisch waren?
  2. Warum wird unter dem Bett nicht gereinigt?
  3. Wie sollen wir schlafen?

Für die Reklamation am nächsten Morgen machen wir Beweisfotos, damit die Verständigung klappt.
Dann beginnt die nächtliche Umbauaktion. Zum Glück befindet sich in unserem Zimmer noch ein drittes Bett, das es auszutauschen gilt. Unser Doppelbett wird nur mit Kabelbindern zusammen gehalten, die Berthold mit seinem Taschenmesser schnell durchtrennt hat. Dann ein bisschen räumen und wuchten, Bettwäsche leidlich herrichten und dann endlich – lieg und schnarch.

Tages KM: 130 + Fähre

Lago Maggiore Teil 2: Video von einer Motorradtour zum Lago Maggiore. Der Teil 2 zeigt die Fährüberfahrt von Laveno - Mombello nach Intra Verbania. Dann unsere Tour südwestlich des Lago Maggiore. Die Teilumrundung des Lago d´Orta. Die tolle Strecke von Arola über Civiasco nach Varallo. Hier die Besichtigung des Sacro Monte di Varallo. Dann wieder zurück und die Westküste des Lago d´Orta entlang, weiter zur Westküste des Lago Maggiore und zurück nach Verbania.

Dienstag, 21.05.2013
Am liebsten würde ich diesen Tag überspringen, denn es regnet richtig viel und die Wolken verraten, dass sie nicht vorhaben, das zu ändern. Ich überlege ernsthaft heute kein Motorrad zu fahren und lieber zu lesen. Berthold wird auch ohne mich fahren, allein er wartet noch, bis der Regen etwas nachlässt. Um 11:00 Uhr wird es etwas heller und die Dauerbewässerung verliert an Druck. Ob ich nicht doch mitfahren würde? Was, wenn Berti stürzen sollte? Da reicht schon ein Hund auf der Straße, sogar ohne Regen. Wer hilft ihm dann? Okay, dieser Gedanke lässt mich noch bis 12:00 Uhr zaudern, dann schwinge ich mich in die Schutz- und Regenkleidung und fahre tapfer mit. Im Nachhinein weiß ich, dass das kompletter Unfug war! Wir hätten auch durch einen Swimmingpool fahren können, dann hätten wir danach wenigstens gewusst, ob unsere GSe auch U-Boot-tauglich sind.

Allein das Tagesziel spricht doch schon Bände: Re. Das ist auch die erste Silbe von „Regen“, allerdings heißt so ein Ort mit dieser wunderschönen Kirche, Madonna del Sangue. Der Wallfahrtskirche aus dem 16. Jahrhundert erinnert an das Wunder vom 29. April 1494: nach einem Steinwurf soll ein Madonnenfresko 20 Tage lang Wunderblut vergossen haben.

Also schauen wir uns in strömendem Regen diese Basilika an, innen ist es ja zum Glück trocken, nehmen eine Brotzeit in einem Lokal, auch da ist es ja innen trocken, tanken wieder günstig in der Schweiz, und fahren zurück über Cannobio bis nach Verbania in unser Hotel. Wir kommen um 16:00 Uhr an und sind bis 19:15 Uhr mit der Schadensbegrenzung beschäftigt: Funk ausgefallen, Stiefel und Handschuhe durchweicht und das Visier an meinem Helm rastet links aus, wenn es hoch geschoben wird.

Ein wirklich unvergesslicher Tag! Regen!!!

Tages KM: 125

Mittwoch, 22.05.2013
Heute beginnt unsere Heimreise, für die wir 2 Tage eingeplant haben. Wir checken aus und stehen um 10:00 Uhr (fast) startklar an unseren beladenen Mopeds. Allein die Bluetooth – Verbindung zwischen Navi und Bertholds Funkgerät funktioniert nicht. Doch nach einer halben Stunde Arbeit hat mein Tourengide die beiden Geräte wieder miteinander verkuppelt, so dass unsere Heimreise Teil 1 jetzt mit einer halben Stunde Verspätung beginnen kann. Wie zum Hohn scheint heute nach all den Regentagen die Sonne und die Temperaturen stimmen uns das erste Mal auf Frühling ein. Sofort offenbaren sich mir eine Landschaft und eine Atmosphäre zum Verlieben. Genauso hatte ich mir den Motorradurlaub am Lago Maggiore immer vorgestellt und gewünscht.

Die Tour führt uns am Lago entlang Richtung Norden, was bei diesem Wetter wirklich ein Hochgenuss ist. Ein letztes Mal durchqueren wir Cannobio, Rivera, Rondo, Ascona, Locarno bis Bellinzona, danach geht es ab auf die Autobahn.

Im Gotthardtunnel treiben uns die bekannten 34° C wieder mal den Schweiß aus allen Knopflöchern, um beim Verlassen desselben erneut in die Regen- und Eiszeit einzutauchen. Der Temperatur stürzte diesmal sogar herab auf 6,5° C, was an einen Saunagang mit ungeeigneten Mitteln erinnert. Regen und Kälte lassen uns den nächsten Parkplatz ansteuern, um die Regenklamotten über zu ziehen, was uns nunmehr mit einer gewissen Routine recht fix gelingt.

Der weitere Streckenverlauf führt uns am Vierwaldstättersee vorbei, am Zugersee und am Zürichsee bis nach Schaffhausen. Am Rheinfall stoppen wir für eine Pause zum Einkehren, Aufwärmen, Antrocknen und ein Fotoshooting, für das der geschäftstüchtige Schweizer jedoch Eintritt verlangt. Berthold erhascht ganz geschickt noch einen kostenlosen Blick mit der Kamera, aber ansonsten legen wir unser Geld lieber in leckere Torte an.

Spartipp 3
Wer den Rheinfall von Schaffhausen besichtigen möchte, kann dies kostenlos von deutscher Seite aus erleben. (Anm.: Mit dem Pkw können allerdings Parkgebühren anfallen.)

Unsere letzte Station heute ist Villingen-Schwenningen. Wir suchen eine Übernachtungsmöglichkeit und finden einen vielversprechenden Gasthof, dessen freie Parkplätze verheißungsvoll auf freie Zimmer hindeuten. Umso mehr sind wir überrascht, dass das Lokal ausgebucht sein soll. Berthold erfasst die Situation sofort: „Die wollen keine nassen, verdreckten Motorradfahrer.“ Ja, das gibt es auch, doch zum Glück auch Hotels mit ausgezeichneten Restaurants, die uns gerne ein großzügiges Quartier vermieten und uns ausgezeichnet bewirten, dafür halt etwas teurer.

Tages KM: 360

Donnerstag, 23.05.2013
Die letzte Etappe startet um 10:00 Uhr, doch was uns als erstes erwartet ist eine Umleitung, die in eine weitere Umleitung mündet und an die sich weitere Umleitungen anschließen. Wir vermuten, dass der Schwabe mit allen Mitteln versucht, die wenigen Touristen, die sich trotz des Sauwetters hierher verirrt haben, in seinem Revier zu halten. Wie kommen wir auf solch einen lustigen Gedanken? Weil wir bis heute noch nie erlebt haben, dass uns Umleitungen über ca. 50 km schlicht nur im Kreis geführt haben! Wow, Frust und Zorn stellen sich als Begleiter ein, in jedem Fall fühlt man sich verarscht. Ohne nennenswert voran gekommen zu sein, entschließen wir uns völlig genervt zur Notwehr: ab auf die nächste Autobahn.

Doch ein bisschen Schwarzwaldfeeling wollen wir trotzdem noch mitnehmen. So kürzen wir die Autobahnstrecke über Calw und Pforzheim ab, kehren dort in einen Imbiss ein, um dann ab Bretten wieder die Auffahrt auf die A 5 bis Darmstadt zu nehmen. Kurz nach 16:00 Uhr erreichen wir wieder unser Heim nach insgesamt 1.682 überwiegend nassen Motorradkilometern.

Tages KM: 323

Lago Maggiore Teil 3: Video von einer Motorradtour zum Lago Maggiore. Der Teil 3 zeigt unsere Nordwesttour. Zuerst über Dormodossola, Gagnone, Santa Maria Maggiore durch das Valle Vigezzo nach Re. Dort Besichtigung der Wallfahrtskirche Madonna del Sangue. Weiter durch das Valle Vigezzo entlang den Schienen der Schmalspurbahn Vigezzina zur Schweizer Grenze. Ab jetzt durch das Centovalli bis Ascona und dann die Westküste des Lago Maggiore entlang zurück nach Verbania. Rheinfall bei Schaffhausen. Schwarzwald, Villingen-Schwenningen, Calw.

Urlaubsfazit: Als Biker ist man bekanntlich überaus wetteranfällig. Dieses Mal hatten wir schlichtweg Pech. Aber ansonsten ist der Lago Maggiore mit seiner bildschönen Landschaft und motorradfreundlichen Kurven in jedem Fall empfehlenswert.

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