Namibia 2013

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Namibia  Berge, Wüsten, weite Ebenen

 

Tagebuch unserer Namibia - Rundreise vom 10.10. – 26.10.2013

(oder: von Dreien die auszogen, die Weite zu finden)

Nach fast einem Jahr der Vorfreude ist es nun endlich soweit: das Abenteuer Namibia steht vor der Tür. Dieses Mal reisen wir zu dritt: Berthold, ich und unser Freund Rainer. Okay, es ist eine organisierte Tour, doch für mich fühlt es sich wie Abenteuer an, denn es ist meine erste Begegnung mit dem schwarzen Kontinent.

Donnerstag, 10.10.2013
Wir starten mit Air Namibia in Frankfurt um 20:30 Uhr. Vor uns liegt ein 10stündiger Flug mit gequälten Kleinkindern und fehlendem Schlaf. Doch wie das zum Urlaubsstart immer so ist: es macht nix! Hauptsache es geht los.

Freitag, 11.10.2013
Nach über 8.100 km landen wir um 6:20 Uhr in Windhoek. Beim Verlassen des Fliegers empfängt uns ein fröhlicher Chor von Vogelgezwitscher, ohne dass sich die kleinen Gesangskünstler zeigen.

Auf dem langen Weg über das Flugfeld zum Flughafengebäude weisen uns eine erstaunliche Anzahl an Flughafenmitarbeiter den korrekten Fußweg: nein, nicht rechts an den Pylonen vorbei sondern links – wow, wie wichtig. Egal, grinsend bis kopfschüttelnd marschieren wir den politisch korrekten Weg zum Gebäude und wickeln die Einreiseformalitäten ab. Den Visumsantrag hatten wir vor Reisebeginn schon ausgefüllt, doch Schlange stehen und warten müssen wir trotzdem. Jeder, der dabei die Wartelinie auch nur um wenige Zentimeter überschreitet, wird von der rigorosen Beamtin hinter dem Schalter korrigiert. Es sind ein paar kleine Gesten, die dem Touristen bewusst machen sollen, wer in diesem Land das Sagen hat. Bei der Geschichte Namibias mit wechselnden Kolonialmächten und Apartheid ist das durchaus verständlich, auch wenn es ungewohnt irritierend anmutet.

Nachdem wir das Gepäck in Empfang genommen haben, begrüßen uns auch schon Andy von Gravel Travel und Astrid, die uns in Empfang nehmen. Schnell noch Geld getauscht und dann ab in die Jeeps. Bis zur Windhoek Mountain Lodge sind es 66km – im Linksverkehr natürlich.

In Windhoek und auch auf der Lodge fallen mir die lila-blau blühenden Jakaranda Bäume auf, deren Namen ich erst im Laufe der Reise erfahren werde. Sie wirken auf mich wie aus Alice im Wunderland ausgebüxt. Faszinierend.

Um 9:30 Uhr erreichen wir die Windhoek Mountain Lodge. Sie liegt so abseits, dass Google-Maps sie nicht finden konnte. Über einem holprigen Schotterweg dort angekommen, werden wir herzlich von Ralf und einem richtig guten Frühstück begrüßt.

Die Gebäude der Lodge sehen aus, wie man sich eine Lodge in Afrika vorstellt: mit einer Architektur, die in die Landschaft passt, aus Materialien die wirken, als kämen sie aus der Umgebung. Selbst die Innenausstattung verströmt einen Hauch Safari.

Auf dem Hauptplatz vor der Lodge warten schon 20 Motorräder zur Auswahl, die ihre möglichen neuen Fahrer auspuffwedelnd begrüßen. Die 10 Bikerinnen und Biker haben die Wahl zwischen einer XT 660 Tenere und einer XT 660 R. Alle, bis auf Berthold folgen der Empfehlung und entscheiden sich für die 660 R. Doch da wir planen, zu zweit auf dem Motorrad zu fahren, erscheint die Tenere geeigneter. „Zu zweit auf einem Motorrad? Ja, doch, das geht. Dann ist die Tenere doch die bessere Maschine.“ Doch die Skepsis in Ralfs Gesicht bleibt. Wir werden später noch erleben warum.

Ab 13:00 Uhr erhalten wir ein ausführliches Briefing generell zum Fahren mit Motorrädern auf den namibischen Schotterpisten. Die größten Gefahren sind:

  • Staub, der so dicht ist, dass man plötzlich die Sicht verliert,
  • Wildwechsel, der zur Kollision oder zum Verreißen des Motorrads führt,
  • Konzentrationsschwäche aufgrund von Dehydrierung,
  • Haltende Fahrzeuge hinter Kuppen.

Das alles wird mit eindrucksvollen Fotos anschaulich dargestellt. Wow, sooo viel Abenteuer haben wir gebucht?

Nachdem auch noch die GPS-Geräte an den Mopeds erklärt sind, starten wir um 14:30 Uhr auf eine ca. 86 km lange Eingewöhnungstour. Berthold fährt allein, um zuerst das Motorrad und das GPS in Ruhe kennen zu lernen. Letzteres ist äußerst wichtig, da nicht in einer gemeinsamen Gruppe gefahren wird, sondern jeder in seinem Tempo. Ohne GPS ist man deshalb aufgeschmissen. Denn Einheimische nach dem Weg zu fragen, führt immer nach Windhoek, egal wo man hin wollte. Einer unserer Teilnehmer hat es ausprobiert und festgestellt, dass es stimmt.

Ich bleibe im Jeep, der mit Andy am Steuer hinter den Motorradfahrern die Truppe begleitet.

Zwischen 16:30 Uhr und 17:00 Uhr trudeln wir alle wieder auf der Lodge ein.
Der erste Eindruck: das wird holprig!

Namibia Berge, Wüsten, weite Ebenen  Teil 1: Ankunft in Windhoek. Gravel Travel, Windhoek Mountain Lodge. Einführungstour 86 km. 2. Tour 340 km Richtung Kalahari bis zur Auob Lodge. 3. Tour: 289 km durch die Kalahari, Richtung Botswana, dann Richtung Südwest zum Giants Playground und dann noch bis kurz vor Keetmanshoop. Geparden Fütterung. Köcherbaumwald.

Zum Abend gibt es ein Buschmann-Fondue und damit den ersten kulinarischen Kontakt zu Antilopen. Das Fondue ist wirklich lecker und alles in XXL. Müde und satt lässt es sich dann gut schlafen.

Tages KM: 86

Samstag, 12.10.2013
Um 8:45 Uhr beginnt das erste allmorgendliche Tagesbriefing: die Strecke wird besprochen, die Tankstopps und das Treffen zwecks gemeinsamer Mittagspause. Ab 9:00 Uhr verlassen die Motorräder die Lodge, während Andy und ich warten, bis alle unterwegs sind. Ich fahre zunächst noch im Jeep mit, stecke aber schon in meiner Motorradkluft, denn auf geeigneter Strecke werde ich heute bei Berthold mitfahren.

Der Jeep fährt immer am Schluss. Wer liegen bleibt, bekommt Hilfe von Andy. Zu diesem Zweck wird alles mitgeführt: ein Ersatzmotorrad, Ersatzräder, Schläuche, Ersatzteile, eine mobile Werkstatt sowie Sprit, ein paar Getränke, eine erste Hilfe Ausstattung, Satellitentelefon und natürlich auch unsere Reisetaschen.

Außer diesem Platzwunder habe ich auch noch Wikipedia 2 neben mir sitzen. Jedenfalls kennt Andy alles und jeden und sieht auch fast alles. So lerne ich den Kameldornbaum kennen und den Ursprung seines Namens, den Gababusch, den Vaalbusch, die Siedelweber mit ihren beeindruckenden Nestbauten, die Mahali- und Maskenweber, erfahre etwas über das System der namibischen Farmwirtschaft, der Politik und der nicht vorhandenen Sozialsysteme wie wir sie aus Deutschland kennen.

Am Tankstellen-Treffpunkt in Dordabis klettere ich zu Berthold auf die Tenere. Dank unserer (notwendigen und gut gefüllten) Trinkrucksäcke vergrößern wir unser Außenvolumen, so dass ich auf der Sitzbank so weit nach hinten rutschen muss, dass mir die kleine Gepäckträgertasche halbwegs unter den Hintern krabbelt. Die Beschwerden meines Hinterns ignoriere ich anfangs noch, doch sie werden lauter. Ich selbst mache einen Katzenbuckel um Bertholds Trinkrucksack und bekomme ihn doch noch an den Seiten zu fassen. Irgendwo muss ich mich ja festhalten. Das Motorrad geht mit mir merklich in die Knie, aber dann geht’s endlich los.

Über Stock und Stein berichtet die Tenere direkt an meinem Hintern (auch das noch!). Auf Sandpassagen hingegen versucht sie mich sogar runter zu schütteln. Es ist gerade so, als wenn das Motorrad meinen Berti für sich alleine haben will, als wäre es ein eifersüchtiges Weib. Frustrierenderweise kommt noch hinzu, dass ich außer Bertholds Rücken wenig sehe. Wenn seitlich etwas Interessantes auftaucht, ist es im nächsten Moment auch schon vorbei. Schnell vermisse ich die Klimaanlage im Jeep. Überhaupt vermisse ich den Jeep – und Wikipedia 2. Ich habe schon wieder jede Menge Fragen zu Fauna und Flora, aber niemanden, der sie mir beantwortet.

Nach nur 60 km hat die Tenere gesiegt: ich räume meinen Sitzplatz und steige wieder um in den Jeep. Hier habe auch ich den Urlaub, den ich genießen kann.

Wir fahren durch das Auob-Tal, dessen unterirdischer Grundwasserfluss für fruchtbare Farmen und Wohlstand sorgt. In Stampriet reicht es sogar für die Asphaltierung der Straße, jedenfalls innerorts.

Wir erreichen am späten Nachmittag die Auob-Lodge und beziehen unser Quartier.

Das Highlight des Tages findet diesmal abends statt. Mit einem offenen Personentransportfahrzeug der Lodge werden wir allesamt in die Dünen der Kalahari gefahren. Dort erwartet uns ein kerzengesäumter Weg zu einem Dinner in der Kalahari bei Sonnenuntergang. Was für ein Augenschmaus! Im Zusammenspiel von rotem Sand, untergehender Sonne, weißen Tischtüchern und Kerzenschein entsteht eine unbeschreiblich schöne Atmosphäre. Die Natur präsentiert uns ein nicht konservierbares Kunstwerk in Farbe, in allen Rotschattierungen dieses Planeten. Selbst die zunehmenden Schatten haben Hauptrollen in diesem Naturschauspiel übernommen. Wow, welche beeindruckende Schönheit!

Tages KM: 340

Sonntag, 13.10.2013
Wir starten wieder um 9:00 Uhr und setzen unsere Tour durch das Auob Flusstal fort. Mich überrascht es zu erfahren, dass diese Gegend auch zur Kalahari gehört. Die Ausbreitung der Kalahari erstreckt sich über Sambia, Simbabwe, Angola, Botswana, Namibia und Südafrika. Typisch für die Kalahari ist zwar immer: Sand! Aber sie hat trotzdem viele Gesichter, wie mir Andy erklärt. So gibt es außer Sandwüste auch Buschsavanne und Trockenwaldsavanne.

Kalter Atlantikwind lässt die Temperaturen nur auf 20° – 25° C steigen, und das in der Kalahari.

Heute treffen wir immer wieder auf Astrid, die für Fotoaufnahmen immer wieder anhält. Auf Vorschlag von Andy unternehmen wir einen Abstecher in die roten Dünen neben der Straße. Astrid treibt ihre Maschine den roten Sand hinauf gefolgt vom Jeep. Es entstehen im Zusammenspiel mit rotem Boden, blauem Himmel, Dünenhügeln und namibischer Weite wirklich wunderschöne Aufnahmen.

Zurück auf der C 17 wird es aber auch immer hügeliger. Wo es geht, fährt Andy flotte 110 km/h und erzeugt so das Gefühl, Achterbahn zu fahren. Ich krieg das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Weitere Highlights sind ein Weißbürzelsingfalke und ein afrikanischer Habichtsadler.

Als wir in Köes zur Mittagsrast eintreffen, ist ein Großteil der Truppe schon weiter gefahren. Berthold hat an diesem Vormittag sein Motorrad mit Dirk getauscht, der zu Hause eine KTM fährt, die sich ähnlich verhält wie die Tenere. Jedenfalls ist Berti das eifersüchtige Mistding losgeworden und freut sich über das berechenbarere Fahrverhalten der XT 660 R.

Ein netter kleiner Coffee Shop „am Arsch der Welt“ hat geöffnet und wir stärken uns mit unserem Lunchpaket und bestellen etwas zu Trinken.

Das nächste Highlight erwartet uns kurz vor unserem Tagesziel. Giants Playground, also der Spielplatz des Riesen, lässt uns in eine Basaltsteinwelt abtauchen, die mehr als unwirklich daher kommt. Das soll alles von selbst entstanden sein? Wow, einfach unglaublich! Um es zu begreifen sind die Spielgeräte zu groß, deshalb erklettern wir sie. Oben am Kamm angekommen sieht man erst, welch großes Steinfeld sich dahinter ausbreitet. Und wieder ist es da, das Gefühl, Alice im Wunderland zu besuchen. Fehlt nur noch, dass der Steinbeißer um die Ecke kommt. (Okay, der kam aus der Unendlichen Geschichte.)

Auf der Quivertree Forest Restcamp Lodge, nahe Keetmanshoop, erwartet uns kurze Zeit später eine Gepardenfütterung. Die Mutigen dürfen mit ins Gehege kommen, Vorsichtige beobachten das Schauspiel hinter dem Zaun. Die Geparden sehen gut genährt aus und sind offenkundig an Menschen gewöhnt. Aber zu nah mögen sie uns trotzdem nicht heran lassen, ansonsten gibt’s Gefauche.

Doch das absolute Highlight des Tages erwartet uns wieder einmal am Abend. Auf der Pritsche eines Transporters werden wir zum Köcherbaumwald gefahren. Mit im Gepäck befinden sich ein paar Flaschen Windhoek Lager für einen grandiosen Sundowner.
Der Köcherbaumwald ist ein Schutzgebiet, da diese ungewöhnlichen Bäume hier sehr zahlreich vorkommen. Dazu muss man wissen, dass sie botanisch betrachtet keine Bäume sondern Aloe Pflanzen sind. Aufgrund ihres Aussehens heißen sie jedoch trotzdem Köcherbaum. 500 Jahre können sie alt werden und wurden aufgrund ihrer harten Schalen mit weichem Kern vom Buschmann zur Herstellung von Pfeilköchern verwendet.

Dann erleben wir wieder ein sagenhaftes Naturschauspiel. Die untergehende Sonne entfaltet in dieser Landschaft ein Licht- und Schattenspiel, das atemberaubend wirkt. Alle Gruppenmitglieder knipsen was das Zeug hält, aber wirklich einfangen lässt sich dieses Wahrnehmungsangebot von Mutter Natur nur teilweise.

Zum Abendessen auf der Lodge gibt es Kudu Antilope. Sehr lecker. Und zum Nachtisch gibt es Whisky für ein paar Herren. Es wird spät …

Tages KM: 289

Montag, 14.10.2013
Heute lerne ich diejenigen Pflanzen kennen, aus denen der Buschmann sein tödliches Pfeilgift gewonnen hat: aus der Euphorbia Damarana und aus der noch giftigeren Euphorbia Virosa. Es handelt sich bei beiden um Wolfsmilchgewächse, deren weißer Saft das Gift enthält. Ich überlege noch kurz, ob ich zu Hause Bedarf an „Arsen und Spitzenhäubchen“ habe, aber mir fällt niemand ein.

Unterwegs sehen wir täglich Wild. Heute im Ai-Ais Nationalpark sind es neben den allgegenwärtigen Springböcken und Straußen auch Kudus, Oryxantilope, Zebra und Steppenfalke.

Zur Mittagsrast treffen wir uns heute im Canyon Roadhouse. Die originell arrangierten Oldtimer und andere originelle Dekorationen sind absolute Hingucker. Manch einer behauptet sogar, die namibische Wegfahrsperre gesehen zu haben.

Etwa 20 km weiter erreichen wir den Eingang zum heutigen Highlight: der Fish River Canyon im Richtersveld Nationalpark. Der Canyon ist 160 km lang bis zu 27 km breit und bis zu 550 m tief. Er ist der zweitgrößte Canyon der Erde. Als wir ihn erreichen, kann ich mich an diesem erhabenen Anblick kaum satt sehen. Nur die Natur vermag eine solch grandiose Architektur zustande zu bringen. Ich lehne im Schatten am Holzgebälk und versuche die Atmosphäre aufzusaugen. Ich wäre am liebsten noch stundenlang geblieben, wenn Andy nicht zur Weiterfahrt gedrängt hätte. Na gut, eine organisierte Tour ist halt kein Individualurlaub.

Auf dem Weg zur Lodge kommen wir an Weintraubenplantagen vorbei. Andy erklärt, dass hier kein Wein gekeltert wird, sondern die Trauben als Obst verkauft werden. Hunderte von Arbeiterinnen und Arbeitern laufen kilometerlang an der Straße zu ihren Wellblechbaracken.

Als wir unsere Lodge Felix Unite erreichen und unsere wunderschönen und großzügigen Unterkunftshütten beziehen, hätte der Kontrast kaum größer sein können.

Die Lodge liegt direkt am Oranje River, der als Grenzfluss zu Südafrika fungiert. Der Wasserpegel ist niedrig. Welche Anziehungskraft für nackte Füße! Dazu ist das Wasser noch angenehm temperiert.
Morgen werden wir diesen Fluss noch näher kennenlernen.

Tages KM: 400

Dienstag, 15.10.2013
Um 6:15 Uhr geht der Wecker. Von draußen dringen ungewohnte Geräusche an unsere Ohren. Was ist das? Ein Blick durch das Fenster zeigt uns eine ganze Bande von knallroten Vögeln. Wirklich hübsch anzusehen, doch fotoscheu. Aber da nicht nur ich versuche, diese Oryxweber aufzunehmen, gibt es am Schluss doch noch ein paar schöne Bilder von ihnen.

Heute steht Kanu fahren auf dem Programm. Um 8:15 Uhr werden wir abgeholt und ca. 13 bis 15 km flussaufwärts gefahren, wo schon die Kanus warten.
Nach ein paar Instruktionen und mit den Schwimmwesten am Leib geht es ab aufs Wasser.

Auf dem Wasser zu paddeln bietet neben der Anstrengung auch eine buchstäblich neue Perspektive auf das Ufer von zwei Staaten. Außer ein paar lustigen Rempeleien und neuer Namenskreation meistern wir ein paar Niedrigwasserstellen und ein paar Stellen mit Strudeln und wildem Wasser (zumindest aus Sicht einer Landratte).

Wir erhalten einen kleinen Einblick in die Vogelvielfalt am Fluss: Kormorane, Reiher, Enten und sogar ein Schreiseeadler zeigen sich uns.

Nach etwa 2/3 der Strecke werden wir zum illegalen Grenzübertritt aufgefordert und eh wir uns versehen, stehen wir auf einem Sandstrand in Südafrika. Wow, Badezeit ist angesagt. Während ein paar von uns schon in Badehose oder Bikini planschen, sparen sich Berthold und ich uns das Vergnügen auf für das Wiedereinsteigen ins Kanu. Da haben wir doch mal wieder souverän für Unterhaltungsprogramm gesorgt. Als wir gegen 11:15 Uhr an unserer Lodge wieder anlegen, habe ich Blasen an der linken Hand und Berti eine aufgescheuerte Stelle am Oberarm.

Um 12:00 Uhr starten die Motorräder und ich bin froh, dass ich mich bequem in den Jeep setzen kann.
Wir folgen noch eine ganze Zeit lang dem Oranje River, den mancher Motorradfahrer und –fahrerin nochmals für eine kurze Badeabkühlung nutzt.

Wir überqueren den Fishriver, der hier als kleines, ausgetrocknetes Flussbett ganz unspektakulär daher kommt. Was für ein Unterschied zur gestrigen Begegnung als Canyon.

Namibia Berge, Wüsten, weite Ebenen Teil 2: Tour 4: 400 km Richtung Südafrika, über den Löwenfluß, Canon Roadhouse, Fish River Canyon, Ai-Ais, Felix Unite. Tour 5: 318 km, Kanutour, Südafrika, entlang am Oranje River bis zum Diamanten Sperrgebiet. Rosh Pina, Aus, Klein Aus Vista.

Unsere Straße führt durch ein Diamantensperrgebiet. Doch so richtig bewusst wird mir das erst, als wir am Ausgang von Ai-Ais Richtersveld Transfrontier in eine ausgewachsene Zollkontrolle kommen. Vor der Schranke hat sich schon ein Motorradstau gebildet, weil nicht nur umständliche und umfangreiche Formalitäten kontrolliert werden und Papiere auszufüllen sondern vor allem, weil auf der Suche nach Diamantenschmuggel alles durchsucht wird. Die armen Biker stehen da also in voller Montur ewig in der sengenden Hitze und müssen diese penible Prozedur über sich ergehen lassen. Als dann der Jeep an der Reihe ist und der Beamte auch noch alle Reisetaschen im Anhänger durchsuchen will, versteht es Andy, ihn davon zu überzeugen, dass der Zeitaufwand immens wäre. Zudem seien wir allesamt harmlose Biker, die zum Motorradfahren hier sind und niemand Diamanten schmuggelt. Uff, das hat funktioniert, aber schikaniert habe ich mich trotzdem gefühlt. Andy meinte hinterher, dass wir es noch mit netten Beamten zu tun gehabt hätten, aber dafür hatte ich deutlich das Gefühl, dass es der freundliche Beamte auf Bakschisch abgesehen hatte.

Wir fahren weiter durch die Auasberge. Die höchste Stelle, die wir queren zählt 1.391m. Unsere heutige Lodge heißt Klein-Aus Vista und bietet geräumige und sehr gut ausgestattete Bungalows auf großzügigem Gelände.

Nach dem Abendessen und einem geselligen Plausch an der Bar entschließen sich ein paar Wagemutige, eine Sondertour ins nächtliche Lüderitz zu unternehmen. 100 km Entfernung. Ich habe am nächsten Morgen gehört, dass alle Teilnehmer unfallfrei gegen halb zwei zurück waren. Das wär mir nix.

Tages KM: 322 (ohne Kanufahrt und Lüderitz-Ausflug)

Mittwoch, 16.10.2013
Wir starten nach morgendlichem Briefing und der Anleitung zum Ölstand messen.

Längst schon fahren wir durch die endlose Namib mit ihren vielfältigen Gesichtern, so streifen wir heute das Schwarzrand Gebirge und nehmen die D 707 mit ihrem großen Bogen um das Tiras Gebirge. So nebenbei zeigt die Namib, was Weite bedeutet, auch wenn Andy meint, dass das noch nicht Weite sei und wir ihr im Laufe des Urlaubs erst noch begegnen würden. Ich bin gespannt.

Im 54.000 qkm großen Namib Naukluft Park begegnen uns Springböcke, viele Oryxantilopen, Strauße, Singhabichte, Steppenfalken und Graslerchen. Es ist schon erstaunlich, dass diese karge Vegetation eine Fülle von Leben erzeugt.

Während wir zur Mittagsrast tatsächlich Bratwurst mit Kartoffelsalat bestellen, hält der Nachmittag eine ungeplante Schnitzeljagd bereit. Denn die C 27 entpuppt sich als eine Rüttelstrecke der feinsten Art. Da entdeckt Andy ein schwarzes Etwas auf der Fahrbahn. Also: umdrehen und einsammeln. Es entpuppt sich als eine Geldbörse mit allerlei Inhalt. Es folgen nach unregelmäßigen Abständen ein GPS, eine Kamera, eine zerfetzte 1. Hilfe-Tasche, ein Wörterbuch und mehrere leere kleine Taschen. Anhand des Inhalts können wir die Utensilien Manuel zuordnen. Doch was war passiert? Manuel hatte einige Utensilien in einer Tasche auf dem Gepäckträger mit Spanngurten befestigt. Die Waschbrett-Strecke hatte die Halterung geöffnet, so dass ein Stück nach dem anderen Manuels Motorrad verlassen hat. Er hat sich gefreut, als er abends seine Güter zurück bekommen hat, wenn auch in lädiertem Zustand und wahrscheinlich auch nicht mehr den kompletten Inhalt, aber wenigstens hat einer von uns ein Auge dafür gehabt: der Fährtenleser Andy.

Auf der Sossusvlei-Lodge erleben wir einen bombastischen Sonnenuntergang und ein Büffet, das absolut keine kulinarischen Wünsche offen lässt. Hier heißt es, essen, bis der Arzt kommt.

Tages KM: 328

Donnerstag, 17.10.2013
Wer hat um Gottes Willen den Wecker auf 5:00 Uhr gestellt?! Draußen ist es noch stockdunkel, ich bin müde und habe Urlaub. Warum habe ich den Ausflug nach Sossusvlei nicht einfach ausfallen lassen? Als mein Kreislauf halbwegs mitspielt, stehe ich dann doch auf, aber mein Hirn schläft weiter, jedenfalls fühlt es sich so an. Katzenwäsche, Tasche packen, einen schnellen Kaffee an der Rezeption und dann werden wir auch schon abgeholt. Im offenen, wenn auch überdachten Personenbus liegen Wolldecken, die bei den sehr frischen Temperaturen und dem übermüdeten Körper sehr gute Dienste leisten. Am liebsten würde ich weiter schlafen, doch die unruhige und frische Fahrt lässt es nicht zu. Dann stoppt das Fahrzeug. Wir stehen in einer Fahrzeugschlange und warten, dass der Park seine Tore öffnet. Wer hätte das gedacht, dass es morgens um 6:23 Uhr bereits einen Fahrzeug-Stau in der Namib gibt. Tja, Wüste hat eben viele Gesichter.

Um 6:30 h ist dann endlich Einlass. Bis zu den berühmten roten Dünen sind es noch ca. 60 km zu fahren. Doch der Weg durch die karge Savanne ist angefüllt mit Leben, das die Morgenkühle nutzt, um sich satt zu fressen: Oryx, Strauße, Springböcke, Falke, ein Schakal und sogar ein seltener Sekretär begegnen uns. Bei den Dünen wird die Fahrbahn tiefsandig und unser Fahrer hat alle Hände voll zu tun, nicht stecken zu bleiben. Ein anderes Fahrzeug mit Touristen hat weniger Glück. Sie sind schon am Schaufeln.

Die Sonne steht nun knapp über dem Horizont und lässt die Sonnenseiten der hohen Dünen in wunderschönem Rot erstrahlen, während der Dünenkamm eine scharfe Schattenlinie zur anderen Seite abzeichnet. Wieder einmal geht mir das Herz auf, welch ein grandioses Naturschauspiel. Wir halten in der Nähe eines Rastplatzes, der sich im Schatten eines Baums befindet. Die meisten unserer Gruppe wandern auf den Kamm der vor uns liegenden Düne. Mich hingegen hält die zahme Tierwelt dieses Baums gefesselt: Kappsperlinge, die es gewohnt sind, vom Brot der Touristen Krumen zu ergattern, Eidechsen, Gecko, Wüstenmaus und Schildrabe sind ebenfalls aufgetaucht.

Berthold bleibt ohnehin am Rastplatz. Er war mit ordentlichen Knieschmerzen in den Urlaub gestartet, doch der zunächst vermutete Meniskusriss ließ sich so kurz vor dem Urlaub nicht mehr operieren. Also nutzt er Bandage, Schmerzmittel und zusammengebissene Zähne, um Namibia zu befahren. (Zu Hause sollten wir dann erfahren, dass außer dem Meniskusriss auch noch Osteonekrose sowie eine Impressionsfraktur sowohl die Schmerzen verursachten als auch den Erhalt des Knies gefährdeten.) Jedenfalls ist für ihn das Laufen eine Qual und so wird am Spazierengehen gespart.

Als die ersten Dünenwanderer gegen 8:30 Uhr zurückkehren, gibt unser Fahrer die Frühstücksboxen aus. Picknick in Sossusvlei, wow, welche Kulisse!

Auf der Rückfahrt, als die Sonne immer höher steigt, sehen wir kaum noch Tiere und auch die Schattenkonturen den Dünenkämme verwischen zusehends. Dieses Schauspiel, dem wir beiwohnen durften erfordert den Preis des frühen Aufstehens – und er ist es absolut wert!

Zurück auf der Lodge heißt es jetzt zackig umziehen (jedenfalls für die Biker), Taschen verstauen und starten. Es liegen etwa 80 km Piste vor uns bis zum Wüstennest Solitaire. Dieser Tank- und Rastplatz ist für seinen berühmten Apfelkuchen berühmt. Ich probiere auch ein Stück, doch ehrlich gesagt, ist er mir etwas zu süß. Als Diabetikerin bin ich bei diesen süßen Dingen aber möglicherweise kein Maßstab.

Hier entdecke ich noch eine Regenfall-Tafel. Sie zeigt auf, dass es im gesamten Jahr 2013 lediglich 39 mm Regen gegeben hat. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren extrem wenig. Kein Wunder, dass fast alle Flussbetten ausgetrocknet sind. Gerne würde ich dieses Land einmal nach einem nennenswerten Regen erleben, wenn es dann überall grün ist und blüht …

25 km nördlich von Solitaire treffen wir auf einen verunfallten Pkw. Er liegt auf dem Dach, doch zum Glück sind die Fahrgäste schon alle draußen und scheinbar ist niemand verletzt. Zwei weitere Fahrzeuge sind ebenfalls stehen geblieben um zu sehen, ob sie helfen können. Mit Hilfe eines dieser Helfer befestigt Andy das Abschleppseil an Pkw und Jeep und zieht das Unfallfahrzeug wieder auf seine 4 Räder. Jetzt können die Touristen wenigstens ihr Gepäck heraus holen. Das Leih-Fahrzeug macht den Eindruck, als ob es einen Totalschaden erlitten hat. Andy erzählt, dass 30% der Leihfahrzeuge nicht mehr heil zu ihrem Eigentümer zurück kommen, so hoch sei die Unfallquote. Unerfahrenheit mit den sich ständig ändernden Straßenbeschaffenheiten, Waschbrettpisten, Staubentwicklung und Hügellandschaften, die optisch einen Teil der Straße einfach verschlucken, bieten Unfallgefahren der verschiedensten Art. Andy telefoniert noch mit der Mietfirma und organisiert die Abholung der Verunfallten nach Solitaire. Diese sind heilfroh und bedanken sich herzlich bei ihm.

Wir setzen unsere Fahrt durch den Namib Naukluftpark fort. Auf der C 14 passieren wir den Wendekreis des Steinbocks und anschließend den Gaub Pass mit seinen 819 m Höhe. Wir sehen das erste Gnu, Zebras und wie so oft die schönen (und leckeren) Oryxantilopen.

Die Straßen sind ordentlich kurvig und gerade am Kuiseb-Pass schwierig zu fahren. Tatsächlich hat Thomas das Pech und stürzt. Sein Unterarm ist aufgeschürft, weil die Ärmeljacke offen war (logisch, bei der Hitze) und sich beim Sturz hochgezogen hat. Auch das Motorrad hat ein paar Blessuren davon getragen: verbogener Lenker, Spuren an der Verkleidung, loser Blinker …
Es hätte schlimmer kommen können. Thomas kann weiter fahren und so erfährt Andy erst auf der Lodge, dass Reparaturarbeiten auf ihn warten.

Doch vorher erleben wir auf der D 1998 den ersten Platten unserer Bikergruppe. The winner is: Berti. Der Arme musste eine halbe Stunde Strafstehen bei 38° C ohne Schatten. Der Routinier Andy hat das Rad innerhalb von 10 Min. gewechselt. Dann geht´s weiter.

Um 16:30 Uhr erreichen wir den Abzweig auf die Farm von Kobo Kobo Hills. Doch bis zur Lodge sind noch ca. 10 km Holperpiste zu bewältigen. Für die Enduro-Enthusiasten ist das wie Zuckerbrot, aber ich bin heilfroh, dass ich im Jeep gefahren werde.

Die Lodge selbst ist beinah unbeschreiblich, ein Sofort-Wohlfühlort. Versteckt hinter großen Felsen liegen mehrere kleine Hütten, eine Bar, Swimmingpool, Grill- und Essplatz unter freiem Himmel. Vom hoch gelegenen Pool hat man einen sagenhaften Ausblick ins Tal. Die Lodge-Architektur ist der Natur nachempfunden. Gerade Wände gibt es hier nicht. Die Innenausstattung ist gemütlich und die bereit gestellten Toilettenartikel biologisch abbaubar. Das Leben funktioniert hier ohne Strom. Gekocht wird auf Holzkohle, der Kühlschrank wird mit Gas betrieben und Licht gibt es über Solarlampen.
Kobo Kobo ist optisch und biologisch eine Augenweide.

Ein paar Wehmutstropfen sind jedoch für Berthold zu ertragen. Es führen mehrere, sehr hohe Stufen hinauf zum Hauptplatz, deren Bewältigung sein kaputtes Knie äußerst schmerzen. Zudem haben wir nur noch einen Bungalow in ca. 1 km Entfernung beziehen können, was bedeutet, dass er die Stufen mehrmals bewältigen muss. Außerdem kann er mangels Steckdosen seine Akkus für die Kamera nicht aufladen. Es dauert nicht lange und Berthold wechselt in den Motzmodus. Doch dank der Super-Gruppe, wird er im Laufe des Abends davon weitgehend wieder heraus geholt.

Das Abendessen schmeckt köstlich, der Rotwein auch. Irgendwann kommt dann noch Whisky dazu und als wir am späten Abend zu unserer Unterkunft gefahren werden, lallt eine betrunkene Jutta recht aufgekratzt. Später im Bad schaue ich dann sicherheitshalber nochmal nach, wie viel ich tatsächlich getrunken habe. Okay, es war zu viel. Kann ja mal passieren.

Tages KM: 247

Freitag, 18.10.2013
Heute feiert Matthias seinen 40. Geburtstag. Die Lodgewirtin kredenzt ihm einen kleinen Kuchen und ein Geburtstagsbanner. Wir alle trällern ein Geburtstagsständchen und irgendwie ist es schön, inmitten der Natur pur auch solche Rituale beizubehalten.

Auf der Holperstrecke zur 10km entfernten Ausfahrt stürzt Manuel, aber ohne zunächst erkennbare Schäden.

Die heutige Etappe ist kurz und davon ca. 90 km sogar auf Asphalt. Unser Ziel heißt Swakopmund. Wir starten morgens bei 33° C und erreichen das Hotel Europa Hof mittags bei 22° C. Der Atlantik sorgt für die kühlen Temperaturen. Das führt dazu, dass im Hochsommer jeder Namibier, der es sich leisten kann, vor der Sommerhitze an den Atlantik flieht, um erträgliche Ferien zu verbringen.

Dabei ist Swakopmund eine deutsche Hochburg. Überall gibt es deutsche Geschäftsschilder und wird deutsch gesprochen. Überhaupt ist die Geschäftswelt auf die vielen Touristen eingerichtet; Lokale, Banken, Getränkeläden und Shops im Übermaß. Wir nutzen die Gelegenheit, ein paar fehlende Utensilien einzukaufen und für meinen Fotoapparat ein Ladegerät zu bestellen. Ich hatte es nicht mitgenommen, weil der Akku ewig hält. Doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich hier ständig den Finger auf dem Auslöser haben würde, so begeistert bin ich von dieser Natur und den Farben.

Abends kehren wir alle zusammen bei Kückis Bar ein und Matthias übernimmt anlässlich seines Geburtstags alle Getränke. Danke nochmals an dieser Stelle.

Tages KM: 155

Namibia Berge, Wüsten, weite Ebenen Teil 3: Tour 6: 347 km hügelige Landschaften entlang der Namib. Betta, Namib Rand Natur Reservat, Sossusvlei Lodge. Tour 7:. Ausflug zu den höchsten Dünen der Erde im Sossusvlei Nationalpark, Sesriem.  247 km Sesriem Canyon, Solitaire, Wendekreis des Steinbocks, Namib Naukluft Park, Kuiseb River Bridge, Kuiseb Pass, Kobo Kobo Hills. Tour 8: 150 km Dorob Nationalpark, Swakopmund. Walvis Bay, Katamaran Tour, Oktoberfest Swakopmund.

Samstag, 19.10.2013
Die ganze Truppe hat sich für eine Katamaranfahrt angemeldet. Der Veranstalter Rudi holt uns morgens im Hotel ab und fährt uns die ca. 40 km bis Walvis Bay in einem Kleinbus. Dort bezahlen wir die Tour für umgerechnet 42 € inkl. Tranfer, Bootsfahrt, Sekt und Austern.

Rudi ist deutschstämmiger Namibier, der noch nie in Deutschland war. Der Euro ist zu stark gegenüber dem namibischen Dollar. Er kann sich so eine Reise nicht leisten.

Im Ausflugs-Preis ebenfalls inbegriffen ist eine Vorführung, wie wildlebende Tiere ihre Angst vor dem Menschen abgelegt haben und an Bord kommen, um sich Fisch abzuholen. So lernen wir eine Robbe kennen, die bei laufender Fahrt hinten in den Katamaran einsteigt und nach Futter ruft. Diese Robbe hat einen langen Schnitt am Hals, der so tief verläuft, dass man das unter der Fettschicht liegende rote Fleisch heraus schimmern sieht. Auf unsere Frage erklärt Rudi, dass das von Plastikmüll im Meer kommt. Die Wunde stamme von einem Plastikband, mit dem große Pakete verschnürt waren. Ich weiß nicht, woher Rudi das weiß, doch er kennt die Tiere und ich habe das Gefühl, dass er weiß wovon er spricht. Eine andere Robbe erkennt er als Beißer und vertreibt sie sofort wieder vom Katamaran.

Auch ein Kormoran kommt an Bord. Ich habe diese Vogelart noch nie so nah erleben können. Er hat türkisfarbene Augen.

Pelikane kommen auch an Bord. Den großen schweren Vögeln ist es egal, wem sie mit ihren großen Schwimmfüßen auf den Schuh treten.

Zu Gesicht bekamen wir außerdem noch Benguela-Delfine und einen Pinguin, nur Wale wollten sich heute keine zeigen.

Nach unserer Rückkehr im Hotel gibt es erst mal ein Mittagsschläfchen, um dann ausgeruht auf das Oktoberfest in Swakopmund zu gehen. Mal schauen, wie die Namibier das feiern und warum?

Der Ort des Geschehens liegt in der Fußgängerzone und dauert einen Samstagnachmittag lang. Es wird Obatzter, Weißwürste, Bretzeln und anderes Wohlbekanntes angeboten, ebenso wie live-Musik (aber nur englische Songs)und Bierseligkeit. Sogar Dirndl und Lederhosen tauchen auf. Alles wirkt wie ein Straßenfest in einer deutschstämmigen Enklave, die die Erinnerung an ihre Abstammung zu bewahren versucht. Vielleicht ist es ja auch so.

Abends essen wir wieder gemeinsam, aber diesmal im Western Saloon.

Tages KM heute: motorradfrei

Sonntag, 20.10.2013
Heute Morgen hat Andy Unterstützung. Seine 9jährige Tochter Anna hilft ihm, die Motorradketten zu schmieren und den Jeep aufzuräumen. Die beiden wirken wie ein eingespieltes Team, doch die Aktion heute sei Premiere, meint der stolze Vater.

Als alle Mopeds vom Hof gefahren sind, bringen wir Anna mit dem Jeep nach Hause, bevor wir uns wieder hinter die Motorradtruppe hängen.

Das nächste Ziel heißt Cape Cross Seal. Dort leben an der Küste 80.000 – 100.000 Ohrenrobben die größte Kolonie weltweit. Allerdings verbreiten deren Ausscheidungen und verwesende Tierkadaver einen eindringlichen Gestank. Somit fällt dieser Stopp nicht übermäßig lang aus uns wir fahren die Salzstraße weiter, insgesamt 150 km.

Über die D 2303 fahren wir von der 18° C kühlen Küste wieder in Richtung Landesinnere, wo uns wieder bis zu 30° C erwarten.  Die Sicht auf das Goboboseb-Gebirge und später auf den imposanten Brandberg bieten eine angenehme Abwechslung in der kargen Landschaft. Der Brandberg ist mit seinen 2.500 Metern die höchste Erhebung Namibias und sein roter Granit lässt ihn besonders im Licht der untergehenden Sonne in Flammen erscheinen.

In dieser kargen Landschaft sind besondere Überlebenskünstler zu Hause. Der Welwitschia Mirabilis ist eigentlich ein Baum, der am Boden in die Breite wächst. Sein Vorkommen beschränkt sich auf Höhen zwischen 600 und 800 Metern und er scheint ohne Wasser auskommen zu können. Dafür wächst es nur 10 cm – pro 100 Jahre. Um seine beachtlichen Größen zu erreichen, wie wir sie ansatzweise auch gefunden haben, lässt er sich bis zu 2.500 Jahre Zeit.

Weitere Überlebenskünstler haben sich einen Wasserspeicher und eine Schutzhülle zugelegt. Ihre Energie müssen sie aber trotzdem regelmäßig auffüllen und wenn unterwegs etwas kaputt geht, ist Andy schon zur Stelle. Diesmal hat es Klaus Vorderrad erwischt. Doch innerhalb einer viertel Stunde ist der Schlauch des Reifens gewechselt und es geht wieder weiter.

Unsere heutige Lodge ist das „White Lady Guest House“ in Uis. Wir haben sie „Dackelfarm“ getauft, weil von diesen kurzbeinigen Hunden doch eine stattliche Anzahl anzutreffen war.

Das Abendessen war wieder super lecker. Und die Getränke? Nun seit unserer Ankunft kreist so eine Flasche Whisky in der Gruppe, oder waren es zwei? Mangels Whiskygläser wird dieser goldgelbe Saft entweder direkt aus der Flasche getrunken oder in Weingläsern kredenzt. Sieht dann aus wie Weißwein, schmeckt nur anders. Aber ab einem gewissen Pegel, könnte man so ein gefülltes Glas auch leicht mit „namibischem Weißwein“ verwechseln. Blöd, dass diese Sorte Wein so schnell die „Lampe brennen“ lässt. Das Ende vom Lied: Filmriss. Aber wie bei der Bundeswehr so lautet auch bei uns das Motto: keiner wird zurückgelassen. Der Betroffene wird zu Bett gebracht und Zähneputzen fällt halt aus. Na dann, gute Nacht.

Tages KM: 322

Montag, 21.10.2013
Für 5 Leute aus unserer Truppe bietet sich die Gelegenheit, mit dem Lodgebesitzer Karl eine Runde mit dem Hydrokopter zu fliegen. Da er immer nur eine Person mitnehmen kann, fliegt er die Passagiere der Reihe nach, beginnend bei Sonnenaufgang. Für Frühaufsteher ist das kein Problem, aber Berthold und ich bleiben lieber etwas länger liegen. Die Film- und Fotoaufnahmen, die in der Luft entstehen sind schon beeindruckend. Man sieht das Land mal aus einer anderen Perspektive.

Doch was auch sofort auffällt: trotz der frühen Tageszeit sind keine Tiere zu sehen. Karl liefert die Erklärung und wirkt dabei selbst verärgert. Das Land gehört dem Staat und dieser bestimmt die Abschussquoten. Diese seien zu hoch angesetzt, so dass man mit der übermäßigen Jagd alle Tiere entweder abgeschossen oder vertrieben habe. Für den Tourismus, von dem Karl lebt, ist das sehr negativ …

Von Uis aus führt unsere Tour über die C 35 und später die D 2612 weiter Richtung Norden bis nach Twyfelfontein.

Die ca. 140 km sind bis mittags trotz großer Hitze gut bewältigt und wir kehren in die Twyfelfontein Country Lodge ein. Im Garten dieser Lodge können wir einige der berühmten 5.000 Jahre alten Felsgravuren der Ur-Ur-Buschmänner besichtigen. Danach nehmen wir gerne einen Mittagssnack und ein kühles Getränk im Hotel-Restaurant ein.

Dieses Hotel verfügt über 56 Doppelzimmer und einen Pool – mitten in der Wüste. Es fügt sich zwar architektonisch hervorragend in die Landschaft ein, doch als Andy über die Überdimensionalität und den hohen Wasserverbrauch schimpft, sehe auch ich mich in meiner Einschätzung bestätigt: bei diesem Hotelprojekt sind scheinbar Umweltaspekte auf der Strecke geblieben. Denn die Hotel-Brunnen müssen sehr tief gebohrt werden, ohne Kenntnis, was durch die Wasserentnahme im Lauf der Zeit angerichtet wird. Aber irgendwoher muss der Spruch ja kommen: „Anderen das Wasser abgraben“.

Namibia  Berge, Wüsten, weite Ebenen Teil 4: Tour 9: 360 km. Swakopmund, Salzstraße, Henties Bay, Cape Cross, Robbenkolonie, anspruchsvolle Strecke Richtung Brandberg. Uis White Lady B&B. Tour 10: Hydrokopter Rundflüge, 265 km über schöne Strecke nach Twyfelfontaine, 5000 Jahre alte Steingravuren, Pillar of Rock, Palmwag, Palmwag Lodge. Tour 11: 285 km Grootberg Pass 1540 m, Kamanjab, viele Tierbegegnungen. Giraffen, Esel, Warzenschweine. Etosha Safari Camp.

Wir setzen unseren Weg über die C 39 Richtung Palmwag fort. Bei der Huab Flussüberquerung entdeckt Andy frische Elefantenspuren. Ich lerne, dass die Spitze der Fußspuren in die Richtung zeigt, in die der Elefant gelaufen ist. Für heute heißt das: am Huab-Fluss entlang. Kurzerhand folgt der Jeep der Fährte und es entsteht bei uns so etwas wie Jagdfieber. Der Holperpfad führt in Bachauen mit grünem Ufer und einer Lebensfülle, die einem Naturfreund das Herz aufgehen lässt. Doch nach ca 10 km brechen wir ab, ohne den Elefanten gesehen zu haben. Als wir auf der Straße zurück sind, gibt Andy Gas um wieder die Motorradgruppe zu erreichen

5 km nach dem Abzweig auf die C 43 erreichen wir die Palmwag Lodge. Die dortigen Wasserstellen locken oft Zebras und Elefanten an. Leider sind sie heute Abend woanders. Aber die tierreichen Nationalparks stehen uns ja noch bevor und so genießen wir die Anlage, die Bar und das gute Essen.

Tages KM: 257

Dienstag, 22.10.2013
Wer morgens zeitig auf den Beinen ist, kann die Zebras beobachten. Da ich als bekennende Langschläferin nicht dazu gehöre, genieße ich später die Berichte und Aufnahmen der anderen Gruppenmitglieder.

Um 9:00 Uhr starten wir bei angenehmen 20° C auf der C 40 Richtung Grootberg. Auf dem Weg dorthin sehen wir wieder jede Menge Wild: Giraffen, Zebras, Kudus und den ersten Elefanten außerhalb eines Naturschutzgebiets. Wow, beeindruckend!

Auf dem Grootbergpass winkt aufgeregt ein Einheimischer. Andy kennt ihn und hält an. Ein Wüstenlöwe hat wohl in der Nacht ein Rind gerissen, genau hier in der Nähe der Grootberg Lodge. Als Einheimische das entdeckt haben, wurde der Löwe sofort verscheucht. Am liebsten würden sie ihn töten, da er nun gelernt hat, wie leicht ein Rind zu erbeuten ist. Doch wo ist das Rind geblieben? Wir sehen nur die Blutspuren. Die Einheimischen haben es schon abtransportiert. Wem es gehöre? Man weiß es noch nicht. Na prima, der Mensch klaut sich die erlegte Beute und der Löwe soll dafür getötet werden.
Andy ist aktiv in der Desert-Lion-Conservation (DLC), denn die Population der Wüstenlöwen ist sehr niedrig. Es handelt sich hier um eine eigene Löwenart, die relativ klein ist und mehrere Tage ohne Wasser auskommt, ohne Futter sowieso. Andy informiert die DLC, die versuchen wird, den Löwen zu retten. Wenn bekannt ist, wem das Rind gehört wird sie versuchen, den Schaden zu ersetzen. Dann bleibt dem Löwen eine Chance …

Die C 35 führt uns zur Tank- und Mittagsrast nach Kamanjab. Manuels Sturz hat nun doch einen Defekt verursacht, der erst durch die Ruckelpisten zum Vorschein getreten ist: der Auspufftopf ist lose. Andy prüft den Schaden und improvisiert eine Befestigung.

Unterwegs sehen wir 2 afrikanische Habichtsadler. Leider kann meine Kamera sie nicht einfangen.

Dafür macht der Jeep wieder Mucken. Andy hatte schon in Swakopmund den Dieselfilter gereinigt, doch nun verliert der Motor immer wieder mal Leistung. Unser Allround-Tourenguide will sich das auf der Lodge anschauen. Doch es soll anders kommen als geplant.

Wir erreichen das Etosha Safari Camp, nach dem wechseln von Berti´s zweitem Plattfuß relativ früh, doch heute klappt es nicht mehr mit der Safari, dafür werden wir morgen früher starten.

Tages KM: 287

Mittwoch, 23.10.2013
Okay, heute stehen 2 Safaris auf dem Programm, was wiederum bedeutet: früh aufstehen! Um 5:25 geht der Wecker. Die Abfahrt nach Etosha beginnt um kurz nach 7 Uhr, denn wir sollen bis um 11 Uhr zurück sein.

Wir sehen Löwen, Giraffen, Gnus, Oryx, Springböcke, Impalas, Nashörner, Zebras, Schakale, Tokos, Elefanten, und vieles mehr. Allerdings sind die Tiere an das begafft werden offenbar gewöhnt, denn sie sind wenig scheu. Das ermöglicht einerseits wunderbare Großaufnahmen, hat aber andererseits Zoo-Charakter. Ein weiterer Grund ist sicherlich in der großen Trockenheit zu sehen, weil dann alle Tiere gezwungen sind, zu den permanenten Wasserlöchern zum Trinken zu kommen.

Die Rückkehr zur Lodge erfolgt erst um 12:10 Uhr, was unseren Zeitplan ordentlich stresst – und unseren Tourengide. Sein Gesicht spricht Bände. Er sitzt seit 11:00 Uhr auf heißen Kohlen, denn das Zeitfenster bis nach Mount Etjo ist eng und es liegen noch 217 km dazwischen.

Andy selbst hatte die Zeit bis 11:00 Uhr genutzt, um alle Motorräder durchzuchecken. Dabei hat er bei der Maschine von Matthias einen Kabelbruch festgestellt, den der Biker selbst noch nicht bemerkt hatte. Ergo hat unser Mechaniker die Maschine zerlegt und repariert. Zum verabredeten Zeitpunkt war er zwar mit den Motorrädern fertig, allerdings  war keine Zeit mehr, um den Jeep zu prüfen – jedenfalls wenn wir pünktlich zurück gekommen wären …

 

Wir schrubben die Kilometer ab, doch der Jeep muckt immer schlimmer. Bei Höchstgeschwindigkeiten von nur noch 80 km/h (Tendenz fallend) haben wir zunehmend Probleme, die Hügel hoch zu kommen. Im Geiste sehe ich mich schon Jeep schieben oder laufen (Warum kann ich diesen Worst-Case-Schalter im Hirn nicht einfach abschalten?). Dafür bleibt der Jeep-Fahrer zuversichtlich.

Als wir um 16:00 Uhr auf der Mount Etjo Safari Lodge eintreffen, warten schon Willkommenskaffee und –kuchen auf uns. Leider startet die Safari gleich und so verzichte ich darauf.

Als ich in unser Zimmer komme, das eigentlich eine Fürstensuite ist, haut es mich glatt um. So viel Platz und geschmackvolle Einrichtung habe ich noch nie im Urlaub genießen können. Mein spontaner Impuls wünscht sich, hier noch ein paar Tage zu bleiben. Auch die Lodge-Anlage finde ich wunderschön. Mit dem See, mit dem vielen Grün und den Tieren wirkt es beinahe so, als wenn man den Tierpark direkt vor der Zimmertür hätte. Ein bisschen ist es auch so. Als wir um 16:30 Uhr in den Safari-Bus steigen, umrundet er den See und das Abenteuer Fotojagd geht los.

Der ganze Park wirkt mit seinem dichten Buschwerk viel natürlicher als der Etosha Park und die zahlreichen Wildtiere haben noch einen natürlichen Respekt vor dem Menschen. Man muss sie zwar suchen, aber es macht mehr Spaß als im Zoo. Es gibt hier viel mehr Antilopenarten, als wir bisher auf der ganzen Tour gesehen haben. Giraffen, Zebras und Warzenschweine begegnen uns zu Hauf, doch unser Fahrer steuer die Wasserlöcher an und dort stehen sie: die Breitmaul-Nashörner. Als wenn sie sich ihrer Größe und Wehrhaftigkeit bewusst wären, lassen sie uns nahe herankommen. Zwei junge Bullen scheinen sogar neugierig auf uns zu sein, denn sie kommen sogar noch ein paar Schritte auf uns zu.

Auf besonderen Wunsch von Astrid macht sich unser Guide auf die Suche nach Elefanten. Er funkt mit anderen Parkaufsehern und bekommt einen Tipp. Tatsächlich finden wir daraufhin die Dickhäuter. Es ist eine Gruppe mit Jungen. Der Fahrer tastet sich langsam und geduldig immer noch etwas näher, bis uns eine der Kühe zeigt, dass es jetzt genug ist. Er stoppt, doch die Elefantengruppe hat genug von uns und verschwindet im Dickicht.

Die tief stehende Sonne mahnt zur Umkehr, denn die Sicht lässt nach. Warum unser Fahrer das Fahrlicht nicht einschaltet und wie er im Dunkeln die schwierig zu befahrenden Trampelpfade findet, bleibt sein Geheimnis, aber wir sind alle wohlbehalten und voll von wunderbaren Eindrücken um 19:30 Uhr zurück in der Lodge.

Ein wunderbares Abendessen beschließt diesen ereignisreichen und unvergesslichen Tag.

Tages KM: 217

Donnerstag, 24.10.2013
Vielleicht sollte ich mit meinen spontanen Wünschen zukünftig überlegter umgehen? Denn kaum wünsche ich mir, länger zu bleiben, schon springt der Jeep nicht mehr an. Andy versucht schon den ganzen Morgen, das Fahrzeug wieder zu fahrbar zu machen (und Andy ist Frühaufsteher!), doch außer der Gewissheit, wie Diesel schmeckt und dass die Dieselpumpe kaputt ist, hat er noch nichts erreicht. Er sagt in der Windhoek Mountain Lodge Bescheid, damit ein Fahrzeug zu uns kommt, doch der Techniker Rainer ist unterwegs. Das kann dauern.

Unterdessen sollen die Biker in 2er- oder 3er-Gruppen starten, von denen mindestens einer ein funktionierendes Handy dabei hat. Im Falle einer Panne oder Unfalls soll in jedem Fall Andy verständigt werden. Und tatsächlich, es dauert nur kurze Zeit, bis sein Handy klingelt. Björn hat nach 41 km einen Platten gefahren und kann mit seiner Maschine nicht mehr weiter. Berthold und Klaus bleiben bei ihm und warten gemeinsam auf Hilfe. So werden eine bunte Grille und ein skelettierter Rinderschädel gefunden. Als die Wartezeit immer länger wird, entwickeln die Jungs die internationale namibische Steinzeitboule-Meisterschaft.

Gleichzeitig darf Andy in der Lodge-eigenen Werkstatt nach Ersatzteilen suchen. Er kommt ewig nicht wieder und ich habe Zeit, die Flusspferde und Flamingos auf dem Lodge-Gelände aufzunehmen. Dann kommt der Durchbruch: Andy hat einen kleinen Elektromotor gefunden, den er provisorisch zur Dieselpumpe umfunktioniert und tatsächlich lässt sich der Jeep um 10:45 Uhr starten.

Andy gibt die Neuigkeit in der Mountain Lodge durch so dass der inzwischen eingetroffene Rainer den Hänger dort lassen kann. Er fährt den durch das Gebirge fahrenden Bikern entgegen und kann notfalls helfen.

Wir fahren jetzt flugs zu der liegengebliebenen Biker-Truppe. An der T-Kreuzung der D 2329, die Richtung Omaruru führt, treffen wir um 11:20 Uhr endlich bei den Jungs ein.

Berti hat gerade die Boule-Meisterschaft gewonnen und strahlt, trotz 36° C. Überhaupt ist die Stimmung ganz ausgelassen, die Kerle hatten wohl trotzallem ihren Spaß.

Namibia  Berge, Wüsten, weite Ebenen Teil 5  Tour 12: Etosha Safari Park (Safari Tour), 218 km Richtung Süden über Outjo zur Mout Etjo Safari Lodge. (Safari Tour). Tour 13: 385 km D2329 Int. namibische Meisterschaft im Steinzeit Boule, Omaruru, Wilhelmstal, Okahandja, Windhoek, Windhoek Mountain Lodge. Tour 14: Stadtbesichtigung Windhoek, Rückflug Frankfurt.

Nachdem Björns Hinterrad wieder fit gemacht ist, fahren alle weiter bis nach Wilhelmstal. Dort ist der Treffpunkt mit Rainer von Gravel Travel vereinbart. Sein kleiner Terrier Socke ist auch mit gekommen und begrüßt Andy überschwänglich. Es wird beratschlagt, wie es weiter geht. Die 7 vorausfahrenden Motorräder haben die längere Bergroute genommen, die dafür landschaftlich sehr schön sein soll. Doch ob unser notdürftig geflickter Jeep diese holprigere Strecke durchhält, vermag niemand zu prophezeien. Deshalb wird Rainer mit seinem Fahrzeug den Bikern folgen, um ihnen bei etwaigen Pannen weiter zu helfen. Andy wird den Jeep über die asphaltierte B 2 und später B 1 wieder zurück zur Windhoek Mountain Lodge fahren. Die Strecke ist nicht nur kürzer, sondern auch gut ausgebaut.

Und was machen unsere Boule-Spieler? Berthold schließt sich dem Jeep an, weil die Knieschmerzen immer schlimmer werden. Björn und Klaus schließen sich an in der Hoffnung, VOR den anderen im Camp anzukommen. Sie malen sich wie bei dem Hasen und dem Igel überraschte Gesichter aus …

Die restliche Rückfahrt ist unspektakulär. Keine Pannen säumen unseren Weg. Auf der Lodge gibt es erst mal etwas Kühles zu trinken.

Zum Sonnenuntergang lädt Ralf die ganze Truppe zu einem Sundowner auf die nahe gelegene Anhöhe oberhalb des Wasserreservoirs ein. Es ist der letzte gemeinsame Abend. Das sich anschließende Buschmann-Fondue schmeckt wieder ausgezeichnet.

Am späteren Abend wollen Gabi, unser Freund Rainer und ich hinaus in die Dunkelheit zum Sternegucken unter dem berühmten afrikanischen Himmel. Allein die nahe gelegenen Ortschaften und eine beleuchtete Straße leuchten immer noch zu stark. Unterwegs auf unserer Tour war es der Vollmond, der uns in abgelegenen Gebieten diesen Anblick verhinderte. Wie weit Licht doch strahlt. Dafür sehen wir 3 Sternschnuppen und jede/r von uns kann sich etwas wünschen.

Gegen 21:30 Uhr treten wir den kurzen Rückweg an und sind mehr als erstaunt, als wir auf Fort Knox treffen. Zum ersten Mal fällt mir auf, dass die gesamte Windhoek Mountain Lodge mit einem mind. 2,50 m hohen stabilen Elektrozaun umgeben ist, der nirgends eine Durchschlupf-Chance bietet. Das Tor selbst ist mit einem massiven Vorhängeschloss gesichert und ein Übersteigen aufgrund einer Kombination von Stromleitungen und Stacheldraht nicht möglich. So sicher, wie die Menschen innerhalb der Lodge sind, so sicher bleiben wir 3 Pechvögel draußen. Was nun? Rainer schlägt vor, zu rufen. Wir einigen uns auf einen „Andy“-Ruf. Mehrere Versuche, nix passiert. Dann versuchen wir es mit „Berthold“-Rufe. Damit haben wir Erfolg. Berthold bemerkt, dass etwas nicht stimmt und gibt Bescheid. Ein Bediensteter der Lodge kommt dann zum Tor gelaufen und lässt uns ein. Uff, wir sind vor einer unfreiwilligen Camping-Nacht gerettet. Dank an meinen aufmerksamen Berti! Mit diesem kleinen Ausflug sorgten wir wenigstens für eine Bespaßung der ganzen Truppe. Na, wenn´s sonst keiner übernimmt …

Auf den Schreck noch einen Absacker und dann ab in die Falle.

Tages KM: 350

Freitag, 25.10.2013
Der letzte Tag in Namibia ist angebrochen. Da unser Flug erst abends geht, unternimmt ein Teil unserer Gruppe noch eine Windhoek Besichtigungstour. Wie in jeder Hauptstadt herrscht auch hier geschäftiges Treiben. Viele Shopping-Malls versuchen die offensichtlich wohlhabende Kundschaft zum Konsum zu verlocken. Uns begegnet sogar der erste geschmückte Weihnachtsbaum gigantischen Ausmaßes. Auch wir tätigen noch ein paar Einkäufe, Souvenirs für uns und die Lieben zu Hause und Hustenstiller für Berti.

Zur vereinbarten Zeit treffen wir uns für die Rückkehr zur Lodge am Parkplatz, noch ein bisschen Sightseeing inklusive.

Während der restlichen Wartezeit bis zum Flughafentransfer macht sich bei mir ein bisschen Wehmut breit. Ein paar von uns bleiben noch eins, zwei Tage, andere reisen sogar weiter.

Andy fährt uns Abreisende samt Gepäck zum Flughafen. Um 21:35 Uhr starten wir gen Heimat. Die Nacht wird wieder unruhig, doch die gewonnene Urlaubsgelassenheit lässt das alles verschmerzen.

Samstag, 26.10.2013
Um kurz vor 8:00 Uhr landen wir wieder in Frankfurt. Rainer, Berthold und ich werden von Rainers ältestem Sohn abgeholt. Danke nochmals an dieser Stelle.

Nun heißt es endgültig Abschied nehmen von lieben Weggefährten, die mit dem Zug weiterreisen müssen. „In Kontakt bleiben“, lautet die Devise und Aufnahmen sowie Erinnerungen austauschen, vielleicht sogar Neuigkeiten.

Außerhalb des Flughafens herrscht Nieselregen und alles ist grau. Die Wehmut wächst. Was haben wir für ein wunderschönes Land zurück gelassen.

Auf die Frage, ob ich umsiedeln wolle, kann ich überraschend schnell antworten:
Namibia zum Leben – Nein!
Aber zum Erleben – ja gerne, sofort und immer wieder.


Motorrad-KM in Namibia: 3.966

P.S.: Wer sich fragt, wo im Tagebuch die Weite geblieben ist, die im Titel angekündigt wurde, die ist einfach unbeschreiblich. Deshalb einfach Film und Fotos anschauen, dann werdet Ihr verstehen …

Zur Fotogalerie Namibia 2013

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