Skandinavien 2009

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Skandinavien 2009

Tagebuch einer Skandinavienreise vom 11.07.09 – 28.07.09

Samstag, 11.07.09
Großes liegt vor uns. Mein Mann und ich starten morgens um 9:20 h mit einer F800GS und einer F650GS in Rodgau Nieder-Roden zum Nordkapp. Die Tour ist mit knapp 7.000 km und 18 Tagen Reisezeit geplant plus 3 Puffertage für Unvorhergesehenes. Eine so weite Strecke haben wir uns noch nie vorgenommen. Ein wenig Bammel habe ich schon, denn es sind jetzt genau erst 6 Wochen her, dass ich mir den Knöchel gebrochen hatte, und ich bin mir nicht sicher, ob er bei so einer Anstrengung tatsächlich schon wieder voll belastungsfähig und schmerzfrei bleibt.

Die erste Etappe führt uns bei 13,5°C, Regenschauern sowie dem einen und anderen Stau über 615 Autobahnkilometern bis nach Kiel. Hier scheint allerdings bereits die Sonne und wir erklimmen um kurz nach halb 5 die Fähre Stena Scandinavia Richtung Göteborg. Hier legen wir sozusagen im Schlaf 443 km schwimmend zurück.

Den zollfreien Einkauf an Bord nutzen wir nochmal aus, um uns einen halben Liter Jubi Aquavit für 11,- € als Vorrat einzukaufen, denn bekanntermaßen sind die Alkoholpreise in Skandinavien horrend.

Das erste Wort auf Schwedisch lernen wir schnell: „Öl“ heißt Bier. Da bekommt das Wort „Öltanker“ gleich eine neue Bedeutung.

Sonntag, 12.07.09
Pünktlich um 9:00 h legen wir in Göteborg bei immerhin schon 16,5°C an. Bis Oslo liegen 300 km Tagesetappe vor uns. Noch halten wir uns brav an die strengen Geschwindigkeitsbeschränkungen von meist 90 km/h und wundern uns über diejenigen Fahrzeuge, die uns überholen, trotz der drohenden, hohen Geldstrafen im Falle des Erwischtwerdens. Unsere Urlaubskasse kann jedenfalls auf ein so teures Ticket verzichten. Darin sind wir uns einig, noch.

Um 13:00 h erreichen wir unser Hostel in Oslo und knacken die 20°C Marke, ideales Motorradwetter also! Unser Hostel liegt ideal, wie der Name Sentrum Pensjonat schon verrät. Es ist zwar einfach, Dusche und WC liegen auf dem Gang, dafür aber für Osloer Verhältnisse preiswert: 80,- € fürs Doppelzimmer ohne Frühstück, dafür aber mit Motorradparkplatz im Innenhof. Lediglich die schmale Hofeinfahrt zwingt uns, je einen Seitenkoffer früher abzunehmen, um die Motorräder hindurch zu bugsieren.

Ab 14:00 h erkunden wir die Innenstadt. Wir beginnen mit der Suche nach einem Bankautomaten und ziehen einen Betrag, von dem wir nicht wissen, was er in Euro wert ist. Nachdem wir erfahren, dass Oslo seit 2006 als die teuerste Stadt der Welt gilt, ist es vielleicht auch besser, den Umrechnungskurs nicht zu kennen. So können wir den Urlaub besser genießen.

Nach einer Stärkung gibt´s Fotoshooting: Hafen, Rathaus, Friedensnobelpreiszentrum, nackte Frauen (Statuen natürlich) und dann die Festungsanlage Akershus. Das großzügige Gelände ist mit seinen historischen Bauten wirklich sehenswert, auch wenn einige Bereiche vom Militär und von Sanierungsarbeiten belegt sind. Auch der Dom steht noch auf unserem Programm, leider nur aus der Ferne, hinter einem Bauzaun, denn er wird noch bis September renoviert. So lange bleiben wir dann doch nicht. Dafür haben wir uns die Sentralstatjon angesehen, den Hauptbahnhof Oslos und unsere runden Füße dann ins Quartier bewegt.

Dort begegnet mir der erste Elch! Im Waschbecken einer Toilette. Geträumt? Nein, ein süßer Plüschelch mit Pullover, noch mit Etikett und Kassenbon. Ich lasse ihn an dem Ort des Vergessens, denn sein neuer Eigentümer wird ihn sicher schon vermissen.

Noch ein Abendessen im benachbarten Lokal und dann ab in die Koje, uff.
 

Montag, 13.07.09
Unsere heutige Tour beginnt um 8:45 h Richtung Trondheim. Schon mit den geplanten 446 km sollte uns heute die längste Skandinavien-Etappe bevorstehen. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der gut ausgebauten E 6 liegen zwischen 60 und 100 km/h, Baustellen natürlich ausgenommen. Wenn die Baustellenampel überhaupt die Weiterfahrt gestattet (Trainingscamp für Geduld), dann sind anschließend höchstens 40 km/h erlaubt. So zieht sich die Strecke wie ein Kaugummi und das eintönige Fahren ermüdet mich so sehr, dass wir immer häufiger Pausen einlegen.

Doch mit den Kilometern wird auch die Landschaft immer reizvoller. Flüsse, Berge, teils mit Schneekuppen, Wasserfälle und die ersten Fjorde lassen die Erwartungen für die nächsten Tage noch weiter steigen. Wir erreichen unser geographisches Ziel in Stören um ca. 16:15 h. Doch auf dem ersten Campingplatz gibt es entgegen der Beschilderung keine Hütten. Also auf zum nächsten. Keine Hütte mehr frei. Also noch weiter. Nach einigem Suchen finden wir um 17:30 h nach insg. ca. 460 km eine freie Hütte auf einem Campingplatz. Es ist die größte des Platzes mit WC und dem stolzen Preis von 600 Norwegischen Kronen zuzgl. 120 Kronen für Bettwäsche.

Die Sonne hat die Temperaturen an diesem Tag auf bis zu 23°C hochgetrieben und uns ordentlich schwitzen lassen. Eigentlich dachte ich, dass es immer kühler wird, desto nördlicher wir kommen, aber so kann frau sich täuschen …
Jetzt sind wir so kaputt, dass es für heute reicht. Gute Nacht!

Dienstag, 14.07.09
3:15 h. Eine volle Blase zwingt mich zum Aufstehen. Wieso ist es hinter den Vorhängen so hell? Ein Blick nach draußen lässt mich nochmal die Uhrzeit prüfen: tatsächlich, ich habe mich nicht getäuscht. Es ist 3:15 h und es ist hell! Dabei war es um 23:15 h, als wir schlafen gingen, auch noch ziemlich hell. Das habe ich noch nie erlebt und wird noch extremer werden, je weiter wir uns dem Nordkapp nähern. Doch bis dahin nehme ich noch eine Mütze voll Schlaf.

Wir starten an diesem Tag erst um 10:45 h, geben die Bettwäsche und Schlüssel ab und fahren 50 km bis Trondheim. Als erstes steht der Nidaros Dom auf unserem Programm. Das wunderschöne und imposante Gebäude ist schon bei der Einfahrt über die E 6 in die Stadt hinein zu sehen. Was für ein Anblick! Gegen eine erhebliche Gebühr (10 Kronen pro ½ Std.) kann man mit etwas Glück direkt am Dom parken. Ein Parkschein empfiehlt sich dort dringend, denn die Stadtsheriffs machen auch vor Bikern nicht halt. Als wir zwei Maschinen mit entsprechenden Tickets sehen, ziehen wir sicherheitshalber doch 2 Parkscheine.

Spartipp 1: eine ½ Stunde Parkzeit reicht nicht, denn zur Besichtigung muss man für Eintrittskarten anstehen, außerdem gibt es hinter dem Dom weitere historische Bauten zu besichtigen und ein schönes Cafe gibt es außerdem auch.

Spartipp 2: Ihr sucht Euch gleich einen der zahlreichen kostenlosen Motorradparkplätzen im Zentrum und lauft ca. 5 Minuten bis zum Dom. Das lohnt sich allemal, denn es gibt auf dem Weg dahin allerlei Sehenswertes, z.B. Stiftsgarden (wird gerade renoviert), die Var Frue Kirke, die auch ein Cafe für Arme ist, den Markt, das Rathaus, … Kann also sein, dass Ihr doch länger als 5 Minuten braucht.

Auffallend ist hier, wie auch schon auf der Fähre und in ganz Skandinavien, der Kinderreichtum und die vielen kindgerechten Angebote: Spielecken, Kindertische und –stühle, Wickelecken, Spielplätze, viele Kinder, viele Schwangere und auch Familien mit 4 Kindern sind keine Seltenheit. Wie machen die das nur? Obwohl, biologisch betrachtet ist das ja kein Problem … (wen´s interessiert: siehe hierzu Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom 05.08.2009 am Ende des Tagesbuchs)

Das Fahren, das Laufen und die vielen Eindrücke erschöpfen mich jetzt schon zur Mittagszeit und so suche ich mir eine Sitzbank, die ich nicht verlasse. Ich schicke Berthold mit seiner Videokamera los, alles zu erkunden und um mich selbst zwischenzeitlich auszuruhen. Hier rächt sich, dass ich mir vor 6 Wochen den Knöchel gebrochen hatte und die gesamte Zeit ruhen musste, so dass ich körperlich überhaupt nicht fit in dieses Abenteuer gestartet bin. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich Schmerzen an der Bruchstelle haben würde, doch die war okay. Dafür waren alle meine wenigen Muskeln abgebaut. Ihr glaubt nicht, wie schwer sich z.B. mein Gepäck angefühlt hat oder ich nach wenigen Tagen überall am Körper Muskelkater vom Motorradfahren hatte. Berthold hat mir zwar meistens das Gepäck getragen, doch ich wollte das alles auch wieder können.
Als ich dann so traurig in meinem Dilemma auf der Bank saß, kamen zwei von hinten und begrüßten mich freudig: Berthold und Elke. Sie war Berthold auf dem Markt begegnet und er hatte sie gleich eingeladen, uns auf unserer Tour zu begleiten. Wohl wissend, dass er mir damit eine Riesenfreude macht, hat er Elke freigekauft und zu mir gebracht. Das Kind in mir freut sich riesig und strahlt über das ganze Gesicht. Und tatsächlich ist sie mir eine tolle Sozia, der kleine Plüschelch.

Wir fahren weiter nach Norden und finden 44 km hinter Steinkjer direkt an der E 6 eine zwar verhältnismäßig einfache aber dafür preiswerte Unterkunft: „Snasa Kroa“ vermietet Zimmer für 350 Kronen, zuzüglich Bettwäsche für 50 Kronen pro Person. Außerdem verfügt es über ein preiswertes SB-Restaurant. Selbstbedienung ist in Skandinavien übrigens die Regel, mitunter sogar in Hotels.

Spartipp 3: mit der eigenen Bettwäsche im Gepäck kann man die Skandinavientour kostengünstiger gestalten. Alternativ kann man hier für ca. 60 Kronen papierähnliche Wegwerfbettwäsche kaufen, die bei pfleglicher Behandlung den ganzen Urlaub hält und dafür sehr leicht ist. Aber das erfahren wir erst später.

Den Abend gestalten wir mit der Kabelreparatur unserer Funkgeräte und mit Allohol …

Spartipp Nr. 4: Trinkwasser gibt es in allen Lokalen kostenlos in einem Glaskrug, meist gekühlt, manchmal auch mit Eiswürfeln.

Mittwoch, 15.07.09
1:30 h. Es ist entweder immer noch hell oder schon wieder? Tja, die Mitternachtssonne gibt es nicht nur am Nordkapp. Und morgen überqueren wir schließlich schon den Polarkreis. Ich finde es immer noch erstaunlich, wie sehr ich meinen Tagesablauf normalerweise nach dem Tageslicht richte. Hier ist man damit verloren. Das heißt, dass ich ohne Uhr vollkommen das Zeitgefühl verliere.

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Episode schildern, von der ich zwar nicht mehr weiß, wann und wo sie sich zugetragen hat, aber das spielt auch keine Rolle, denn ab jetzt hätte sie sich immer wieder und überall ereignen können:
Als wir uns in unserem Quartier eingerichtet und zu Abend gegessen hatten, schlafe ich vor Erschöpfung auf meinem Bett ein. Als ich wieder erwache, steht Berthold bereits angezogen im Zimmer. Ich bin irritiert, denn er hätte mich doch geweckt, wenn er aufgestanden wäre. „Du bist ja schon angezogen.“ Sage ich zu ihm. Und er antwortet: „Was heißt hier schon, du meinst wohl eher immer noch.“ ??? Ich bin jetzt völlig durcheinander und weiß nicht, was er meint. ??? Er sieht es mir an und erklärt mir. „Ich habe noch gar nicht geschlafen.“ „Wie, du hast noch gar nicht geschlafen?“ ich bin noch mehr erstaunt. Oje, jetzt hatte mein Schatz eine schlaflose Nacht, wahrscheinlich hat er versucht, unsere Funkkabel doch noch zu reparieren und wollte nicht aufgeben, bevor sie wieder funktionieren. Doch komischerweise habe ich das dafür typische Piepsen der Funkgeräte gar nicht gehört. Davon wäre ich doch auch wach geworden? Berthold rollt die Augen: „Es ist erst halb elf.“ Ach du Schreck, so spät ist es schon. Da hätten wir doch schon auf Tour sein wollen. Ich bin noch mehr verwirrt. Berthold versucht lachend, mich ins hier und jetzt zurück zu holen und wiederholt nochmal das Gesagte, bis ich endlich verstehe, dass er mit halb elf 22:30 h meint. Meine Verwirrung ordnet sich langsam, sehr langsam, kann es noch gar nicht glauben, dafür lacht Berthold immer noch, denn in meinem verwirrten Gesicht spiegelt sich offensichtlich das Missverständnis wider, das er schon vor mir kapiert hat . Wahrscheinlich geht diese Story in die Familienannalen ein, dann kann ich sie hier auch gleich niederschreiben.

Ich schlafe wieder ein, jedenfalls bis 6:00 h, denn ab da ist Leben im Haus. Wahrscheinlich sind wir die einzigen Skandinavientouristen, die keine Frühaufsteher sind. Wir genießen noch bis um 8:00 h das Doppelbett, das hier keine Selbstverständlichkeit sondern wirklich eine seltene Ausnahme ist.

Gegen 9:45 h brechen wir auf. Schon nach 80 km erreichen wir die Region Nordland. Ein Päuschen mit Fotoshooting und ein Schwätzchen mit einem Touri-Guide (der selbst Deutscher ist) muss sein. Hier erfahren wir, dass es noch 1.349 km bis zum Nordkapp sind und dass Skandinavien das Eldorado für Fliegenfischer ist.
Mein Schatz und er fachsimpeln noch über das Thema Angeln während auf dem Parkplatz etwas Unglaubliches ankommt. Berthold kann es nicht glauben und sieht nochmal hin. Damit Ihr es uns auch glaubt habe ich ein Foto gemacht: eine GS mit Anhänger!

Überhaupt haben wir noch nie so viele Motorräder mit Anhänger gesehen wie hier, und das waren dieses mal nicht ständig Holländer. Auch haben wir hier soo viele Boote auf der Straße gesehen, wie sonst noch nirgends, und das will schon was heißen.

Apropos Begegnungen auf der Straße, die häufigste Begegnung haben wir mit freilaufenden Schafen. Sie tragen Halsbänder. Wahrscheinlich sind sie das Zeichen dafür, dass sie vorher in Verkehrskunde eingewiesen wurden, denn sobald sich ein Verkehrsmittel nähert, verlassen sie den Asphalt um am Straßenrand ihren Weg fortzusetzen. Ob sie wohl wissen, dass bereits entsprechende Hinweisschilder auf sie hingewiesen haben?

Weitere unbekannte Schilder folgen. Obwohl wir sie das erste Mal sehen, wissen wir sofort was es bedeutet: Achtung Elch! Überall sind Elche ausgewiesen, aber bis auf Elke und den Gesellen aus dem Waschbecken in Oslo haben wir noch keinen gesehen.

Das Nordland bietet endlich den Anblick, auf den wir uns lange gefreut haben: Fjorde, Seen, Flüsse, Wasserfälle, Stromschnellen, Felsen, Berge mit zunehmendem Restschnee, Blütenteppiche und Sonne pur. 20°C lassen unser Herz erfreuen und die Tour genießen.

Nach 388 Tageskilometern nehmen wir um 16:30 h nach kurzem Suchen ein Zimmer, das zwar schön geräumig ist, aber wieder mal ohne Dusche und WC. Auf unserer Tour werden wir noch erfahren, dass das hier Standard ist. Aber dafür stecken wir mitten in meinem Abenteuer!

Video Tag 1-5: Anreise; Fähre Kiel-Göteborg; Oslo; Trondheim; Krokstrand. Stadtbesichtigungen in Oslo und Trondheim. Fahrszenen über Nord-Norge bis Krokstranda.

Donnerstag, 16.07.09
Heute überqueren wir bei 17°C und strahlendem Sonnenschein das erste Mal den Polarkreis. Die Landschaft ringsum ist karg, fast wie weit über der Baumgrenze, obwohl wir nur ca. 660 m hoch sind (zum Vergleich: die Wasserkuppe ist 950 m hoch). In der Umgebung wachsen überhaupt nur Moose, Flechten und wenige Blumen. Selbst Sträucher wachsen hier nicht. So fallen hinter dem Informationszentrum sofort die tausenden von kleinen, großen, dicken, dünnen, schiefen, breiten und sonstigen Steinhaufen auf. Sie sind im Lauf der Zeit von Besuchern errichtet worden. Zum Teil für eine gute Weiterfahrt bzw. Heimfahrt, zum Teil für ein Wiederkommen und manche sehen darin die Trolle, die hier in Skandinavien überall zugegen sein sollen. Wir können das nur für die Souvenirläden bestätigen.

Ein paar Kilometer weiter wird die Vegetation schon üppiger. Wälder säumen wieder den Weg und die Natur gewinnt wieder ihre ursprüngliche und abwechslungsreiche Wildheit zurück. Wilde Bäche mit Wasserfällen und Fjorde säumen unseren Weg, der uns gleichzeitig durch Berge und Tunnel führt. Kurios ist dabei, dass uns in diesem vermeintlichen Gebirge immer wieder Möwen überfliegen.

Die E 6 unterbricht ihre Asphaltdecke an einer Fähranlegestelle in Bodo. 104 Kronen kostet die 7,5 km lange Fährüberfahrt für 2 Personen und 2 Bikes. Auf der anderen Seite führt uns die E 6 dann weiter bis Narvik. Wir beginnen mit der Quartiersuche und bekommen erst 20 km hinter Narvik und nach insgesamt 384 Tageskilometern auf einem Campingplatz die letzte Hütte: 7 qm Wohnraum, ohne Wasser, ohne Schrank oder sonstigen Stauraum, dafür hängen 3 Haken und ein Nagel in der Wand. Hier machen wir das erste Mal in unserem Leben Bekanntschaft mit papierner Bettwäsche. Das funktioniert doch besser als gedacht. Allerdings gibt es auf diesem Campingplatz keine Handtücher zu leihen, also müssen unsere Strandlaken ran (warum wir die mitgenommen hatten, war mir erst nicht klar, dafür aber jetzt …). Die Hütte verfügt an Beleuchtung über eine Glühbirne. Wenn die durchgebrannt wäre (vielleicht mit einem gutaussehenden Elektriker?), wäre das auch nicht schlimm gewesen, denn es wird ja nachts nicht dunkel. Zudem haben wir noch mehr Glück, die Hütte wird auch an 3 Personen vermietet, denn außer einem Stockbett befinden sich noch eine Couch und 3 Kopfkissen sowie 3 Decken in der Hütte. Zum Glück sind wir nur zu zweit. Es ist so eng, dass ich mir dieses Quartier beim besten Willen nicht für 3 Leute vorstellen kann. Berthold führt mir unterdessen unseren Luxus vor Augen: wir haben einen Kühlschrank, eine Herdplatte (ohne Geschirr), ein Fenster und eine Heizung. Und jede Menge Besuch, erst von den Schnaken und mitten in der Nacht von einem Campingnachbarn, der sich in der Tür geirrt hat. Kosten: 390 Kronen für die Hundehütte und 60 Kronen je Papierbettwäschegarnitur. Die hat uns dafür auf der weiteren Reise Geld gespart.

Freitag 17.07.09
Nix wie weg von hier!!! Allein eine Unterzuckerung lässt mich eine Zwangspause einlegen, bevor wir diesen ungastlichen Ort verlassen können. Bei einem Blutzucker von nur 48 mg/dl sind 4 Plättchen Dextro Energen angesagt und bis zu 30 Minuten warten. Immer wenn mein Körper nicht das machen kann, was ich will, bin ich tief betrübt. Es dauert eine Weile, aber als ich langsam wieder anfange frech zu werden, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass wir endlich starten können durch die Ofoten. Die befinden sich auf dem Festland, aber es gibt auch reichlich Fähren hinüber zu den bekannten Inselwelten, die Lofoten, die hier vor dem Festland liegen.

Die heutige Tagesetappe wird 366 km lang und führt uns bis Gildetun, 40 km hinter Storslett. Hier beginnt schon die Finnmark, obwohl wir noch in Norwegen sind. Direkt gegenüber liegt die Insel Aronoja Arctnie. Wenn Ihr das nicht kennt, macht nichts, ich hab es auch schon wieder vergessen.

Es regnet. Bis nachmittags müssen wir einen ziemlich jämmerlichen Eindruck vermittelt haben, denn als ich in einem Hotel nach einem Café frage, bekommen wir glatt 2 Tassen Kaffee geschenkt. Es gibt doch Mitleid unter den Menschen.

Spartipp Nr. 5: Fast überall, wo Bewirtung stattfindet und es auch Kaffee gibt, wird dieser normalerweise nur einmal bezahlt und kann danach immer wieder kostenlos aufgefüllt werden.

Leid tut uns auch, dass wir bisher noch lein lebendes einheimisches Wild zu Gesicht bekommen haben.

Mittlerweile hat sich das schon zum Spruch des Tages entwickelt:
Die Schilder zeigen Rentiere und Elche,
allein wir sehen hier nie welche.“

Hier oben im hohen Norden ist es schon recht einsam. Kaum Ortschaften, von Städten ganz zu schweigen. Kaum ein Wohnhaus, dafür eine gut ausgebaute E 6 immer geradeaus, kilometerlang. Es ist wie die Route 66 des Nordens. Erstaunt erblicken wir eine einsame kleine Holzkirche, die mitten in der Pampa steht. Wer die wohl besucht? Keine Häuser sind zu sehen lediglich Regen, Kälte (5 C) und Sturm begleiten uns. Letzterer ist streckenweise so stark, dass wir unsere Motorräder in Schräglage fahren müssen, um geradeaus zu fahren. Das gibt Muckis! Jedenfalls wenn der Muskelkater erst mal vorbei ist.

Schneereste am Straßenrand werden immer häufiger und Berge und Vegetation deuten darauf hin, dass wir uns im Hochgebirge befinden müssen. Auf dem höchsten Punkt dieser Erhebung befindet sich ein gutes Hotel. Wir haben keine Lust mehr weiter zu fahren und eine günstigere Unterkunft zu suchen. Vorher überlegen wir uns, bei welchem Preis unsere Schmerzgrenze liegt: 800 Kronen. Wir gehen hinein und tatsächlich gibt es ein freies Doppelzimmer für uns, mit Dusche und WC, selbstverständlich inkl. Bettwäsche, Endreinigung, viel Platz und Frühstück, für insg. 900 Kronen. Wir überlegen nicht lange, das haben wir uns verdient, zu verlockend ist das Angebot. Schmerzgrenzen sind eben doch flexibel. Wahrscheinlich weil ich so viel rumgejammert habe. Den halben Tag sind wir im Regen gefahren meistens bei Temperaturen zwischen 8 bis 11°C. Bertholds Kartenausdruck ist bis abends in der Kartentasche vollständig aufgeweicht, wir scheinbar auch. Die Motorradkoffer sind nicht ganz dicht, wir wahrscheinlich auch nicht. Was war nochmals der Grund für diese Tour? Ich hab´s glatt vergessen. Berthold hilft mir auf die Sprünge: „Abenteuer“. Ach ja, na da stecken wir jetzt mitten drin.

Den Abend gestalten wir mit einem neuen Hobby: Kabelreparatur unserer Funkgeräte. Na dann, gut Nacht.

Samstag, 18.07.09
Aus unserem Hotelfenster sehen wir direkt aufs Meer. Das heißt, dass unser augenscheinliches Hochgebirge gerade mal nur 412 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Wow, wer hätte das gedacht. Irgendwie ist hier alles anders.

Bevor wir bei 8°C die letzte Etappe bis zum Nordkapp starten, nimmt Berthold noch diese wunderschöne Landschaft mit den Klippen und den gegenüberliegenden Inseln auf. Ein Adler fliegt über ihn hinweg. Die Kamera steht auf vollem Zoom und tatsächlich kann er den König der Lüfte einfangen. Was für ein Augenblick. Bis ich hinzu komme, ist er bereits entschwunden. Mir bleiben Bertholds Schilderungen und die Kameraaufnahme.

Was trägt ein Frierpitter auf dem Motorrad am Nordkapp bei wechselhaftem Wetter mit Schauern, Nieselregen und Tageswerten zwischen 5 und 11°C? (Achtung: diese Liste wird lang. Wen´s nicht interessiert, einfach überspringen.):
Slip und BH ist klar, dann ein langärmeliges Odlo Unterhemd und eine lange Odlo Unterhose. Darüber ein warmer Odlo Pullover und eine Odlo Sweatjacke. Untenrum über die lange Unterhose noch Kniestrümpfe und darüber Klimaüberziehfüßlinge (weiß nicht, wie die richtig heißen). Dann erst kommt die Motorradschutzkleidung und vorsichtshalber noch die Motorradregenjacke. Bei eingeschalteter Griffheizung lässt sich das Wetter dann aushalten.

In Olderfjord verlassen wir die E 6 auf die E 69, die uns bis ans Nordkapp führen wird. Und dann endlich sehen wir sie: Rentiere. Im Laufe des Tages werden es jede Menge kleine und größere Herden. Die Tiere gibt es in allen Farben von weiß bis dunkelbraun und sind meist mehrfarbig. Das ist eine wunderbare Tarnung für diese karge Landschaft. Felsen, Steine, Kies, Moose, Flechten und Gräser bieten ein Farbenspiel, das ebenfalls von weiß bis braun und von grün bis oliv reicht.

Auch das eine und andere Samenzelt liegt an unserer Strecke. Ein Same ist ein Ureinwohner Nordskandinaviens. Wir kennen ihn eher unter der Bezeichnung Lappe, doch ist das genauso abwertend, wie einen Inuit als Eskimo zu bezeichnen.
Laut Bertholds Wikipedia wurden die
Samen von den Skandinaviern unterdrückt und über entsprechende Siedlungspolitik in Reservate vertrieben. Erst seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts (war doch erst vor Kurzem) wurden ihnen ihre ursprünglichen Rechte schrittweise wieder eingeräumt. Das erinnert irgendwie an das Schicksal der Indianer, Aborigines, Azteken, Inkas und alle anderen Naturvölker auf diesem Planeten. Wir beschließen, uns auf unserer Tour noch genauer zu diesem Thema zu informieren.
Doch bis dahin genießen wir diese unglaublich schöne und wilde Landschaft. Uns bietet sich eine ständig wechselnde Kulisse: Berge Seen, Schneereste, Flüsse, Fjorde, Wasserfälle, Inseln, Klippen und alles auf engstem Raum. Wie traumhaft muss das alles erst bei Sonnenschein aussehen?! Allein wie wunderbar Landschaft aussehen kann, wenn man den Flüssen ihren Lauf lässt und sie nicht begradigt, wie bei uns.

Endlich bietet die Strecke auch richtige Motorradkurven, so dass unsere e GS´e mit den Auspuffen wedeln.

Der knapp 7 km lange Nordkapp-Tunnel führt uns unter dem Meer zum Nordkapp –Archipel. Das Erstaunlichste beginnt gleich am Anfang in der Tunnelröhre: dichter Nebel. Das habe ich bei noch keinem Tunnel erlebt und ich bete, dass er bald aufhört, denn die Sicht ist aufgrund der mageren Tunnel-Beleuchtung wirklich schlecht. Zum Glück löst er sich nach wenigen hundert Metern auf und der Eindruck, dass die Röhre nach unten führt bestätigt sich jetzt auch optisch. Bis zu ihrem tiefsten Punkt geht es bergab, danach gleich wieder bergauf. Waagerecht gibt´s hier scheinbar nicht.

Kurz danach passieren wir die Mautstelle und bezahlen 140 Kronen für uns 5: zwei Biker, zwei GS´e und Elke, (aber die haben wir heimlich rein geschmuggelt, war so schon teuer genug.) Zurück nochmals das Gleiche.

Und dann ist es endlich soweit:
13 km vor dem Nordkapp nehmen wir Quartier, schnallen die Koffer ab und düsen rauf an das Ziel unserer Tour: das Nordkapp.

Fast 3.600 km liegen hinter uns, um dann für die restlichen 200 m einen horrenden Eintritt zahlen zu müssen: 215 Kronen oder ca. 25 €, pro Person versteht sich! Zähneknirschend zücken wir die Kreditkarte. Und das bei 5°C, Sturm und diesigem Wetter. Doch von Touristen, die vom Nordkapp zurück kamen, wissen wir, dass es hier jederzeit jedes Wetter und das abwechselnd geben kann, sogar strahlenden Sonnenschein mit Fernsicht. Die ist uns zwar nicht vergönnt, aber dichter Nebel mit einer Sichtweite von nur 10 m zum Glück ebenso.

Obligatorisch führt uns der erste Weg zum Fotoshooting an den Nordkapp-Globus. Dank des mäßigen Wetters ist jetzt hier draußen nur wenig los, so dass wir nicht lange warten müssen, bis wir freies Schussfeld haben: einzeln, zu zweit und in allen Lebenslagen fotografieren und filmen wir und lassen uns aufnehmen, echtes Touristenverhalten also. Auch der Ausblick auf die senkrecht herabfallenden Klippen ist reizvoll. Der Dunst hüllt dabei die weiter entfernteren Klippen kunstvoll in Watte. Auch das versuchen wir einzufangen, doch wie wir alle wissen, können kein Foto und kein Film eine authentische Atmosphäre einfangen. Zum Beispiel war der Wind so stark und kalt, dass wir gerne die Helme aufbehalten haben, denn Mützen hatten wir keine dabei. Lediglich für das eine oder andere Foto entblößen wir unsere Köpfe, damit wir auch auf den Fotos erkennbar sind. Dann aber schnell wieder den Fallschutz aufgesetzt. (Der wirkt übrigens auch gut gegen Schnaken, doch darauf komme ich später noch zu sprechen.)

Auch uns hält jetzt nichts mehr im Freien und so wenden wir uns dem Ausstellungsbereich und dem Karten schreiben zu. Der Ausstellungsbereich bietet für Museumserfahrene Besucher kein wirkliches Highlight, aber die kleine Grotten-Kapelle ist wirklich einen Besuch wert. In den scheinbar unbehandelten Felswänden brennen unzählige Teelichter und weiße Wachstropfen bieten ein schönes Muster. Dazu bietet die Decke eine indirekte Beleuchtung und zusammen zaubern sie eine unbeschreibliche Atmosphäre. Der moderne Altar und die wenigen Stühle verhindern, dass es kitschig wirkt. Alles zusammen lädt ein zum Hereinkommen, Schauen und zum Verweilen. Andächtig werde ich hier wie von selbst und tatsächlich bete ich zu Gott für eine gute Heimkehr.

Im Gebäude sind außer Cafés, Restaurants und einem Souvenirshop auch ein eigenes Postamt untergebracht, das leider schon geschlossen hat. Trotzdem bekommen wir Briefmarken für unsere Ansichtskarten an die Lieben zu Hause und werfen sie später in eins der zahlreichen Briefkästen ein. Eine knappe Woche später werden sie an ihrem Zielort ankommen. Das geht sogar schneller, als die Post von Holland nach Rodgau unterwegs ist und auch schneller, als wir selbst unterwegs sind. Wow!

Beim Rausgehen stoßen wir wieder auf viele Steinhaufen und Berthold und ich wollen jetzt auch einen zusammen bauen. Ich hole Material heran und mein Schatz schichtet auf, was sich schwieriger gestaltet, als es aussieht. Ständig sind sie unpassend und rutschen.

Nach alledem fahren wir bei Nieselregen und mittlerweile dichtem Nebel wieder zurück ins Quartier. Hier befinden sich auf der Damentoilette etliche Graffitis auf Englisch, die sich über den überzogenen Eintrittspreis am Nordkapp aufregen, 2 Tipps, wie man das umgehen kann und ein Dankeschön, dass es geklappt hat.

  1. Das Nordkapp hat bis 1:00 h nachts geöffnet. Wenn man um 2:00 nachts hinfährt, ist da kein Mensch mehr.
  2. Man geht hinter einem Bus direkt hinein und wenn man angehalten wird, tut man so, als verstünde man gar nichts, egal in welcher Sprache. Mit etwas Glück lassen sie einen dann auch kostenlos hinein.

Diese Tipps kommen für uns zu spät. Dafür haben wir uns jetzt eine ordentliche Stärkung verdient. Ich wähle wieder meinen obligatorischen Lachs, den es hier überall und teilweise sogar schon zum Frühstück gibt. Berthold erhält das erste Mal in seinem Leben Rentiergeschnetzeltes. Ich darf kosten. Es schmeckt ähnlich wie Wild, aber nicht so streng und es ist köstlich zubereitet. Heute hat mein Schatz die deutlich bessere Menüwahl getroffen!

418 km haben wir heute abgespult und das Ziel unseres langgehegten Traums erreicht. Es ist schon seltsam, wenn ein Traum für eine kurze Zeit zur Realität wird. Glück, Stolz und Ernüchterung mischen sich gleichermaßen miteinander, um sich dann kurze Zeit später überwiegend in Erinnerung zu verwandeln. Doch unser Abenteuer hat erst Halbzeit. Die Heimfahrt über Finnland, Schweden und Dänemark steht uns in gleicher Länge noch bevor. Darauf ein Skoll!

Video Tag 6-8: Fahrt von Krokstranda zum Polarkreis; diversen Fahrszenen; E6 endet an der Fähre. Die ersten Rentierbegegnungen. Weiterfahrt zum Nordkapp. Nordkappaufnahmen.

Sonntag, 19.07.09
Ab heute geht´s wieder nach Süden (in welche Richtung auch sonst?) und verlassen die Nordkapp-Region bei wechselhaftem Wetter und 6°C. Für heute Mittag wollen wir wieder Picknicken, denn vom letzten Mal ist davon noch genug übrig.

Spartipp Nr. 6: Die teuren Verpflegungskosten lassen sich deutlich reduzieren, wenn Ihr mindestens ein Campingbesteck mitnehmt und Lebensmittel und Getränke im Supermarkt einkauft. Überall in Skandinavien gibt es Parkplätze, die auf Picknick eingerichtet sind, mit Sitzbänken, Tischen, Müllbehältern und Plumpsklos.

Aufgrund der h äufigen Regenschauer sucht mein Routefinder etwas Überdachtes: eine Bushaltestelle auf der Landstraße. Sie bietet immerhin eine Bank, Trockenheit, einen Mülleimer, dafür aber keine Toilette, dachten wir. Doch als wir mit unserem Picknickräumchen einziehen, sprechen die dortigen Hinterlassenschaften eine andere Sprache. Scheinbar ziehen Rentiere und / oder Schafe auch ein überdachtes stilles Örtchen für ihre Sitzungen vor. Der Boden war jedenfalls voll davon. Der Regen überredet uns, dennoch zu bleiben und uns mit der Umgebung zu arrangieren. Berthold kickt noch einige Eier aus der Laufstraße, doch vergebens, ich kleiner Schussel tappe trotzdem rein. Na ja, soll Glück bringen. Oder beschränkt sich das nur auf Vogelkot? Den hat die Hütte auch zu bieten: an den unteren Dachverstrebungen klebt er in dicken und vom Absturz bedrohten Brocken. Zum Glück entdecken wir sie erst, als wir den charakteristischen Geruch dieser Hütte zu ignorieren gelernt und unser Mahl verspeist haben. Wer sagt denn, dass Abenteuer immer etwas mit Gefahr zu tun haben muss?

Schließlich fahren wir noch weiter bis nach Karasiok und besuchen dort das Samen-Freilichtmuseum. Aber die paar Zelte, Hütten und deren Inneneinrichtung sind uns zu wenig.

Wir beschließen, unsere Tour zu ändern, um einem Tipp zu folgen, den Berthold von einer Samen-Frau bekommen hat. Diese Begegnung will ich kurz schildern: An einem Samenzeltlager mit 3 Zelten verkaufen Samenfrauen ihre handgemachten Souvenirs an Touristen. Ganze Busladungen ergießen sich mitunter an diesem Platz. Der Verkaufsstand befindet sich in einem der drei Zelte. In einem zweiten Zelt sitzen drei Samenfrauen um ein Lagerfeuer und bieten meinem neugierigen Berthold einen Kaffee an. Ich bleibe draußen, denn dieses Zelt ist nicht für Touristen gedacht. Die 3 gutgelaunten Damen spricht mein Schatz in Englisch an. Die Antwort kommt in Samensprache. Berti fragt, ob sie englisch sprechen. Sie verneinen, ob er norwegisch spreche. „Nein“, erklärt Berthold, er spreche nur deutsch und englisch. Daraufhin zeigt sich, dass die Damen sehr wohl auch englisch sprechen. Wo er herkomme, wollen sie wissen. „Aus Germany.“ Sie lachen. Ja, das wäre schon klar, aber woher aus Germany. Berthold erklärt, dass wir aus der Nähe von Frankfurt kommen und ob sie das kennen? Wieder Lachen. Natürlich, aber welches Frankfurt? - Noch Fragen?

Jetzt folgen wir der Empfehlung der Samen-Frauen nach Inari in Finnland.

Hier können wir wieder mit Euros bezahlen, verlieren aber dafür eine Stunde Zeit. Wir befinden uns soweit im Osten, dass wir jetzt eine Zeitzone überschritten haben, so dass jetzt die Uhren eine Stunde vorgestellt werden müssen. Dabei ist mein Zeitgefühl sowieso schon durch die nicht untergehende Sonne durcheinander. Aber jetzt geht gar nichts mehr. Ohne Uhr weiß ich nicht, ob es früh oder spät ist. Und dann überlege ich noch, ob die Uhr, die ich gerade benutze, schon auf finnische Zeit umgestellt wurde, oder nicht …

Nach 365 km Tagesstrecke nehmen wir Quartier in einem Bungalowdorf und mieten ein richtig schönes Apartment mit viel Platz, Dusche und WC und direkt am Fluss. Tja, manche Dinge bleiben eben in Erinnerung. Ebenso wie der missglückte Versuch, am Abend ein paar Dosen Bier zu kaufen. Zum Bungalowdorf gehört ein Shop mit einem Restaurant. Während der Shop Dosenbier im Spar-Angebot nur bis 21:00 h Ortszeit verkaufen darf, gibt es das teure Bier im Restaurant im Ausschank bis zum Zapfenstreich. Um 20:10 h wollen wir das günstige Dosenbier erwerben. Ihr könnt es Euch bestimmt denken. Unsere Uhr war noch nicht umgestellt und für den Alkoholverkauf über die Ladentheke waren wir 10 Minuten zu spät dran. Tja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Wir beschließen den Tag nach dem Restaurantbesuch in unserem Appartement mit einem Jubi von der Fähre. Gute Nacht.

Montag, 20.07.09
Wir starten bei Sonnenschein und 13°C. Bis nach Inari sind es nur 30 km.

Seit wir in Finnland sind, werden wir von Milliarden von Schnaken umzingelt und gequält. Wir entwickeln uns langsam zum Streuselkuchen, optisch jedenfalls, denn auch das einheimische Insektenschutzmittel hilft nur unzureichend. Wenigstens bedeutet die Fahrt auf dem Motorrad eine Verschnaufpause. Wofür Motorradkleidung und –helme alles gut sind!

Das Samen-Museum in Inari stellt sich als absoluter Volltreffer heraus. Das Leben der Samen, die Entwicklung und Ausbreitung der Ureinwohner bis zur Entstehung der skandinavischen Staatsgrenzen wird interessant und begreifbar präsentiert. Auch die Lebensformen in der nordischen Natur: Tier- und Pflanzenwelt, ebenso wie äußere Einflüsse von Eiszeit, Kriegen, Hungersnöten, Besteuerung und Beschneidung der Lebensräume, aber auch die späte Anerkennung von demokratischen Rechten.

Insgesamt fahren wir heute 288 km auf der gut ausgebauten E 4 Richtung Süden. Ein Großteil der Strecke führt am Inarisee entlang. Er ist doppelt so groß wie der Bodensee aber trotzdem nur der 3. größte See Finnlands. Wow.

Heute haben wir die bisher meisten Rentierbegegnungen. Ständig sind sie an der E 4 präsent, einzeln, zu zweit, im Familien- oder Herdenverband am Straßenrand, beim Überqueren der Straße, auf der Straße oder als Roadrunner auf der linken Fahrbahnseite Richtung Süden (s. Video). Tja, es sind halt echte Wandertiere. Manchmal auch recht unentschlossene, was die Marschrichtung angeht. Jedenfalls ist volle Aufmerksamkeit und Bremsbereitschaft gefragt. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 bis 100 km/h ist absolut berechtigt. Die letzte Rentierbegegnung für heute ist sogar tödlich. Sie ereilt uns um 21:00 h finnischer Zeit, auf dem Teller. Hmmmm, lecker!

Spät am Abend ergießt sich ein wunderschönes Abendrot von der tiefstehenden Sonne über den Himmel. Doch ganz untergehen will sie noch nicht. Mal schauen, ob wir morgen, wenn wir ca. 350 km südlicher sein werden, endlich mal wieder etwas richtige, echte, dunkle Nacht genießen dürfen?

Video Tag 9-10: Vom Nordkapp nach Finnland; Fahrszenen mit Begegnungen von Rentieren und Schafen. Die drei Samenfrauen. Samen Ausstellung in Karasjok. Fahrszenen bis kurz vor Inari. Hier laufen die Rentiere auch mal über oder auf der Straße.

Dienstag, 21.07.09
Auf dem Weg nach Süden überqueren wir wieder den Polarkreis, diesmal in Lappland. Wie groß ist unsere Verwunderung, als wir den Wohnort und das Postamt vom Weihnachtsmann hier finden. Überall arbeiten Elfen für ihn (sogar im Sommer), unzählige Wunschzettel befinden sich hier. Einige von sind sogar ausgestellt, mitunter sogar mit Foto.
Über das Postamt können wir echte Post verschicken, entweder jetzt, wie bei jedem Postamt, oder erst an Weihnachten. Geträumt? Nein, Realität, gegen Euros natürlich, doch das ist es uns Wert: unsere Mädchen erhalten nun Post vom Weihnachtsmann im Sommer und wir senden an uns selbst einen Erinnerungsbrief an diese Abenteuertour mit einem kleinen Präsent. Zu Weihnachten soll es bei uns ankommen. Bin gespannt, ob es klappt.

Am fortgeschrittenen Mittag überqueren wir die Grenze zu Schweden. Sie ist so unspektakulär, dass ich es gar nicht richtig mitbekommen habe. Berthold schmunzelt. Dafür zieht er am Geldautomaten aus Versehen Euros anstatt Schwedischer Kronen. Na macht nichts, jetzt schmunzle ich und außerdem bringen wir die Euros auch noch unter die Leute. Da bin ich Profi!

Wir fahren nach Pitea und kommen in einem Wanderheim unter. 344 Tageskilometer liegen jetzt wieder hinter uns und nach einem Einkaufsspaziergang (nur Lebensmittel) und einem Abendbrot auf dem Zimmer beschließen wir den Tag. Vielleicht bekommen wir heute eine kurze dunkle Nacht? Mal sehn. Schlaft gut und bis Morgen!

Mittwoch, 22.07.09
Falls es in der letzten Nacht dunkel geworden sein sollte, hab ich´s verschlafen.

Die heutige Tagestour führt uns rund 335 km weiter nach Süden. Zwischenstopp machen wir durch Zufall etwas abseits von der E 4 in Burea. Eigentlich wollten wir nur Kaffee trinken, doch plötzlich entwickelt sich das kleine gemütliche Lokal zum Szenetreff der Oldies. Wie das zu verstehen ist? Nun sowohl von der Einrichtung her, die an eine Stube von vor 100 Jahren erinnert bzw. an ein Museum als auch von den fidelen Gästen her. (Na ja, altersmäßig passen wir da auch bald dazu.) Sie kommen teils mit Krücken, teils mit Spezialfahrzeugen, die draußen parken. Diese sind sehr speziell: rollende Gehhilfen zum Festhalten, die gleichzeitig auch als Roller nutzbar sind, sowohl für rechts als auch für links. Eine Omi ist damit sogar richtig flott unterwegs. Aber die wird auch von einem Hund gezogen Wenn das mal nicht Doping ist? Wenn ich jedenfalls mal eine Gehhilfe brauche, dann will ich auch so einen flotten Flitzer!

Die hübsche Kirche gegenüber lädt uns förmlich zu einem Besuch ein. Hier gibt es sogar elektronische Fremdenführer in verschiedenen Sprachen. Berthold wählt deutsch aus und plötzlich ertönt über einen Lautsprecher Wissenswertes über Entstehung, Geschichte und Architektur in einer Lautstärke, die die ganze Kirche erfüllt. Beim Orgelstück und dem Kinderchor könnte man meinen, dass gerade ein Gottesdienst abgehalten wird. Zum Glück sind wir alleine und schleichen uns leise wieder davon. Nur die Gärtnerinnen draußen scheinen, uns so seltsam nachzuschauen.

In Örnsköldsvik nehmen wir Quartier im Scandic Hotel und füllen uns den Bauch am Abendbüffet bis kurz vorm Platzen. Danach nur noch ein kleiner Spaziergang und ab aufs Bett. Uff, geschafft! Und zwar total!

Der lustigste Spruch des Tages:
„Warum ändern die denn hier dauernd die Sprache?“ (beim Versuch, im Supermarkt ein Mineralwasser mit Kohlensäure von einem stillen zu unterscheiden)

Donnerstag, 23.07.09
Heutige Tagesetappe: 366 km bei häufigen Regenschauern und Nieselregen. Bei so einem Wetter ist man ziemlich allein mit seinen Gedanken und dem Motorradfahrer bleibt lediglich, dem Unabänderlichen etwas Positives abzugewinnen.

Hier die 10 Vorteile, die ein Motorradfahrer bei einer Regenfahrt hat:

  1. Das Visier reinigt sich fast von alleine.
  2. Der Straßenstaub wird kostenlos abgewaschen.
  3. Der Biker muss nicht schwitzen.
  4. Der Biker wird nicht von Schnaken belästigt.
  5. Man wird nicht von der Sonne geblendet.
  6. Es werden mehr und längere Pausen eingelegt.
  7. Aufgrund der Pausensituation wird weniger gefahren und somit Sprit gespart, was die Urlaubskasse entlastet.
  8. Die regennasse Filmkamera bewahrt vor Knöllchen und entlastet auch die Urlaubskasse.
  9. Es wird das teuerste Hotel am Platz gewählt, um einen Ausgleich für die Regenfahrt zu schaffen und finanziert es von den Ersparnissen des Tages.
  10. Man ist früher im Hotel, um sich dem Breitensport zu widmen.

Den Vorteil mit der nassen Filmkamera will ich noch etwas erläutern:
Zum Aufnehmen von Fahrszenen befestigt Berthold seine Digitalkamera vorne am Motorrad. Bei einsetzendem Regen muss diese schleunigst abgebaut und ins Trockene gebracht werden. Also kommt der nächste Parkplatz wie gerufen und Berti kümmert sich um das gute Stück, die Kamera natürlich. Als wir die Fahrt fortsetzen wollen, staunen wir nicht schlecht. Da steht ein blau-gelb gekleideter Biker ganz am Ende des Parkplatzes und erwidert unseren Gruß freundlich. Allerdings macht er keine Anstalten, auf die E 4 aufzufahren. Die Aufschrift auf seinem Motorrad erklärt warum: Politie beobachtet den Verkehr, um Rasern das Handwerk zu legen. Seine Kollegen im Polizeibus warten ca. 400 m weiter schon am nächsten Parkplatz mit Funk und allem. Nicht etwa, dass wir gerast wären, aber etwas großzügiger haben wir die Höchstgeschwindigkeiten mittlerweile doch ausgelegt, vor allem beim Überholen. Die Wahrscheinlichkeit, hier ein saftiges Ticket zu kassieren, wäre also durchaus gegeben gewesen, wenn nicht die Kamera vom Regen nass geworden wäre …

Die fest installierten Geschwindigkeitskontrollen werden ansonsten rechtzeitig vorher von Schildern angekündigt. Ich denke, dass das alles seinen Sinn hat, auch wenn für unseren Geschmack nicht schnell gefahren werden darf. Denn tatsächlich haben wir etliche Schrottwagen am Straßenrand oder auf dem Mittelstreifen verrotten sehen. Deren Kollisionsschäden stammten bestimmt nicht von einem Moped, sondern von etwas richtig Großem. Wusstet Ihr, dass Elche eine Schulterhöhe von 2,30 m und eine Kopf-Rumpf-Länge von 3 m erreichen. Dabei werden sie bis zu 800 kg schwer. Das sind 16 Zentner oder 4 GS´e, egal ob 650er oder 800er. Also manche von den beschriebenen Schrotthaufen wussten das vorher scheinbar auch nicht, dafür jetzt.
Für uns Deutsche ist dabei seltsam, dass der Schrott dort liegen bleiben darf, wenn er den Verkehr nicht stört. Aber auch da gilt: andere Länder, andere Sitten!

Der heutige Spruch des Tages lautet:
Kurios, im Land der Elche
sieht man nie welche,
außer auf dem Warnschild und dem Teller.
Dann war ein andres Auto schneller!

Freitag, 24.07.09
Der Tag beginnt mit Nieselregen und heftigen Schmerzen in meinem linken Knie. Meine bekannte Arthrose, die Dauerbelastung und das feuchtkalte Wetter fordern ihren Tribut. Das Knie macht sich schon seit ein paar Tagen bemerkbar, doch mit Salbe und Tabletten ließ es sich aushalten. Doch an diesem Morgen werden die Schmerzen nach nur ca. 50 km Tagesstrecke so schlimm, dass ich Berthold anfunke, bei nächstmöglicher Gelegenheit zu halten. Ich brauche dringend zwei Schmerztabletten. Es treibt mir schon die Tränen in die Augen bis wir halten und ich kann kaum den Seitenständer ausklappen oder gar absteigen. Mein Schatz ist gleich zur Stelle und hilft mir. Die Schmerzmittel sind greifbar, doch gehen sie zu Ende. 1.600 km liegen noch vor uns bis nach Hause. Was nun? Wir beraten uns kurz. Berthold schlägt mir vor, zum Arzt zu gehen und mir eine Spritze geben zu lassen. „Na toll, das sage ich einem Arzt, der mich nicht versteht und den ich nicht verstehe.“ „Die Ärzte hier sprechen bestimmt alle englisch.“ Oder in einer Apotheke nachfragen oder gleich ins Krankenhaus? Im Geiste sehe ich mich schon ab Stockholm mit einem Autoreisezug oder mit dem ADAC Rückholdienst nach Hause kommen, sage davon aber nichts, denn diese Möglichkeiten bleiben am Schluss immer noch. Ich überlasse Berthold die Entscheidung des weiteren Vorgehens, denn die Schmerzen behindern mich im Denken. Nachdem die Schmerztabletten wirken, fragt mich mein Schatz, ob ich wohl 30 Autobahnkilometer bis nach Uppsala schaffe. Das weiß ich zwar auch nicht, aber ich sage trotzdem schnell: „Ja klar.“ Befürchtete ich doch, dass ich irgendwie sogar noch weiter bis nach Stockholm fahren müsste, wegen dem Autoreisezug (Anm.: Ich weiß gar nicht, ob es da so was gibt).

Mein Retter in der Not manövriert mich kurzerhand ins Krankenhaus von Uppsala in die Ambulanz und dortige Orthopädie. Wir nehmen zu zweit einen Parkplatz und lösen ein Parkticket für 2 Stunden. Dann ab zur Anmeldung. Ich kann hier zwar meine Krankenkassenkarte einsetzen aber eine Gebühr von 300 Kronen und meinen Personalausweis muss ich trotzdem zücken. Mit dem wirklich bürokratischen Kram will ich hier niemanden langweilen, aber im Vergleich zu unserer Bürokratie brauchen sich die Schweden nicht zu verstecken. Sie ist dort nur anders organisiert. Letztendlich haben wir 4 Stunden Zeit verbracht mit: Anmeldung, warten, ins Behandlungszimmer kommen, ausziehen und auf die Krankenliege legen, warten, Parkticket nachlösen, warten, Behandlung mit Unterbrechung, zwischendrin warten, Parkticket nachlösen, warten, Cortisonspritze ins Knie, Apotheke, Imbiss und zurück aufs Motorrad. Die Spritze wirkt gut, dafür ist das 3.Parkticket abgelaufen.

Für die Mädels unter uns: der behandelnde Orthopäde ist jung, gutaussehend, freundlich und der erste Arzt, der mich 1 ½ Std. im Behandlungszimmer warten lässt und dafür jedesmal anklopft, bevor er eintritt. Außerdem sprechen sie hier alle mit Vornamen an, auch die Patienten.

Mit der Spritze im Knie und ausreichend Tabletten in der Tasche schaffen wir jetzt auch noch die 68 km bis Stockholm. Berthold gesteht mir, dass er auch seine kaputten Knie spürt und wir nehmen ab sofort dieselben Tabletten. Seine rechte Schulter hatte sogar schon vor der Tour Probleme gemacht und ist im Urlaub nicht besser geworden. Ich glaube, wir sind zwei Invaliden auf Abenteuertour.

Doch zurück zur Tour:
Stockholm ist eine wunderschöne Stadt! Erste Stopps machen wir am imposanten Reichsmuseum und im 30. Stock des FernsehturmsKaknästornet“.

Inzwischen scheint auch die Sonne wieder und wir haben einen Rundumblick auf Stockholm. Schon bei der Fahrt hierher verdreht uns die Stadt dauernd den Kopf. Hinter jeder Biegung wartet ein neuer Anblick, den wir bannen möchten, historische Bauten, Flüsse, Schiffe, Brunnen, Statuen überall. Also nehmen wir ein Hotel in der Altstadt zum Last Minute Preis für 959,- Schwedischen Kronen (92,- €). Wir wandern durch die Altstadt und betrachten das Schloss, beobachten die Wachablösung, kommen an Museen vorbei, sehen immerzu Flüsse, denn die Stadt liegt mehr auf anstatt am Wasser, Kirchen, Geschäfte, Lokale u.v.m. in kleinen Gässchen und alles macht irgendwie einen gemütlichen Eindruck, sogar die Touristen wirken entspannt.
Fazit: Stockholm ist eine Städtereise absolut wert!

Und Nacht wird es hier auch wieder. Sogar ins Nachtleben sind wir abgetaucht. Alles liegt dicht beieinander. Zwar haben wir jetzt runde Füße und sind kaputt, aber glücklich. Gute Nacht!

Video Tag 11-14: Finnland - Schweden. 2. Polarkreisüberquerung; Santa Claus Village; Pitea; Burea; Uppsala, Stockholm. Diverse Fahrszenen.

Samstag, 25.07.09
Zum Abschied besuchen wir am nächsten Morgen noch das Stadhuis, also das Rathaus von Stockholm. Doch die Warteschlange vor der Turmhalle ist so lang, dass wir uns dieses Mal das beeindruckende Gebäude, das eher an eine Anlage erinnert, nur von außen betrachten.

Auf der Fahrt hinaus aus der Stadt verabschieden wir uns beide schweren Herzens. Ich verspreche mir dabei, noch einmal wieder zu kommen und mehr Zeit mit zu bringen.

Video Tag 14 Nachmittag und Tag 15 Vormittag: Sonderedition für Kulturbegeisterte. Sightseeing Stockholm.

353 km folgen wir heute der E 4 weiter nach Süden bis kurz hinter Jönköpping. Hier finden wir wieder ein kleines Hüttchen zum Übernachten. Berthold flickt die Regenhaube seiner Reisetasche zum wiederholten Male.

Die Schmerzen in meinem Knie werden weniger, die an Bertholds Knie dafür mehr. Wir nehmen weiter fleißig unsere Medikamente und beißen die Zähne aufeinander. Immerhin sind wir keine 20 mehr und unsere Tour umfasst jetzt 5.812 km. Etwas über 1.200 km liegen noch vor uns.

Immerhin, je weiter wir nach Süden kommen, desto mehr nehmen die Temperaturen, die Nachtstunden und wir beide zu.

Sonntag, 26.07.09
Als wir aufstehen, sind alle anderen Gäste des Campingplatzes bereits abgereist. Nicht etwa, dass es schon Mittag wäre, nein es ist gerade mal 8:00 h. Nicht nur, dass sie die Toiletten verschlossen haben, was echt toll ist mit voller Blase und Darm, sondern sie haben uns auch die Sanitäranlagen dreckig hinterlassen. Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil man sie zum einen dann nur ungern benutzt und zum anderen auch noch zur Reinigung verpflichtet ist. Jedenfalls musste eine Kreditkartenkaution über 400,00 SK hinterlegt werden, die im Falle von Beanstandungen einbehalten werden.

Spruch des Tages:
„Reinigungsanweisungen auf Campingplätzen:
Hütte reinigen, kehren, Betten ausschütteln, Kopfkissen ausschütteln, Dusche auslecken, sonst Kohle weg.“

Um die Kosten nicht noch höher steigen zu lassen, reinigen wir zähneknirschend außer unserer Hütte auch noch die Sanitäranlagen vom Dreck fremder Menschen. Selbstverständlich haben wir die Kaution zurück bekommen, sogar ohne Kontrolle. Aber mein Entschluss steht fest: NIE MEHR CAMPINGPLATZ!!!

Die Tour führt uns weiter nach Süden bis Malmö und wir schauen uns dort die wunderschöne St. Petri Kirche sowie den Marktplatz Stortorget mit dem beeindruckenden Rathaus und Anschlussgebäuden an.

Wir verlassen Schweden über die Öresundbrücke nach Dänemark und kommen kurz darauf in Kopenhagen an.

 Diese pulsierende Hauptstadt ist nicht nur riesig und absolut international, sie ist auch hochgradig hektisch, überlaufen und die teuerste Stadt, die ich je besucht habe (sogar Oslo kann da nicht mithalten). Wir nehmen hier Quartier in einem *****Hostel und zahlen für das Doppelzimmer mit Dusche und WC, aber ohne Bettwäsche, Handtücher und Frühstück 874,- Dänische Kronen (ca. 120,- €). Dafür haben wir ein eigenes Badezimmer und einen sensationellen Blick aus dem 14. Stock. Kopenhagen liegt uns zu Füßen mit Blick auf das Tivoli, Rathaus, Straßen und Kirchen. Letzteres hat Kopenhagen reichlich, bald in jedem Straßenblock.
Wir besichtigen an diesem schönen, wolkenlosen Abend die Erlöserkirche, die Amalienburg von außen, laufen bis zur kleinen Meerjungfrau (wie kann eine so große Weltstadt ein soo kleines Wahrzeichen haben???), den Churchill-Park, Rathaus und Marktplatz aus der Nähe, Nyhaven, McDonalds, eine Bar mit Livemusik, …

Die Cortison-Spritze hat meinem Knie zwar gut geholfen, aber sie hat meinen Blutzucker drei Tage lang in schwindelnde Höhen von bis zu 467 mg/dl getrieben. Jedenfalls vermute ich darin die Ursache. Der Arzt wusste zwar, dass ich Diabetikerin bin, aber wahrscheinlich wusste er nicht, was die Spritze mit meinem Blutzucker macht. Jedenfalls hat er nichts gesagt. Seither teste ich häufig und spritze Insulin nach, doch vernünftige Werte erziele ich erst wieder seit heute Mittag.

Zu Hause lese ich dann im Internet, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag, was den Einfluss des Cortisons auf den Blutzucker angeht, und dass ich mit meinen engmaschigen Kontrollen genau das Richtige getan habe. Ja, manchmal ist das Alter mit seiner Erfahrung auch ein Vorteil.

Montag, 27.07.09
Mit Wonne schmeißen wir heute Morgen die papierne Bettwäsche in den Mülleimer. Nach einem SB-Frühstück für je 10,- € fahren wir zur Rosenburg und besichtigen dieses schöne Schloss samt Kronjuwelen.
Da soll eine Frau nicht schwach werden …

Aber mein Berti und die Heimat ziehen mich weiter. Das nächste Etappenziel ist Rödby, um dort die Fähre nach Puttgarden zu nehmen. Eine Reservierung braucht man hier nicht, denn die Fähren fahren dauernd, nur nicht pünktlich, aber das ist letztendlich auch egal. 40,50 € kosten die Überfahrt pro Biker und Moped und dauert eine ¾ Stunde. Genug Zeit für einen Imbiss und den zollfreien Einkauf, bei dem man die letzten Kronen loswerden kann.

In Deutschland angekommen, fangen wir schon an zu schwitzen. Bis zu 31°C herrschen auf der Autobahn. In Behringen in der Lüneburger Heide nehmen wir Quartier. Oh, wunderbare Heimat, du hast uns wieder. 381 Tageskilometer zzgl. 18,5 km Fähre liegen hinter uns. Beide GS´e sehen aus wie die Sau, übersät mit Insektenleichen und Straßenstaub. Treu und Zuverlässig haben sie ihren Dienst versehen, sind immer angesprungen und haben sich nie verweigert. Dafür haben wir sie ordentlich mit Sprit gefüttert und ab und zu etwas Öl und Luft nachgefüllt.

Nach einem üppigen deutschen Abendessen, 3 Linie, 3 Bier und 2 Kaffee sind wir hackedicht und bettreif. Also dann, gute Nacht!

Dienstag, 28.07.09
Um 15:15 h endet unser Abenteuer. Nach insg. 6.950 km, inkl. 469 km mit Fähren, sind wir nach 18 Tagen unfallfrei zurück nach Hause gekommen. Die Anstrengung war größer als gedacht, aber das Erlebnisspektrum auch.

Irgendwie ist mein Körper schneller gereist als meine Seele. Jedenfalls fühle ich mich immer noch wie on Tour und in meinen nächtlichen Träumen sowieso noch eine Weile.

Video Tag 15-18: Hyltena; Malmö Stadtbesichtigung; Über die 15 KM lange Öresundbrücke von Schweden nach Dänemark; Diverse Fahrszenen; Kopenhagen Stadtbesichtigung (Teil 7); Rödby; Fähre nach Puttgarden; Bispingen; Rodgau.

Video Tag 16 Nachmittag bis Tag 17 Vormittag: Sonderedition für Kulturinteressierte. Sightseeing Kopenhagen und Schloß Rosenburg mit den dänischen Kronjuwelen.

Dieses Tagebuch dient sowohl der Verarbeitung als auch dem Festhalten der Erinnerungen.

Landschaftlich hat uns beiden Norwegen am besten gefallen und von den Städten Stockholm.

Wir haben dabei Einiges gelernt. Auch dass Kreditkarten in Skandinavien längst zur Selbstverständlichkeit gehören und wie leicht man damit den Überblick über die Ausgaben verlieren kann.

Zum Abschluss noch zwei kleine Listen:

  1. Verlustliste:
    eine Schlafhose
    eine Haarspange
    ein Funkgerätedisplay
    zwei Funkkabelsätze
    zwei Regenhauben von Motorradtaschen
    ein Paar Badeschlappen
    4050,- €
  2. Zugangsliste:
    Knieschmerzen
    Unterarmschmerzen
    Schulterschmerzen
    geschwollene Hände
    ständig einschlafende Hände
    Fußpliz
    unzählige Schnakenstiche
    Muskelkater
    Muckis
    Dreckwäsche
    eine neue Haarspange
    div. Souvenirs für die Daheimgebliebenen
    Erfahrungen
    Elke
    wunderbare Anblicke
    wunderbare Erinnerungen
    neue Urlaubsziele

    ein Abenteuer!

 

Copyright by Jutta Thomas

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