Sardinien 2010

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Sardinien 2010

Tagebuch einer Sardinienreise mit 2 Motorrädern (zur falschen Jahreszeit)

Samstag, 26. Juni 2010
Wir beginnen den Tag mit ausschlafen! Oh wie herrlich, frühstücken und alles fertig machen ganz in Ruhe (man merkt doch, dass wir älter werden).
Abfahrt: 12:20 h ab der Tanke vorm Haus bei angenehmen 24° C in Richtung Süden.
Tagesleistung: ca. 430 km
Tageshöchstwerte: heiße 30° C auf der AB

Die Zimmersuche beginnen wir um 17:30 h in der Schweiz, am Sempacher See, wegen des idyllischen Seeblicks. Doch was ist das? Die Altstadt ist abgesperrt, ganz Sempach feiert und im ganzen Ort ist kein einziges Zimmer mehr zu bekommenL. Im Nachbarort Eich gäbe es ein großes Hotel, da hätten wir sicher gute Chancen. … Doch das Hotel Sonne, direkt am See gelegen, ist leider ausgebucht. Als Berthold die Preisliste studiert, sind wir jedoch wieder ganz froh: zwischen 147 und 214 € kostet ein Doppelzimmer. Ein weiteres Hotel gäbe es im Nachbarort Vogelsang … Hochzeit – ausgebucht. In Beromünster gibt es doch tatsächlich Hotelferien in der Hauptsaison (?) und in Kirschbühl ist das Hotel Hirschen – na was wohl? Richtig, ausgebucht. In Neudorf finden wir zwar freie Zimmer, aber nur mit Frühstück und mitten in der Pampa, also absolut nix zu essen in der Umgebung. Ordentlich verschwitzt und frustriert überlege ich schon, ob unsere Packung Tuc-Kekse und der Wasservorrat, den wir dabei haben wohl reicht für einen Diättag? Doch mein Schatzi gibt nicht auf. Um 19:00 h erreichen wir das Gasthaus zum Roten Löwen und auf unsere Frage hören wir: „Selbstverständlich haben wir Zimmer.“ Ha, ha, ha, „selbstverständlich“ sagt er, ich weiß nicht ob ich lachen oder ein Dankgebet sprechen soll. Zimmerpreis: 150 SFr oder 100 €, egal, Kirche direkt neben dem Gasthaus, egal (zum Glück ruht die Glocke nachts). Uff!!!

Ein kleiner Muntermacher am Abend gefällig? Kein Problem für Jutta. Schnell lasse ich mal den Zimmerschlüssel verschwinden. Doch wohin? Er ist definitiv nicht mehr auf dem Tisch, auch nicht unter den Servietten oder in meiner Handtasche. Berti durchforstet seine Hosentaschen, wir suchen beide unter dem Tisch, zwischen den Sitzpolstern, am Hoteltresen, nichts! Berthold beschäftigt mittlerweile eine Kellnerin und einen Kellner mit der Suche … Panik, Diebe, die gerade unser Zimmer ausräumen? Oh, was hat Jutta denn in ihrer Hosentasche? Den Schlüssel, das Schussel! Automatisch eingesteckt, wie ich das auch immer mit dem Mopedschlüssel mache, nur registriere ich es schon nicht mehr. Oder vielleicht doch Alzheimer? Fortsetzung folgt …

Sonntag, 27. Juni 2010
Abfahrt: 10:30 h. Die für mich immer wieder schönste Autobahn der Welt ist die A 2 in der Schweiz. Sie durchpflügt die malerischen Berge, trifft auf wunderschöne Seen und kürzt durch Tunnels ab. Der einzige Tunnel, den ich nicht mag, ist der 17 km lange Gotthardtunnel. Der ist immer heiß. Wir passieren ihn bei bis zu 36° C, im Schatten versteht sich.
Kurz vor dem Tunnel ist das Navi out of order, hat keinen Saft mehr, macht die Gretsche, Nullinger, … Sein Kabel steckt zwar in der Ladebuchse der 800er GS, doch irgendetwas verhindert das Aufladen. Über Funk verabreden wir einen Stopp auf dem nächsten Parkplatz nach dem Tunnel, entweder zum Straßenkarten kaufen oder zum erfolgreichen Reparieren. Nun, wer Berti kennt, weiß, dass er der Zauberer von Oz ist. Er erkennt sogleich, dass eine Zugentlastung gerissen ist und bastelt mit einfachstem Werkzeug eine Notlösung, die funktioniert (im Laufe der Tour wird uns dieser Defekt noch einige Male beschäftigen, also in erster Linie Berthold beschäftigen).

Nach diesem Erfolgserlebnis streben wir nach Höherem: kein Tanken mehr in der teuren Schweiz, sondern erst wieder im deutlich günstigeren Italien. Strecke ca. 150 km, die Restreichweite meiner 650er GS behauptet, noch 188 km zu schaffen, doch kurz nach der Pause sind es dann plötzlich nur noch 169 km. Na ja, sollte trotzdem reichen. Doch beim Grenzübergang bei Chiasso gab es trotz eines „T“-Schildes keine Tanke. (Später merkten wir, dass die Tankstellen an den italienischen Autobahnen „Servicio“ heißen und das „T“ für Tabacco steht.)
Was tun? Es blieb uns nur weiter zu fahren und eine Tanke zu suchen; doch so´n Mist, die Autobahn erstreckt sich weiter in die Berge, in Natur pur, ein Tunnel nach dem anderen und bergauf! Da passiert´s: meine 650er GS hat einen plötzlichen Leistungsabfall (typisch für Spritnot) mitten im Tunnel ohne Seitenstreifen. Ich gebe meine Not Berti über Funk durch, da zieht meine Maschine plötzlich wieder an. Gott sei Dank, eine kurze Galgenfrist, denke ich mir. Doch es ist keine Tanke, Ausfahrt oder sonstige Zivilisation in Sicht. Und mein Schatz wird auch gleich stehen bleiben, denn seine Restkilometeranzeige lag um 20 km noch unter meiner. Da, der 2. Leistungsabfall. Ich funke es wieder durch. Negative Gedanken jagen durch mein Hirn: jetzt bleibt sie mir bestimmt stehen und immer noch kein Seiterstreifen. Ohne Benzin auf der Autobahn liegen zu bleiben kostet bei uns in Deutschland Strafe. Wie wird das in Italien sein? Und wenn Berthold auch gleich stehen bleibt, wie holen wir dann Sprit? Wenn uns niemand hilft, müssen wir laufen. Kriegen wir dann die Fähre noch? Da zieht sie noch mal an. Uff, es geht weiter. Der 3. Leistungsabfall, der 4., ich funke es nicht mehr, denn Berti kann mir nicht helfen und eine Tanke suchen wir ja schon. Sofort sind die negativen Gedanken wieder da: the same procedure as last time, nur schlimmer. Der 5. Leistungsabfall, der 6., 7., 8., 9. Sie kommen in immer kürzeren Abständen und endlich kommt eine Ausfahrt. Im Kreisel hinter der Ausfahrt geht meine Maschine aus. Ich ziehe die Kupplung, um den restlichen Schwung auszunutzen und schalte die Warnblinker an. Berti gebe ich´s über Funk durch. Der parkt sein Moped hinter dem Kreisel und läuft mir entgegen, um mir zu helfen, meine Maschine die restlichen Meter aus dem Kreisel zu schieben. Die anderen Autofahrer fahren rücksichtsvoll langsam und halten Abstand. Erst jetzt sehe ich, dass Berthold an einer Automaten-Tankstelle parkt, direkt hinter dem Kreisel. Wie hat er die da hingezaubert, mein Zauberer von Oz? Ich bin gleichermaßen erleichtert, aber auch gestresst und verschwitzt.

Endlich erreichen wir Genua und suchen in der wunderschönen Altstadt ein Lokal, das das WM - Achtelfinale Deutschland gegen England überträgt. Doch was ist mit den fußballbegeisterten Italienern passiert? Nirgends läuft das Spiel. Ob sie wohl schmollen, weil sie schon im Vorrundenspiel rausgeflogen sind? Ein liebenswürdiger Italiener bestätigt unsere Vermutungen: sie lecken noch ihre Wunden.
Verschwitzt irren wir durch die Straßen und haben die Hoffnung, wenigstens die 2. Halbzeit noch zu sehen, schon aufgegeben. Da zaubert mein Berti wieder: er zaubert das Münchner Hofbräuhaus nach Genua mit 3 Großbildfernsehern, die das Spiel übertragen nebst einer freundlichen Bedienung, die auch noch deutsch spricht. Und dann gewinnen wir auch noch 4 : 1 bei einem leckeren Dunkelbier.
In Genua gibt es wirklich ein Lokal, das sich Münchner Hofbräuhaus nennt und alles bietet, was dazu gehört. Wenn das nicht Zauberei ist!!!

Danach wird´s wieder kompliziert. Erst finden wir die Straße nicht mehr, in der wir unsere Mopeds geparkt hatten (Alzheimer?), dann finden wir keine Speiselokale auf dem Weg zur Fähre und auch die Einfahrt in den Fährbereich müssen wir suchen. Dafür bietet dieser Fährhafen Warteschlangen bis zum Abwinken mit entsprechendem stop and go bis zum Einchecken. Wer Moped fährt, weiß wie viel Laune das macht …
Auf dem Schiff geht es ähnlich weiter. Die unterschiedlichen Ausbuchtungen und Rohrsysteme an der Schiffswand bieten unterschiedliche Räume, um Motorräder festzuzurren. Bertholds zugewiesener Parkplatz passt weder der hohen Scheibe noch dem linken Außenspiegel. Er schiebt sie nicht zu dicht an die Wand, aber hievt sie dafür mit samt den Koffern auf den Hauptständer und hofft, dass das meckernde Fährpersonal die Finger von seiner Maschine lässt.
Der Rest des Abends ist schnell erzählt: Kabine suchen, trinken, essen suchen, Warteschlange anstellen, essen und trinken, Schiffsrundgang, trinken, Tagebuch schreiben, trinken, umfallen und tot.

Montag, 28. Juni 2010
7:20 h Das Wecken auf Fähren erfolgt normalerweise über Lautsprecher oder selbsteinschaltendem Radio. Doch diesmal ist es anders: der Stuart reißt unsere Tür auf und steckt seinen Kopf mit
einem Buon giorno!“in unsere Kabine. Gut, dass wir nicht gerade nackt in der Kabine rumgehüpft sind oder mit noch Intimerem beschäftigt waren! Wir liegen noch eingemummelt in unseren Kojen. In immer kürzeren Abständen klopft der Stuart an die Tür. Doch die recht laute, scheppernde und schlaflose Nacht verlangsamt unsere Reaktionen. Bis wir endlich die Kabine räumen, ist in unserer Nachbarschaft schon wieder alles für die nächsten Passagiere hergerichtet.

Im Schweiße unseres Angesichts schlängeln wir uns zu unseren Fahrzeugen durch. Wie befürchtet haben die Moby Lines Nichtswisser Bertholds Motorrad auf dem Hauptständer so dicht an die Wandrohre gewuchtet, dass die Maschine festklemmt. Ein normales Runterheben ist nicht möglich. Zu Zweit heben, wuchten und stemmen wir, bis die GS 800 wieder frei ist. Jetzt nix wie weg. Die Blessuren am Außenspiegel und Koffer nimmt Berti schwitzend und grummelnd aber notgedrungen hin.

Um 8:45 h verlassen wir endlich die Fähre bei Porto Torres und bei 23° C. 165 km liegen heute vor uns bei bis zu 30° C.

Auf dem Weg zu unserem Quartier machen wir Halt in dem malerischen Alghero. Wir betrachten die Altstadt, die Kirche und nehmen einen Eiscafe. Danach nehmen wir die Küstenstraße in Richtung Bosa und Oristiano. Die Küste mit ihren gewundenen Straßen, Stränden und Klippen sind traumhaft schön, doch die jetzt schon verdörrte Vegetation wirkt gleichzeitig traurig. Der Reiseführer erklärt uns warum:
der von Frankreich kommende Mistralwind ist schuld, er kommt trocken daher und dörrt die Landschaft aus.

Um kurz nach 14:00 h kommen wir durchgeschwitzt in Terralba an. Hier haben wir ein Bed & Breakfast für 5 Nächte gebucht. Doch unter der eingespeicherten Adresse ist es nicht zu finden, auch nicht unser Vermieter Marcello Trudi. So suchen wir die Namensschilder in der Straße ab, doch auch hier gibt es Fehlanzeige. Berti befürchtet schon, einem Trickbetrüger aufgesessen zu sein, denn eine Anzahlung von 75,- € mussten wir schon entrichten. Was nun? Meine bessere Hälfte klingelt kurzerhand bei Anwohnern und fragt ob sie Marcello Trudi kennen. Überraschenderweise kennt ihn jede Nachbarin, doch hinlotsen klappt nicht, denn wir sprechen kein Italienisch und das kleine Wörterbuch haben wir leider zu Hause vergessen. Eine mitfühlende Seele, die uns jedoch nicht auf ihr Grundstück lässt, telefoniert in unserem Beisein unseren Vermieter herbei. Innerhalb von einer Minute kreuzt er in einem schwarzen Jaguar (2,7 Liter-Maschine) auf. Wir folgen ihm in flottem Tempo durch den halben Ort bis zu unserer Unterkunft. Sie liegt direkt an der Hauptstraße und im 2. Stock über einer Bar. Dort werden wir jeden Abend unseren Absacker nehmen und jedem Morgen unser Frühstück, bestehend aus einem Cappucino und einem gefüllten Hörnchen, 5 Tage lang.
Unser Zimmer ist recht schön und schön warm. Statt schwimmen zu gehen, schlafen wir erschöpft auf unserem Bett ein, der Tribut der Hitze und der letzten Nacht.

Abends gehen wir in den Ort und werden Zeuge einer kirchlichen Prozession. Einige Straßen sind abgesperrt, geschmückt und der halbe Ort läuft mit, manche hoch zu Ross, andere in Tracht und mehrere in Straßenkleidung. Nonnen und Mönche sind auch dabei, alle laufen in den zugehörigen Gruppen. Der andere halbe Ort steht am Straßenrand und betrachtet, wie die Heiligenfigur aus der Kirche auf den geschmückten Ochsenkarren gewuchtet wird und sich ebenfalls auf die Reise macht. Nebenan ist Kirmes. In Bayern wird das „Kirchweih“ genannt.

An diesem Abend finden wir schon unser Lieblingsrestaurant „Vesuvio“. Wir genießen leckere sardische Küche und freundliche Gastleute. Die junge Chefin entschuldigt sich beinahe jedes Mal für ihr schlechtes Englisch, holt einige Male das italienisch-englisch Wörterbuch heraus, um uns die Speisen zu erklären und fragt auch uns nach deutschen Vokabeln. Schade, dass wir dieses Lokal nicht mitsamt dem Personal als Souvenir mitnehmen können.

Video Motorradtour Sardinien 2010 Teil 1: Anfahrt nach Genua über Hildisrieden CH; Genua Altstadt, Fährhafen, Fahrszenen von Porto Torres über Alghero und Bosa nach Terralba an der Westküste.

Dienstag, 29. Juni 2010
Ein ereignisreicher Tag liegt vor uns, doch noch wissen wir es nicht …

Wir fahren an der Costa Verde durch die höchsten Dünen Europas. Über 300 m messen die höchsten von ihnen. Es sind tolle Strecken! Vorbei am Torre dei Corsari folgen wir der Piste. Ein Großteil davon auf unbefestigten Strecken: Sand, Schotter und Geröll bergauf und bergab, durch 2 Flüsschen, vorbei an einem verlassenen Minenstädtchen und Kurven ohne Ende.

An dieser Stelle sei schon gesagt, dass es auf Sardinien noch wirklich viele unbefestigte Straßen gibt, die das Herz eines jeden Enduristen höher schlagen lässt. Aber auch diejenigen, die den Asphalt bevorzugen, können unbefestigte Strecken problemlos umfahren.

Um 14:00 Uhr erreichen wir schließlich einen idyllischen Rastplatz unter hohen schattenspendenden Bäumen. Dort genießen wir allerlei Leckereien der Insel, die uns in einem Tante Emma Lädchen, das gleichzeitig auch die Bewirtung der Rastsuchenden übernimmt, geboten wird.

Video Motorradtour Sardinien 2010 Teil 2: Fahrszenen, Fahrt zur Costa Verde, Offroad Einsatz, Flußdurchfahrt, Dünendurchfahrt, ab Buggerru wieder in die Berge.

Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit wollen wir gerne die Abkürzung durch die Pampa nehmen. Dem Ruf der unberührten Natur in Richtung Sant‘Angelo folgend, biegen wir kurz vor Buggerru ab in die Botanik. Das war ein Fehler, wie wir mittendrin feststellen sollten. Doch eins nach dem anderen. Zunächst bleibt die Strecke asphaltiert und wir wundern uns schon über die Kennzeichnung im Navi. Vollbeladene LKW´s kommen uns aus einem Steinbruch entgegen. Dann kann´s ja nicht schwierig werden, denke ich. Der Asphalt endet und die anschließende unbefestigte Straße wird sehr staubig. Da ich hinten fahre, sehen ich und mein Moped bald aus wie gepudert. Die Strecke wird sandiger und die Löcher werden tiefer, die Straße dafür enger. Dafür gibt es Kurven, immer mehr Geröll und Hitze. Hin und wieder gibt es sogar eine Abzweigemöglichkeit. Für mich wird dieses „Hardcore Offroad-Abenteuer“ immer anstrengender. Nicht aber für Berti, der hat seinen Spaß.

Schließlich bleiben wir an einer Kreuzung stehen, denn das Navi gibt keine klare Auskunft und wir sind schon sehr lange unterwegs. Wie lange es noch ist, wissen wir nicht, welche der 4 Abzweigungen wir am besten nehmen sollen, auch nicht. Eine Wanderkarte ist an der Kreuzung aufgestellt. Wie steigen ab, holen unsere Straßenkarte heraus und vergleichen mit dem Wanderweg. Berthold schlägt vor, dass er eine Strecke ausprobiert und ich warten kann, bis sicher ist, ob sie die richtige ist. Kaum ist er gestartet und hinter den Büschen verschwunden, zeigt mir eine entgegenkommende Staubwolke an, dass Berthold auf dem schmalen Weg wieder ein LKW entgegen brummt. Wie beide aneinander vorbei kommen und ob der LKW-Fahrer meinen Schatz aufgrund der vielen engen Kurven überhaupt rechtzeitig sehen wird, weiß ich nicht. Ich versuche ihn anzufunken, doch er ist schon zu weit. Ich versuche mich zu beruhigen, dass Berthold die Staubwolke hoffentlich auch sehen wird, doch bietet meine Position einen viel besseren Überblick. Die große und die kleine Staubwolke treffen sich und stocken. Kurz danach kommt mir die große weiter entgegen. Uff, wenn er so schnell weiterfährt, ist wohl nichts passiert, geht mir durch den Kopf. Und ich trinke meine erste Wasserflasche leer. Der LKW-Fahrer kommt an mir vorbei, verlangsamt und fragt sinngemäß, ob alles ok sei? Freundlich nicke ich und er setzt seine Fahrt fort. Nett, finde ich das. Kurz danach kommt Berthold zurück und bestätigt seine ausprobierte Strecke. Doch er warnt mich schon vor Haarnadelkurven und sowohl vor losem als auch großem Geröll und viel Sand. Na prima, denke ich, das kann ja heiter werden. Wie lange der Weg noch dauern wird, wissen wir immer noch nicht. Doch welche Alternative gibt es? Eben, keine! Also nehme ich meinen Mut zusammen, meine durchgeschwitzte Jacke und steige wieder auf. Es geht weiter. Ich brauche meine volle Konzentration, meine restlichen Kräfte und kämpfe gegen meine Ängste an, die mir bei jeder schwierigen Stelle sofort den worst case vor meinem geistigen Auge erscheinen lassen. Prompt stürze ich in einer engen Kurve mit großem Geröll und tiefen Furchen. Danach geht nichts mehr, außer fluchen, schimpfen, schreien, heulen und einer HB-Männchen Imitation. Doch was tun, wenn ringsum nur Natur pur besteht? Berthold kann mich nicht mehr beruhigen. Er nimmt mich Häufchen Elend auf sein Moped und fährt uns die restlichen 7,2 km Schotterpiste bis zur nächsten Zivilisation. Die besteht aus einer Kneipe mit Lotto-, Toto- und Tabakverkauf kurz vor Sant‘Angelo. Hier sind alle sehr nett, doch aufgrund der Sprachbarrieren dauert es eine Weile, bis Berthold mit Händen und Füßen und Gemälden klar macht, dass er eine Fahrgelegenheit zurück zu meinem auf der Piste verbliebenem Motorrad braucht. Zunächst sagen alle, dass es dort keine Straße gäbe. Dann sagen alle, dass dort niemand fahren könne. (Was haben dann wir und die LKW-Fahrer vom ersten Teilstück gemacht?) Dann meinen alle, dass dort unser kaputtes Motorrad läge und wir einen Abschleppdienst brauchten. Irgendwann fällt mir die Vokabel „Taxi“ ein, doch das wird zunächst wörtlich genommen und ein Taxi gibt es hier nicht. Aber auf dieser Basis und mit Berti´s Malkunst begreifen die Umstehenden, was wir brauchen. Ein Barbesucher mit ein paar Bierchen intus bricht sein Automatenspiel ab und erklärt sich bereit, Berthold zurück zu meinem Moped zu fahren.

Gesagt, getan, doch die Schotterpiste ist für PKW´s denkbar ungeeignet. Büsche und Geäst schrappen an der Karosserie. Das Auto setzt das erste Mal auf. Der Fahrer gibt sich alle Mühe bei höchstens 10 km/h doch er setzt den Wagen das 2. Mal auf. Hoffentlich bleibt die Ölwanne heil und hoffentlich bleibt der Kleinwagen nicht hängen. Nach dem 3. Mal Aufsetzen und etwa 4 KM gibt Berthold dem Fahrer zu verstehen, dass er umkehren solle und Berthold den Rest laufen würde. Die 15,- € „Beförderungsgeld“ oder Dankeschön will der Fahrer erst nicht annehmen. Berthold beginnt seinen Marsch in der Hitze und mit der schweren Motorradkluft. Hinter jeder Serpentine hofft er, mein Motorrad erreicht zu haben, doch die Strecke zieht sich. Der Durst wächst. Die Hitze und einige worst case Phantasien machen ihm das Laufen schwer. Hoffentlich ist noch Wasser im Topcase. Hoffentlich ist es noch da und nicht inzwischen gestohlen worden. Da war doch vorhin im Tal noch ein Bauer. Wenn der … Jetzt ist es auch mit Berti’s Spaß vorbei.

Ich sitze derweil in der Bar und warte, und warte und irgendwann kommt der „Taxifahrer“ zurück. Aber allein. Den Klang von meinem Motorrad hätte ich sofort erkannt. Doch der Fahrer guckt freundlich und zeigt mit dem Daumen nach oben. Uff, denke ich alles gut gegangen. Er will mich zu einem Getränk einladen, doch ich lehne dankend ab. Berthold wird sicher jeden Moment kommen, dann trinken wir zusammen was. Doch es passiert nix. Ich versuche, ruhig zu bleiben. Sicher gibt es eine einfache Erklärung. Dieser Könner ist schließlich die Strecke mit mir hinten drauf schon gefahren ohne Probleme. Er ist bestimmt nicht gestürzt und hat jetzt Schwierigkeiten, das Moped aufzurichten. Oder? Er ist bestimmt nicht verletzt. Aber er ist ganz allein. Wenn ihm was passiert ist? Was mache ich, wenn er nicht kommt? Wie erkläre ich der Polizei, was passiert ist, wenn ich Vermisstenanzeige aufgeben will? Werde ich einen Dolmetscher finden? Wie lange wird das dauern? Oder besser der ADAC anrufen? Na, das wird noch länger dauern. Wie lange soll ich noch warten und wann verliere ich meinen Warteposten wenn die Kneipe zumacht?

Währenddessen marschiert Berthold weiter und weiter. Und wer ihn kennt, weiß wie ungern er zu Fuß geht! Hinter jeder Kurve hofft er, meine Maschine zu sehen, doch die lässt auf sich warten. Nach sage und schreibe 3 km erreicht er ziemlich dehydriert die 650er GS. Die andere Mineralwasserflasche in meinem Topcase ist zwar warm, aber wenigstens flüssig und kurz danach schon leer. Die Rückfahrt ist für den Könner tatsächlich kein Problem. Gegen 18:00 Uhr bringt Berthold sich und mein Motorrad heil aber durstig zurück zur Lotto-Toto-Bar. Das erste Mal an diesem Nachmittag, dass ich wieder lächeln kann. Ich begrüße ihn stürmisch, doch er ist schweißgebadet und braucht dringend etwas zu trinken. Der „Taxifahrer“ lädt uns wieder zu einem Getränk ein und diesmal nehme auch ich an. Er freut sich scheinbar, dass er helfen konnte und ein wenig Abenteuer erlebt und gemeistert hat. Ich sag´s ja, alles freundliche Menschen.

Wenn ich an dieses Abenteuer zurück denke, werde ich immer noch traurig. Doch es hat auch sein Gutes. Ich habe meine Grenzen kennengelernt und weiß nun, dass die LGKS doch eine Nummer zu groß für mich ist. Die hatten wir uns für September 2010 vorgenommen. Nicht auszumalen, wenn wir mitten drin in der über 70 km langen Strecke gesteckt hätten und ich hätte nicht weiter fahren können. Eine Möglichkeit, wie Berti mich heute gerettet hat, wäre dann definitiv ausgeschlossen gewesen. So hat mich ein kleines Unglück vor einer Katastrophe bewahrt.

Mittwoch, 30. Juni 2010
Am nächsten Morgen starten wir um kurz nach 10 Uhr von Terralba in Richtung Südost. Am Golfo di Cagliari entlang führt uns die Route ausschließlich auf Asphalt nach Villasimius an der Spitze der Südostküste. Ab hier geht es wieder Richtung Norden an der Costa Rei entlang. Die Küstenstrecken sind nach meinem Geschmack sowieso die schönsten. Sardinien bietet so unterschiedliche Strände und Klippen, dass wir beide immer wieder ins Schwärmen geraten. Bei San Priamo biegen wir in Richtung Westen auf die S 125 ab. Was dann folgt ist ein Muss für jede/n Biker/in, eine Schlucht auf einer schmalen, eng gewundenen Straße zwischen Felsen, Bergen, Abhängen und den unglaublichsten Felsformationen. Sie erinnert uns beide an eine ähnliche Tour auf Korsika. Wir folgen dem Schluchtverlauf bis nach Quartu Sant Elena. Was für ein Genuss (wenn es nicht so heiß wäre).

Danach führt uns unsere Tour nach Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens mit gut 150.000 Einwohnern. Die Altstadt von Cagliari wird Castello genannt und befindet sich auf einer Hügelspitze, von der aus man den gesamten Golf von Cagliari überblicken kann. Zunächst kämpfen wir uns mit unseren Mopeds durch die engen kopfsteinbepflasterten Gassen durch die Altstadt bis zum Dom. Wir besichtigen ihn und genießen die Kühle der Kirche. Den Torre de Elephant suchen wir anschließend auf, denn wer so heißt muss sehenswert sein. Wir finden nach einigem Suchen das Tor mit seinem hohen Turm, der bestimmt einen wunderbaren Ausblick auf die Bucht und den Hafen bietet, doch die 365 Stufen bis da hoch sind uns einfach zu anstrengend. Außerdem kostet die Quälerei auch noch Eintritt, 4,- € pro Nase. Darauf haben wir dann doch verzichtet und das gesparte Eintrittsgeld lieber in Eis investiert.

Über die SS 131 treten wir bei bis zu 33° C wieder den Rückweg zu unserem Quartier in Terralba an.
Tageskilometer: 282

Abends müssen wir uns ein anderes Restaurant suchen, denn unser Vesuvio hat Ruhetag. Dort sitzen wir dann auf eine Terrasse und während wir uns das Essen schmecken lassen, bricht die Dämmerung herein. Startschuss für einen Gecko, der an der Wand direkt hinter Berthold sehr geschickt jegliches Insekt nahe der Wandlampe jagt. Von uns lässt er sich nicht stören und wir haben Gelegenheit ihn aus nächster Nähe zu beobachten. Ab diesem Abend haben wir ein Auge für die Hauswände im Ort. Sobald es dunkel wird, kommen die kleinen fleißigen Kerle (und Mädchen) aus ihren Verstecken und halten die Häuser weitgehend insektenfrei. Denn es gibt mindestens einen pro Haus, manchmal auch bis zu drei. Das bringt uns zu der Überlegung, ob wir uns für unser Haus nicht auch einen anschaffen?

Video Motorradtour Sardinien 2010 Teil 3: Offroad ab Buggerru nach SantÁngelo. Über die S131 nach Süden. Küstenstraße am Golfo di Quartu. Kurvenspaß auf der SS125. Cagliari Altstadt Gassendurchfahrt.

Donnerstag, 01. Juli 2010
Heute erkunden wir die Nordwestküste und das Landesinnere. Es liegen 228 km vor uns und unser Thermometer wird uns Höchstwerte von bis zu 26,5° C anzeigen. Erstaunlicherweise sind die Temperaturen gerade in Meeresnähe spürbar angenehmer als in höheren Lagen. Das Wasser kühlt die Luft. Oder man muss schon um die 1.300 m hoch sein, um im Sommer kühlere Temperaturen zu finden.

Routenpunkte unserer heutigen Tour waren Santa Lussurgiu, Macomer, Scano di Montiferro, Capo Mannu, Putz Idu.

Wir sind auch auf der Suche nach Nuraghen. Das sind Steintürme, die um etwa 1.800 v. Chr. überwiegend in Küstennähe erbaut wurden. Auffallend ist, dass sie sich immer in sichtbarer Nachbarschaft von weiteren Steintürmen befinden, die wie die Perlen an einer Schnur in einer Richtung stehen. Es wird vermutet, dass sie eine Art Warnsystem vor Feinden bildeten. Wenn Gefahr drohte, wurde von Turm zu Turm schnell die schlechte Nachricht verbreitet.
Meist stehen nur noch Überreste, bei anderen ist nur noch die kreisförmige Grundmauer erkennbar. Deshalb lohnen nicht alle für eine Besichtigung oder liegen nicht mehr an einer Straße oder sind aus anderen Gründen unzugänglich. Das ist etwas frustrierend. Doch es ist wie die Suche nach einem vierblättrigen Kleeblatt, man findet es erst, wenn man nicht damit rechnet. Will heißen, das Glück wartet noch auf uns.

Dafür haben wir mit etwas anderem Glück: Flamingos! Tatsächlich entdeckt Berthold am anderen Ende des Salzsees Stagno Sale Porcus, eine riesige Menge glitzernder Punkte, die sich bei entsprechendem Zoom als Flamingos identifizieren lassen. Da der Salzsee größtenteils ausgetrocknet ist, fährt Berthold mit seiner 800er GS hinaus in die weiße Wüste, hat seinen Spaß, kann die Tiere noch näher heran zoomen und lässt sich von mir fotografieren. Erinnerungen an Argentinien stehen ihm ins Gesicht geschrieben, als er zurück ist, denn ich bleibe lieber am Ufer. Tatsächlich ist die weiße Kruste nicht so fest wie sie vom Ufer her aussieht. Je weiter Berthold reingefahren ist, desto feuchter und rutschiger wurde der Untergrund. Doch danach strahlt mein Offroad-Fan!

Zum Nachmittag hin tut Abkühlung not. Die Badeklamotten haben wir im Topcase und nun fehlt uns nur noch ein Stück Strand. In Putz Idu finden wir, was wir suchen. Sandstrand entlang der Straße und auf der anderen Seite Parkplätze und Erfrischungsbüdchen. Da es schon 16:00 Uhr ist, beschließen wir, keine Parktickets mehr zu ziehen, denn für mehr als einen Badegang bleibt uns sowieso keine Zeit mehr, denn schließlich wartet noch der Heimweg auf uns.
Das Meer ist wunderbar sauber und herrlich erfrischend. Am liebsten würde ich einfach drin bleiben und zur Meernixe mutieren. Es ist so wohltuend, wenn der völlig überhitzte Körper wieder auf normale Temperaturen herunter gekühlt wird. Selbst denken funktioniert dann wieder.
Doch nach der Erfrischung warten schon 2 Strafzettel an unseren Mopeds. Tja, man kann eben nicht nur Glück haben.

Freitag, 02. Juli 2010
Heute liegen 264Tageskilometer vor uns. Die Tour verläuft Richtung Südwesten. Bei Pula wollen wir uns die Phönizisch-punische Ausgrabungsstätte Nora mit ihren wunderschönen Mosaiken anschauen. Der Ort stammt etwa aus der Zeit 800 v. Chr. Der Reiseführer hat uns neugierig gemacht, doch in der Realität sehen wir, dass die Mosaiken sich alle noch in der Restaurierungsphase befinden. Das Foto, das unsere Erwartungen steigen ließ, war aus einer bestimmten Perspektive und einer entsprechenden Vergrößerung eines fertig gestellten Teils aufgenommen. Da wir 33° C im Schatten haben, aber dafür keinen Schatten, beschließen wir, die Ausgrabungsstätte auf kürzestem Weg wieder zu verlassen. Dieser führt uns durch ein abgesperrtes Restaurierungsgebiet und prompt werden wir von einer Aufsicht angesprochen. „Danger“ verstehe ich, doch umkehren werden wir jetzt auch nicht mehr. Diesmal fällt der Tadel nicht so schlimm aus, anders als damals in Troja, als unsere Mädchen vom „rechten Weg“ abkamen…“Ihre Töchter…“(Dieser Schlenker ist für unsere Insider bestimmt!)

Danach machen wir es wie der Kormoran: ab ins Meer! Die Abkühlung weckt die Lebensgeister und gibt neue Energie, um den Rückweg nach Terralba zu überstehen.

Heute Abend steht das Abschiedsessen in unserem Lieblingsrestaurant bevor, denn am nächsten Tag werden wir unseren Standort an die Ostküste verlagern. Zum Schluss gibt uns die Chefin noch je einen Kräuterlikör und einen umwerfend schmeckenden Zitronenlikör (Limoncello) aus, beides gut gekühlt. Kann man dieses Lokal mit all seinem Personal nicht als Andenken mit nach Hause nehmen?

Video Motorradtour Sardinien Teil 4: Fahrszenen; Santa Lussurgiu; Scano di Montiferro; Nuraghen; Stagno Sale Porcus; Capo Mannu; Putz Idu; Pula; Nora; Passo Genna Silana 1017 m

Samstag, 03. Juli 2010
Der Umzug nach Dorgali steht bevor. Endlich verlassen wir das warme, laute und quietschende Zimmer in Terralba. Heute sind nur 147 km eingeplant, denn wir wollen heute Nachmittag wieder ans Meer. Und nachdem die deutsche Elf immer noch bei der Weltmeisterschaft dabei sind, wollen wir das Spiel gegen Argentinien um 16:00 Uhr natürlich auch nicht verpassen.
Bei bis zu 34° C erreichen wir unser komfortables Hotel um High Noon und werden gleich von einem deutsch sprechenden Rezeptionisten freundlichen empfangen.

Wir laden ab und lassen uns den Weg zum nächsten Strand erklären, denn Abkühlung tut Not. Es sei nicht weit, 4 km und dann rechts abbiegen. Doch irgendwie haben wir den richtigen Abzweig verpasst. So finden wir nach 23 km „Lands End“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Weg endet an der Bucht Cala Osalas. Das Flüsschen, an dem wir schon einige Zeit entlang gefahren sind, mündet über ein Wehr ins Meer. Und davor sind Fischzuchtteiche angelegt. Eine Fußgängerbrücke führt über das Flüsschen zum Strand und die Holperstraße, die uns dorthin geführt hat, endet auf einem Parkplatz. Ansonsten sind ringsum Klippen und Büsche. Also nehmen wir die Brücke und genießen das Meer. Die lange Fahrt, das Mittagessen zwischendrin und die kleine Erkundungstour haben die Tageszeit voranschreiten lassen. Nach einem kurzen Badegang ist Aufbruch angesagt, denn das WM-Spiel ruft. Also wieder hurtig zurück ins Hotel. (Was für´n Stress, wenn man immer alles will!)

Um 16:00 Uhr wird das Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien angepfiffen. Im Hotel haben wir tatsächlich den Großbildfernseher in der Freiluftbar für uns allein, natürlich unter einer schattenspendenden Markise, genauso wie den Barkeeper. Und was noch unglaublicher ist, mein Zauberer von Oz schlägt wieder zu und schickt die Argentinier mit 4 : 0 nach Hause! Wow, staun, kreisch, yippiieeee, feier, gröööl, … Wenn das nicht Zauberei ist?

Sonntag, 04. Juli 2010
Unsere heutige Tour führt uns entlang der Ostküste und bis knapp 1.200 m hoch ins Hochgebirge Gennargentu. Die Tagesstrecke umfasst 248 km bei Temperaturen zwischen 27° C und 35° C.

Uns erwarten heute wieder traumhafte Landschaften, Kurven ohne Ende, Schluchten und jede Menge freilaufende Tiere: Rinder, Ziegen, Schafe, Pferde und Schweine. Eine Brücke war komplett von Rindern und Kuhfladen besetzt. Während die Pkw´s auf beiden Seiten der Brücke stoppen, können wir uns mit unseren schlanken BMW`s langsam hindurch schlängeln. Die Rinder beeindruckt das gar nicht. Sie bleiben einfach stehen, wie die Autos. Ob sie das wohl heute noch tun?

Wir setzen jedenfalls unsere Tour fort und finden durch Zufall eine gut erhaltene Nuraghe, direkt an der Straße, mit kostenlosem Parkplatz und durch ein Drehkreuz für Menschen zugänglich. Das gesamte Areal liegt menschenleer vor uns. Die Nuraghe gehört uns allein. Wie gehen hinein, klettern über eine morsche Holzleiter auf ihren Turm, erforschen die Anbauten, entdecken die Nachbar-Nuraghen sowie zig Eidechsen und Blumen.

Langsam treten wir wieder den Rückweg an. Dabei kommen wir an einem Stausee im Gebirge vorbei. Eine reguläre Parkmöglichkeit und ein gewundener Trampelpfad durchs Dickicht führen uns zum See. Am seichten Ufer steht ein imposanter abgestorbener alter Baum. Er trägt unsere Kleidung und wir genießen das kalte Süßwasser in einer nichts als Natur beherbergenden Umgebung, wie bei Adam & Eva … (Der Rest dieses Abschnitts ist der Zensur zum Opfer gefallen!).

Wir machen noch eine kurze Pause am Passo Genna Silana (1017 m) , um dann ein gutes Restaurant in Durgali zu finden. Wir lassen uns im „Colibri“ Schweinchen und Käse aus der Region in verschiedenen Variationen schmecken und beschließen diesen wunderschönen Tag in unserer Freiluftbar.

Montag, 05. Juli 2010
Obwohl für heute ein Strandtag eingeplant war, widmen wir uns erst mal dem Kettenöler von Bertholds 800er GS. Der Tank ist fast leer und wir haben noch ca. 1.500 km vor uns bis nach Hause. Scheinbar ist das Kettenöl bei der dauernden Hitze dünnflüssiger als normalerweise und deshalb auch zu schnell verbraucht worden. Doch wo bekommen wir Nachschub her? Oder ein Kettenspray? Erst klappern wir die Tankstellen am Ort ab, dann die nächste Autowerkstatt. Wieder das Problem mit der Verständigung. Aber Berthold schafft es, ihnen mit Händen und Füßen sowie den paar Brocken Englisch, die der Chef spricht, ein 80 W 90 Differentialgetriebeöl geschenkt zu bekommen. Mit einer 1 ml Einwegspritze, von der Berti die Kanüle abgezwickt hat, füllen wir in Fleißarbeit seinen Kettenöltank wieder auf. Er fasst 125 ml.

Bei meiner ist noch deutlich mehr drin, doch bevor wir die offene Dose zurückgeben, füllen wir auch diesen Tank noch auf. Berthold entfernt noch die Oxidation am Massekontaktventil und dann ist bis mittags endlich die die Moped-Pflege abgeschlossen. Auch unsere Finger sind gut geschmiert.

Ein halber Tag bleibt uns noch für den Strand, das Schwimmen und Schnorcheln. Und auch für Schnorchler gibt es auf Sardinien viel zu entdecken, herrlich!

Auf dem Heimweg kommen wir an einer ganzen Nuraghen-Siedlung vorbei, die in der Nähe von Dorgali restauriert wird. Berthold ist neugierig und so statten wir diesem Ort noch einen Besuch ab. Der Weg dahin ist wieder unbefestigt, doch da ich heute als Sozia unterwegs bin, schreckt es mich nicht und Berti hat seinen Spaß. Bis es nur noch zu Fuß weitergeht, ca. 300 schweißtreibende Meter. Am Kassenhäuschen (!) angelangt, sollen wir zusammen 6 € bezahlen. Doch das war uns dann zuviel, schließlich hatten wir schon eine gut erhaltene und kostenlose Nuraghe besichtigt, die wir zudem noch ganz für uns allein hatten (wenn man die Eidechsen nicht mitzählt). Und mehr gab es hier auch nicht, auch nicht an Eidechsen.

Apropos Eidechsen, an der Ostküste sehen wir keine Geckos mehr, dafür müssen wir aber mehr Schnakenstiche hinnehmen. Ob das im Zusammenhang steht?

Video Motorradtour Sardinien 2010 Teil 5: Fahrt durchs Gennargentu; SS125; Jerzu; Gassendurchfahrt; Gairo Taquisara; Ussassai; M. Tonneri; Nuraghe Ardasai; M. Perda Liana; Lago Alto Flumendosa; Talana; Urzulei; SS125; Cala Gonone; Nuraghe Mannu.

Dienstag, 06. Juli 2010
Heute wagen wir uns ins Landesinnere und nochmal ins Gennargentu Hochgebirge vor. Der höchste von uns befahrene Punkt wird 1280 m hoch sein, bei einer Tagesstrecke von 230 km und bei Temperaturen zwischen 25° C und 31° C.

Den ersten Stopp machen wir in dem ehemaligen Banditenort Orgosolo. Der Ort bietet wunderschöne und auch moderne Fassadenmalereien, sozial kritische, Regime kritische oder auch eine Darstellung des 11. Septembers 2001. Leider gibt genau hier mein Fotoapparat seinen Dienst auf. Vielleicht liegt es an der Speicherkarte, am Fotoapparat oder an beidem, jedenfalls leidet auch unser Equipment unter der Hitze. Jedenfalls filmt Berti die schönsten Motive und ich mache Fotos mit dem Handy. Na mal sehn, ob´s was wird.
Auch finden wir hier endlich geschmackvolle Mitbringsel für die Lieben daheim und für uns.

Wir setzen die Fahrt durch das Gennargentu fort über wunderschöne Strecken und noch schönere Kurven.
Auf der Suche nach einem Mittagessen machen wir unseren 2. Stopp in Desulo. Zwischen 13:20 Uhr und 14:00 Uhr sind wir auf der Suche, einen Imbiss oder etwas Ähnliches zu bekommen. Obwohl überall Fahrzeuge parken, scheint der Ort wie ausgestorben zu sein, sozusagen Bürgersteige hochgeklappt, Rollläden unten, sogar der Supermarkt ist geschlossen, lediglich eine Spielhalle (!) hat geöffnet, doch hier gibt´s nix zu essen. Also wandern wir zu unseren Mopeds zurück (schwitz und Hunger) und fahren weiter bis nach Aritzo. Dort bekommen wir endlich um 14:45 Uhr ein leckeres Mittagessen. Der Dorfpate nimmt auch gerade sein Mehrgangmenü mit seiner Gemahlin ein und unterhält gleichzeitig das ganze Lokal. Nicht jedem Sarden gefällt das, das ist zu sehen, doch alle lassen es brav über sich ergehen. Auch das gehört zu den wiederkehrenden Momenten, in denen ich es bereue, nicht italienisch zu sprechen!

Den 4. Stopp machen wir am Lago di Luccinadorza einem Stausee im Gebirge. Das Wasser ist so kalt, dass ich ewig brauche, bis ich drin bin, gerade so, doch ich genieße auch die Abkühlung meines Körpers. Um diesen Effekt möglichst lange zu behalten, ziehe ich nur die Motorradschutzkleidung aus und lasse den Rest an. Der ist sowieso schon nass, dann kann er auch noch runtergekühlt werden. Sehr angenehm bei der weiteren Fahrt, zumindest anfangs.

Abends besiegt Holland Uruguay mit 3 : 2. Unter den Hotelgästen scheinen viele Holländer zu sein, denn der Jubel ist groß. Wir genießen jedenfalls das Spiel wieder in unserer Freiluftbar und überlegen schon, wo und wie wir unser Spiel am nächsten Abend sehen werden. Unsere Fähre legt um 21:00 Uhr ab, evt. haben wir Glück und können schon vorher drauf, dann können wir das Spiel von Anfang an verfolgen. Ja, ja, ich weiß schon, der Mensch denkt aber Gott lenkt, … Fortsetzung folgt.

Mittwoch, 07. Juli 2010
Wir checken im Hotel mit allen Koffern aus, fahren wieder im „Panzerformat“ und genießen den letzten Tag auf Sardinien. Wir machen noch einen Schlenker über den Lago Lerno, Oschiri, Lago del Coghinas, bis wir danach an die Costa Smeralda kommen. Sie ist wirklich so bezaubernd schön, dass es einem die Sprache verschlägt! Und zu unserem Riesenglück finden wir an einer Schnellstraßenraststätte einen Trampelpfad hinunter zum Meer mit einer winzig kleinen Bucht ganz für uns allein. Das bietet Sardinien wirklich zu Hauf, Buchten und Strände in gefühlten tausend Variationen. Manche sind sogar nur vom Boot aus zugänglich, aber wir finden sogar in der Hauptsaison immer wieder idyllische Buchten und Strände, die wir allein oder fast allein nutzen. Das Wasser ist so warm, dass ich am liebsten darin bleiben würde.

Doch auch der schönste Tag neigt sich einmal dem Ende. Wir machen uns auf in Richtung Fährhafen, den uns das Navi in Golfo Aranci ausweist. Wir suchen im Ort ein Restaurant, fragen, ob hier die Fähre nach Genua abgeht und nach der Bestätigung bestellen wir. Das Essen kommt flott und schmeckt wieder echt lecker. Das können die Sarden: gut kochen!

Wir sind zeitig fertig und fahren schon mal zum Fährhafen, doch nirgends finden wir den Eincheckbereich für Mobyline. Nach einigem Suchen finden wir eine Touristeninfo und erfahren dort, dass unser Fährhafen in Olbia liegt. Das Navi (das blöde Ding!) errechnet uns 21 km mit einer Fahrtzeit von 30 Min. Das wird knapp, denn es ist mittlerweile schon fast 20:00 Uhr, ganz zu schweigen von unserem Fußballspiel!
Wir satteln die Hufe und rasen nach Olbia ohne auf Geschwindigkeitsbegrenzungen oder sonstige Hindernisse zu achten. So schaffen wir die Stecke in einer halben Stunde, und haben mehrfaches Glück:

1. Wir sind heil angekommen,
2. Wir haben keinen Strafzettel gewonnen und
3. Die Fähre hat Verspätung und lädt gerade erst aus.

Da stehen wir nun und warten und haben den Anpfiff um 20:30 Uhr schon verpasst. Da hat Berti eine Idee. Unsere Funkgeräte haben auch Radioempfang, hier allerdings auf Italienisch. Aber mein Schatz ist sich sicher, anhand der Stimmlage des Moderators und des Publikums hören zu können, wenn ein Tor fällt und auch für wen. Na ja, viel Vergnügen. Auf dieser Basis kommt die Befürchtung auf, dass gerade ein Tor für Spanien gefallen ist. Aber ist das sicher? Wir brennen darauf, auf die Fähre zu kommen, doch das Ausladen braucht seine Zeit. Als wir endlich an Bord können, bringen wir unser Gepäck auf die Kabine und setzen uns mit unseren Motorradklamotten verschwitzt und stinkend in den TV-Bereich. Erleichterung: es steht noch 0 : 0. Doch das Spiel sieht für die Deutschen nicht gut aus und Spanien schießt kurz vor Schluss das 0 : 1 verdient. Die vielen Spanier oder Spaniensympathisanten an Bord jubeln und feiern, wir hingegen sind etwas betrübt und gönnen uns ein letztes Mal einen gekühlten Limoncello zum Trost.

Video Motorradtour Sardinien 2010 Teil 6: Gennargentu, Orgosolo Gassendurchfahrt, Desulo, Lago di Cuccinadorza, Lago Lerno, Oschiri, Lago del Coghinas, Costa Smeralda, Golfo Aranci, Olbia.

Donnerstag, 08. Juli 2010

Um 8:00 Uhr verlassen wir die Fähre bei wunderbaren 23° C, kommen aber nur im Stop and Go durch die Stadt. Bis wir endlich auf der Autobahn sind, dauert es noch eine Weile. Dann rutscht mir mein Blutzucker runter und wir nehmen die erste Raststätte zum Frühstücken und Tanken. Die angenehme Temperatur lässt mich erfreut an zu Hause denken. Endlich wieder in gemäßigten Zonen fahren, hoffe ich. Nur vor dem Gotthardtunnel habe ich Beklemmungen, der ist immer heiß!

Wir fahren weiter Richtung Norden und wir kommen gut voran. Es herrscht kein Urlaubsreiseverkehr, nur die übliche Rush-hour. Auch auf den Autobahnen geht es gut voran, nirgends bremst uns ein nennenswerter Stau, doch seltsamerweise wird es immer wärmer und wärmer. Im Gotthard-Tunnel zeigt mein Thermometer tatsächlich 37,5° C an, also erhöhte Temperatur. Nach dem Tunnel wird es zwar etwas kühler, aber in Deutschland angekommen, sind es 35° C auf der Autobahn. Unsere Überhitzung fordert in immer kürzeren Abständen eine Pause, zuletzt im Verhältnis 2 : 1. (Will heißen 1 Std. fahren und ½ Stunde Rast in einer klimatisierten Autobahngaststätte.) Gegen 18:45 Uhr erreichen wir nach 800 km unser Heim. 37° C - 39° C sagt uns der Wetterbericht für die nächsten Tage voraus, heißer als auf Sardinien. Jetzt frage ich mich, warum ich so viel gejammert hab und wie ich nächste Woche überhaupt arbeiten soll? Aber auch das hab ich dann irgendwie hingekriegt …

Zur Fotogalerie Sardinien 2010

 

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